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Joris-Karl Huysmans , Manfred Ach , Gustav Gugitz
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Taschenbuch, August 2007 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: Neuauflage. (August 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257214464
  • ISBN-13: 978-3257214468
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 174.127 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Joris-Karl Huysmans
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Huysmans folgt in diesem Roman Baudelaires ästhetischem Prinzip,'Schönheit aus dem Bösen zu gewinnen', und läßt seinen Helden Durtal eine Studie über Gilles de Rais schreiben, der für seine zahllosen Verbrechen im 15. Jahrhundert zum Feuertod verurteilt wurde. Durtal befaßt sich mit der Religionssekte der Satanisten und ihren düsteren Ausdrucksformen, mit Astrologie und Alchimie und wird selbst immer mehr in diese finstere Welt hineingezogen - bis zur Teilnahme an einer schwarzen Messe.

Über den Autor

Joris-Karl Huysmans wurde am 5. Februar 1848 in Paris geboren und starb dort am 12. Mai 1907. Er war mittlerer Ministerial-Angestellter und französischer Schriftsteller.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
"Die Bücher, die die Welt unmoralisch nennt, sind
solche, die der Welt ihre eigene Schande zeigen."
(Oscar Wilde)

"Grauenvoll! Grauenvoll!", so die Reflexion des Herrn Kurtz, die er aus dem "Herz der Finsternis" dem Kapitän Marlow als Quintessenz seines Lebens in der Wildnis mitteilte. Der von Joseph Conrad (1857-1924) im Jahre 1902 preisgekrönte Roman als Reise in das Innere der menschlichen Seele findet bei Joris-Karl Huysmans (1848-1907) und seiner Idee, die düstere Seite des Transzendenten, des übernatürlichen Bösen zu zeigen, seinen Ursprung. "Tief unten" (1891) ist die literarische, realfiktive Exkursion zum absoluten Nullpunkt menschlichen Verhaltens, zu unvorstellbaren Grausamkeiten, zu einer Ästhetik des Bösen in den zahllosen Exzessen des Gilles de Rais im 15. JH und der intelligenten Auslegung aller Praktiken religiöser Sekten im 19. JH.

Der Schriftsteller Durtal auf der Suche nach den Daten, Fakten und Praktiken des Gilles de Rais (1404-1440) für sein neues Buch gerät bei seiner Recherche über Freunde und Empfehlungen in die dekadente Pariser Gesellschaft. Dort wird er fündig in der Geschichte des Mittelalters wie in den geheimen Treffen der Pariser Aristokraten, Ordensträger, Domvorsteher oder Priester zu seiner Zeit. Sein Freund Des Hermies und der Katholik und Glöckner Carhaix sind willkommene Begleiter in der Erreichung seines Forschungsziels. Sein Bestreben, alles über die Zeit des teuflisch Bösen als Widerpart des göttlich Guten zu erfahren, führt ihn gedanklich in eine finstere Welt mittelalterlicher Exzesse wie real zu religiösen Sekten, dem Satanismus als Gegenpol des Katholizismus, zu berauschten Alchimisten, zu düsteren Astrologen und letztendlich zur Teilnahme an einer schwarzen Messe, deren Beschreibung besondere Beachtung verdient. Wie durch einen Spiegel schreitend, betritt er den Symbolismus einer anderen möglichen Welt oder wie man bei Stephane Mallarmes "Die Fenster" findet: "entschweb vom Traum gekrönt der Erde" [...] "und drohe auch der Fall ins Nichts der Ewigkeit".

Huysmans schrieb seinen Roman als Nachfolge seines Erstlings "A rebours" (Gegen den Strich). Sein Anliegen, dem Natürlichen durch übersteigerte Künstlichkeit zu entfliehen, überträgt er der Romanfigur Jean Des Esseintes. So wie dieser nicht das Heil in der dekadenten Künstlichkeit als ewig sieht und er sich dem Glauben annähert in der Andacht des Ästhetischen, wird für Durtal und seinen Gesprächspartnern aus der Historie klar, dass das Böse in seiner absoluten Form des "tief unten" nicht durch den Geist vollendet werden kann, sondern in diesem Leben endlich ist. Dem Bösen als die eine Lebens-Idee in diesem verlorenen Paradies steht die Transzendenz des Guten gegenüber, verkörpert in der Liebe, gepaart mit Hoffnung und Sehnsucht und letztendlich im Glauben. Huysman wie kein Zweiter ist in der Lage, aus diesem tiefsten Punkt menschlicher Grausamkeit, Hoffnung zu erzeugen und zur Umkehr in den Glauben zu bewegen. Glauben als Wellenbrecher des Lebens, "ist der einzige Damm, hinter dem jeder schiffbrüchige Mensch in Frieden stranden kann".

