Aus der Amazon.de-Redaktion
Tidal ist das Debütalbum von Fiona Apple, einer Singer/Songwriter-Pianistin aus New York, die zur Zeit der Veröffentlichung 1996 gerade 18 Jahre alt war. Apple ist offensichtlich talentiert -- sie hat eine dunkle, rauchige Altstimme und einen Begabung für wirkungsvolle Formulierungen -- aber sie wird noch einige Jahre brauchen, um ihr Potential wirklich umzusetzen. Für jede frische Textzeile, die sie schreibt ("Daddy longlegs, I feel that I'm finally growing weary of waiting to be consumed by you"), liefert sie zwei Beispiele peinlich affektierter Schulmädchen-Poesie ab ("Adagio breezes fill my skin with sudden red", aus demselben Song, "The First Taste"). Sie muß auch ihre launischen Klavierakkorde noch zu richtigen Melodien verfeinern, obwohl "Shadowboxer" der Sache schon recht nahe kommt. --Geoffrey Himes
Audio
Seit dem achten Lebensjahr spielt sie Klavier, noch länger schreibt sie Lieder. Fiona Apple offenbart mit ihren 18 Lenzen eine selbstbewußte Weltsicht: "In der Musik gibt es kein richtig oder falsch, lediglich wahrhaft oder unecht". Psychologische Starthilfe erhielt die New Yorkerin von ihrer Künstlerfamilie und dem Produzenten Andrew Slater. Zwischen traumhaft schönem Piano-Pop und modern groovenden, aufgeregt schäumenden Songs wogt ihr Debüt "Tidal" hin und her. "So ist das Leben - ein Wechselspiel von Ebbe und Flut." Genau. ** Klang: 03-04
© Audio
Stereoplay
Als Eva in den Apfel biß, da war es vorbei mit der paradiesischen Unschuld des Menschengeschlechts - die Sünde wurde fortan ein steter Begleiter der Erdenbürger. Die Eva, von der hier die Rede sein soll, wird den Homo sapiens gewiß nicht von seinem biblischen Fluch erlösen. Denn sie heißt Apfel, stammt aus dem Sündenbabel New York, ist schön wie die Sünde und hat gerade ein sündhaft schönes Album aufgenommen. Fiona Apple aus dem "Big Apple": ein Gesicht, das man sich merken muß, eine Stimme, bei der man nicht weghören kann. Gewiß, an weiblichen Talenten aus Rock, Pop und Folk herrscht in diesen Zeiten kein Mangel. Doch Miß Apple ist nicht einfach eine weitere pläsierliche Diseuse - das dunkle Timbre, die leidenschaftliche Artikulation machen diese gerade mal 18 Jahre junge Frau unverwechselbar. Vergleichende Assoziationen seien dennoch gestattet: Mal gibt sich Fiona so verletzlich und entwaffnend offen wie Tori Amos ("The First Taste"), mal so drängend und frech wie Alanis Morissette ("Sleep To Dream"), so relaxt wie die Westcoast-Folk-Queen Sheryl Crow ("Sullen Girl"), so gemeinsivoll wie die Mondtochter Cassandra Wilson ("Slow Like Honey") oder so faszinierend energisch wie die Eurythmikerin Annie Lennox ("Criminal"). Für ihre meist nachtblau gezeichneten Stimmungsbilder weiß Miß Apple einen Partner an ihrer Seite, der mit außerordentlichem Feingefühl gesegnet ist. Jon Brion spielt Gitarre, Piano, Marimba, Harfe und ein funkelndes Vibraphon - und er ist für die harmonisch unorthodoxen Arrangements verantwortlich, die in ihrer ausgeprägten Individualität Fionas selbstbewußten Gesang perfekt ergänzen. Da gibt es, passend zur jeweiligen Liedatmosphäre, pulsierende Großstadtbeats, schummrigen Mitternachtsjazz, kühne Streicherverzierungen oder folkige Piano-Intimität. Fiona Apple und ihre Musik: ohne Zweifel eine aufregende Entdeckung. ** Klang.: 07-08
© Stereoplay