Clara ist 36 und promovierte Kunsthistorikerin. Da dürfte man davon ausgehen, eine erwachsene und verantwortungsvolle Frau vor sich zu haben, die zudem auch an der Seite ihrer vierjährigen Tochter Katie eine gute Mutter abgibt. Schon allein das muss man in Frage stellen und ich hoffe mal sehr, dass es nicht solche Mutter gibt, die erst nach Mallorca abdüst und ihr Kleinkind bei Oma lässt und nun aufgrund eines Fotos (!) nach Deutschland fliegt und ihr Kind der Freundin überlässt. Schade, dass Clara nicht ein bisschen was von Ines Vollblutmutter hat, das hätte der Protagonistin nicht schaden können, weil es sie glaubhafter gemacht hätte. Katie kann das vorgesprochene Wort Prosecco nicht nachsprechen, es kommt ein kindsprachlich gerechter Kauderwelsch heraus, auf der anderen Seite formuliert die Vierjährige dann wieder Sätze, die jeden Deutschlehrer an höheren Schulen vor Begeisterung ausflippen lassen würde und kann sogar schreiben! Der Gedanke, vielleicht doch lieber besser lesbisch zu werden, nach ihren furchtbar gescheiterten Männerbeziehungen - unglaubwürdig! Sie hatte gerade mal eine gescheiterte und eine fantasierte gescheiterte Beziehung hinter sich. Würden da alle Frauen sich gleich sexuell an ihren Geschlechtsgenossinnen orientieren, dann mal Prost Mahlzeit! Clara ist selbst wohl eher figurenmäßig das Modell Klappergestell. Als sie mal wieder Hals über Kopf abreist, muss sie ihren Gürtel ein Loch enger schnallen, weil ihr die Geschichte mit Andrés so auf den Magen schlägt - da ist sie gerade mal einen Tag weg und hat sich zudem in Spanien noch rundherum vollgefuttert. Zwei Tage später dann noch ein weiteres Loch enger schnallen, obwohl sie kulinarisch nicht gerade am Hungertuch nagt (Mehrgängemenü bei einer Freundin, Abstecher in die Bar (Kölsch lässt grüßen), Mamas Kochkünste genießen). Ich hatte zwischendurch wirklich den Gedanken, ob Clara im kachektischen Endzustand einer unheilbaren Krankheit angekommen ist! Unglaubwürdig auf ganzer Linie.
Das Buch selbst liest sich gerade weg, als würde man eine Story in einer Zeitschrift lesen oder einen Groschenroman, wobei der wahrscheinlich mehr Qualität hätte als dieses Buch. Null Emotionen, kindisches Verhalten einer erwachsenen und gebildeten Frau sowie Mutter, zu viele aneinandergereihte Zufälle (ich erinnere nur mal an den alten Herrn in der noch geschlossenen Strandbar und Elena), immer jemand da, der auf die kleine Katie aufpasst, die auch noch so anpassungsfähig ist mit ihren vier Jahren, dass sie sich mal eben in die Hände der einen und dann anderen Person (ab)schieben lässt und keine einzige Träne vergießt, als ihre Mutter kurzentschlossen ihre Koffer packt und einfach abreist und immer alles mit der Selbstverständlichkeit, dass andere sich schon kümmern.
Bei allem Verständnis für solche Romane, deren Inhalt ja vorwiegend auf den guten Fantasien der Autoren beruht: ein bisschen Sinn für Realität hätte diesem Roman wirklich nicht geschadet und wahrscheinlich sogar den entsprechenden Pfiff gegeben. Ein bisschen hektischer, nicht alles glattlaufend (und zwar nicht nur in Bezug auf Männer), eben das ECHTE Leben ein bisschen realistischer mit eingebaut, aber dafür fehlte der Autorin wohl die Fantasie oder die Lust.
Beim Blick auf die Anzahl der bisher veröffentlichten Romane der Autorin habe ich eher ein Gefühl von "Masse statt Klasse".
Die Story ist einfach zu durchschaubar und darüber hinaus auch noch endlos unglaubwürdig, alles viel zu sehr auf "heile Welt" getrimmt und dort, wo Chaos sein könnte, einfach nur übertrieben orientierungslos.
Das Buch begeistert nicht, es langweilt auch nicht, irgendwie wartet man als Leser darauf, dass mal endlich was passiert, auf den Effekt einer Zündung, nach der die Show endlich losgeht. Doch man wartet vergebens. Am Ende fragt man sich, warum man sich das angetan und dafür seine Freizeit verschwendet hat.
Schade um's Geld, schade um die investierte Lesezeit.
Empfehlen würde ich das Buch niemandem.