Es war einst Jules Verne der vorgeträumt hat und viele Ingenieurteams und Tiefseetaucher wie beispielsweise Jaques Picard folgten ihm und wollten beweisen, das in der Tiefsee ein Universum mit einer ganzen Welt voll merkwürdiger Kreaturen beheimatet ist. Ein unwirklicher Lebensraum, eigentlich der am wenigsten bekannte der Erde, denn über ihn weiß man bisher weniger als über das Weltall.
Bis weit ins 19. Jahrhundert glaubte man in der Tiefsee sei nichts als Wasser. Ein fataler Irrtum, denn sie ist in Wirklichkeit der größte Lebensraum unseres Planeten, neunzig Prozent der Weltmeere sind Tiefseeregionen.
Seit 150 Jahren wird die Tiefsee intensiv mit U-Booten und Robotern erforscht, wobei die Dunkelheit und der enorm hohe Wasserdruck die größten Probleme darstellen.
Die Autorin geht chronologisch vor, nimmt den Leser mit auf einer Fahrt über die Weltmeere und lässt ihn nicht nur an den bemerkenswerten Entdeckungen, sondern auch an den auftretenden Problemen teilhaben. Dem naturwissenschaftlichen Teil stellt sie dabei mit der, mit spannenden Erlebnis- und Reiseberichten ausgeschmückten Entdeckungsgeschichte der Ozeanologie, ein erzählerisches Element zur Seite. So berichtet Dagmar Röhrich von der spannenden Geschichte der Tiefseeforschung und ihren Pionieren Ferdinand Magellan, Sir John Ross, Jacques Picard und Charles Thomson der mit dem britischen Dampfschiff HMS Challenger mehrjährige Forschungsfahrten unternahm. Die Melange von Wissenschaftsgeschichte und Entdeckungsgeschichte vermittelt einen fundierten Überblick über den Lebensraum Tiefsee.
Es ist das Reich der Kraken, "der Furcht und Schrecken erregenden Riesenmäuler". Eine ebenso unheimliche, wie faszinierende Welt im tiefsten Keller der Erde". Dort herrscht eine unheimliche Stille und Dunkelheit in einer bizarren Welt mit heißen Thermalquellen und Unterwasser Geysiren, die von unbekannten Lebewesen und Milliarden von Mikroorganismen bevölkert ist. Extreme Umweltbedingungen sind neben den hydrothermalen Quellen am Grund der Tiefsee anzutreffen. . Bei den 1977 entdeckten Black Smokern herrscht Vulkanismus mit extrem hohen Temperaturen und Mineralkonzentrationen. Kein Lichtstrahl dringt in dieses Tiefen und damit wird das Dogma widerlegt das alles Leben auf Erden von der Sonne abhängt. Evolutionsbiologen weisen heute der Umgebung von "Schwarzen Rauchern" den Ursprung irdischen Lebens zu.
Im Mare Verlag ist jetzt dieses Buch der freien, mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich erschienen das alles Wissen und damit auch den aktuellen Stand der Forschung dokumentiert.
Großartig sind die Illustrationen von Jan Feindt, die zeigen was dort unten kraucht und fleucht. Die zahlreichen Infokästen, Abbildungen und Zeichnungen, sowie eine umfangreiche Literaturliste sind leider nur sehr klein gedruckt, ermöglichen es jedoch dem interessierten Leser sein Wissen über diesen geheimnisvollen schwarzen Planeten zu vertiefen.
Etwas zu kurz kommen leider die Bedrohungen durch Plastikmüll, Übersäuerung, Überfischung, Rohstoffabbau und Klimawandel, Bedrohungen durch den Menschen die mittlerweile auch die tiefsten Tiefen der Weltmeere erreicht haben.
Diese "Tiefsee" begeistert, es ist ein sehr empfehlenswertes, ausbalanciertes Wissen vermittelndes Sachbuch, das Interesse für die nächsten angekündigten Ausgaben dieser fünfbändigen Lehrbuch Reihe aufkommen lässt.