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5.0 von 5 Sternen
Die ominösen Landessitten eines sagenumwobenen Volkes, 22. November 2004
Endlich wagt sich ein Ethnologe mutig hinein ins unerforschte Bayern und beschreibt mit differenziertem Fachvokabular die ominösen Landessitten dieses sagenumwobenen Volkes.
Werden, Wesen und Hintergründe von Staatsform und hierarchischer Ordnung werden anhand anschaulicher Quellen, Zitate und Beispiele ("Wo die Opposition nicht zur Vernunft gebracht werden kann, verkündet die Regierung ihren Selbsteintritt") ebenso ergründet wie z.B. die Sprache ("Das Krumbacherische [...] klingt in gereimter Form vollends wie die Sprechgesänge einer Miriam Makeba"), Gefühlsleben und Mentalität, räumliches Empfinden und Religion, Rechtsempfinden, Erziehung, Balz- und Liebesverhalten... Landeskundliche Wissenschaftssatire pur, der nichts auskommt.
Oder doch knallhartes volkskundliches Standardwerk? Schließlich überbietet die Realität allemal locker jeden Witz. Um das zu erkennen und vorzutragen, braucht's nur den scharfen Blick, und den hat R. W. B. McCormack. Nicht minder scharf ist seine Zunge, und sauber gespitzt ist seine Feder.
Zu Wort kommen höchst seriöse Quellenwerke en masse, aber auch so eloquente Zeitgenossen wie z.B. Sepp Maier. Vor diesem Autor ist keine historische Quelle, kein Zeitzeuge sicher, und scheinen sie vor dem neugierigen Auge noch so gut versteckt: Eine Schrift der Moos-Gau-Sänger-Gemeinschaft Moosgrillia von anno domini 1866 kann schließlich ebenso Aufschlussreiches beitragen über Kunst- und Freisinn der Baiern wie die ewigen Nörgeleien des sinistren welschen Preußen Fontane. Und nach der Lektüre einer auszugsweise zitierten "Hausordnung eines Anwesens an der Münchner Schellingstraße (um 1980)" weiß man, was Erschaudern ist. Dazu passen bitterböse Darstellungen in streng wissenschaftlichem Tone beispielsweise dessen, was in München dezent mit "Verdrängungsmobilität" umschrieben wird.
Doch nicht nur bayrische Verhältnisse und politischer Filz werden hier aufgespießt -- dieses Buch nimmt zugleich auch noch abgehobenen Wissenschaftsjargon aufs Korn: "Ein gehässiger Beobachter könnte als 'doublespeak' einstufen, was wir als Sondersemiotik bezeichnen möchten und für erlernbar halten. Wir haben zum Beispiel herausgefunden, daß bei dem Zeichen 'Luft- und Raumfahrtindustrie' das Bezeichnete die großen Rüstungsfabriken sind."
Nein, harmlos ist das alles nicht. Und zum, sagmermal, Vortrag anlässlich des harmonischen Abschlusses des Betriebsausflugs nur bedingt geeignet...
Diese gediegene Bosheit sekundieren sinnig kommentierte Abbildungen, etwa jene, die moderne bayerische Baukunst und gelungene Altstadtsanierung nachdrücklich belegen. Man kann auch die Parteigranden von SPD und CSU der 80er Jahre beim dumpfen Brüten selbdritt beobachten, über das apokalypsensichere Bayerntum und die urbanisierungsinduzierte Verlegung alpiner Fertigkeiten in die Innenstädte keckern: man kann grübeln, wer nun die echten "vier Heiligen Drei Könige" vor der Bayerischen Staatsbibliothek sind, oder über den Wandel der Volkstracht meditieren. McCormack kommentiert aus dem Hinterhalt, und zwar ohne Unterbrechung.
Zum hinterhältig-ironischen Text passt auch gut das Pseudonym des Autors ("Mc or Mack"? Mc Core Mc"? usw.). Seine detaillierten Kenntnisse über ganz bestimmte Vorkommnisse und Urkunden engen den Kreis der Verdächtigen jedenfalls stark ein (Süddeutscher Muttersprache dürfte er ohnehin sein). Doch sind diese Überlegungen zum Klarnamen des Autors letztlich müßig; wer Wichtiges zur "Rolle des Schamanen in polyethnischen Kulturen" beitragen konnte, der wird auch mit dem rätselhaften Stamm der Bayern fertig -- q.e.d.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bayern und seine Bewohner unter die Lupe genommen, 14. Januar 2001
Von Ein Kunde
"Tief in Bayern" ist ein bissig, unbeschönigendes aber trotzdem z.T. liebevolles Porträt Bayerns und seiner Bewohner, gekleidet in die wissenschaftliche Ethnographie eines texanischen Professors. Er nimmt Land und Leute scharf unter die Lupe und seziert Gewohnheiten, Lebensweise, Geschichte etc. gnadenlos und dennoch augenzwinkernd. Dabei legt er manchmal mehr vom bayrischen Gemüt frei als uns Bayern lieb sein kann . Andererseits entlarvt er auch einige typische Klischees und deren Propagandisten als das, was sie sind - als Halbwahrheiten. Deshalb sei dieser gehobene Lesespaß, der vor keinem Lebensbereich Halt macht, jedem wärmstens ans Herz gelegt .
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Bayern für Insider, 15. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Tief in Bayern (Taschenbuch)
McCormacks Buch ist treffend, witzig und geistvoll. Als zugereiste Asylbayern mit Dauervisum mußte ich oft herzlich lachen. Allerdings setzt es doch gewisse Grundkenntnisse des bayerischen Lebens und der (jüngeren) bayerischen Geschichte voraus, weil man ohne sie einige der Spitzen und Anspielungen überhaupt nicht versteht- so konnte ein Bekannter, dem ich das Buch ausgeliehen hatte, als absoluter Nichtbayernkenner damit nicht sooo viel anfangen.
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