Wie John Keats im Hyperion (Die unterste Stufe; und als er sie berührte schien / Das Leben an den Zehen einzuströmen.) dichtete, spürt auch Huysmans an diesem tiefsten Punkt der Leiter einen warmen Zug um seine Zehen, der den Mut zur Umkehr bewirkt. Umkehr in den Gedanken der Johannes Offenbarung, die im Heiligen Geist das kommende Reich erwartet, welches das absolut Gute im umfassenden Geist weltumspannend bereithält. Doch um dahin zu kommen, muss er den Weg über die gottesfernen Tiefen nehmen und hinabsteigen in sein "La bas".

"Es war das merkwürdigste Buch, das er je gelesen hatte. Es war ein Buch, das Gift ausströmt." So wie Oscar Wildes Romanfigur Dorian Gray sich nicht dem Einfluss von "A rebours" entziehen konnte, muss der Leser sich gerade all der geschilderten Grausamkeiten in "La bas" entziehen können, weil er sich sonst seiner Seele entfernt. "Gerade so, als ob das, was wir träumen, sein könnte!" Diese Verquickung von Staunen und Bestürzung, mit der man sich gegen Widersinniges auflehnt, diese Ahnung, dem Unglaublichen verfallen zu sein, gehört zum Wesen des Traumes, lesen wir bei Conrad. Huysmans beweist, was der Menschengeist alles vermag, weil in ihm alles vorhanden ist; das diabolisch Böse aber eben auch das unendlich Gute. Gerade zum Fin de Siecle wandeln viele Dinge in der Literatur vom Materiellen ins Magische, werden mystisch, suggestiv und symbolisch verdichtet und so u. a. zur "Traumnovelle", zum "Jedermann" oder führen ins "Herz der Finsternis" oder zu den "Gesängen des Maldoror".
~~
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73 von 101 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Huysmans' Là-Bas wird eine enzyklopädisch naturalistische, ja fast wissenschaftliche Akribie in der Darstellung von Satanismus, Biographie des Gilles de Rais und aller weiteren behandelten Themenkomplexe bescheinigt (s. Nachwort RUB). Dass aber darin zuallererst die Sinnsuche eines denkenden Menschen und Künstlers in einer (der heutigen mehr als nur vergleichbaren) sinnleeren Epoche voller verflachter, mediokrer Menschen dargestellt wird, ist in der Rezeption anscheinend nur am Rande erkannt. Die schriftstellerische Methode des Naturalismus - Postnaturalismus und der Décadence spielt für diese Erkenntnis nur eine marginale Rolle. Wesentlich erscheint mir viel mehr die Haltung des Helden seinen Erfahrungen gegenüber. Hier ist nämlich, wie ich denke, sehr genau der Typus Mensch auch des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts dargestellt, der zwar von Erfahrungs- und Erkenntnishunger durchdrungen ist, sich letztendlich aber seinen Erfahrungen gegenüber als indifferent erweist. Der Grund hierfür ist zur Hälfte die Natur der gemachten Erfahrungen: Diese sind bloß rein additiv und nicht der Art, den Erfahrenden zu einer Entwicklung zu befähigen. Zur anderen Hälfte ist es die Natur des Protagonisten selbst, der nicht dazu in der Lage ist, Schlüsse aus seinen Erfahrungen zu ziehen; es geht ihm offensichtlich nicht um Verarbeitung der Erfahrung, sondern lediglich um die Erfahrung selbst. Sein Antrieb ist es, ständig irgendwelche neue Erfahrungen zu sammeln, die sobald sie gemacht sind, uninteressant und somit abgehakt werden (siehe die Begierde nach Mme Chantelouve und die Haltung zu den vollbrachten Werken (Aussage: "Ich interessiere mich nicht mehr für meine Bücher, sobald ich sie geschrieben habe.")). Diese Haltung hat Durtal mit dem heutigen Menschen gemein, den andauernden Hunger nach Information, nach Konsumation ohne Konsumption. Kurz, ein beunruhigendes, kluges und unbedingt zu lesendes Buch, welches jedem, der nach dem Lesen der letzten Seite nicht auch den letzten Gedanken über ein Buch beiseite zu legen pflegt, anempfohlen sei.
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