So stößt uns Andi Rogenhagen in seinen Film -Ein Tick anders- hinein. Ich, das ist Eva Strumpf(Jasna Fritzi Bauer), ein 17jähriges Mädchen, das am Tourette-Syndrom leidet. Eva erklärt erst einmal, dass in "Frankreich; Achtzehnhundertirgendwas..." ihre Krankheit entdeckt wurde. Dann weiht sie uns in ihr Leben ein. Das besteht aus Schwierigkeiten in der Schule und sonstwo. Kein Wunder, wenn sich diese fiesen Ticks einstellen, die aus Eva ein permanente Beleidigungskanone machen. Doch es gibt einen Platz, da ist Eva sicher: Die Familie. Schräg, schön passen da die Mitglieder zusammen. Vater Daniel(Waldemar Kobus) ist Autoverkäufer, der gerade seinen Job verloren hat. Mutter Esther(Victoria Trauttmansdorff) ist kaufsüchtig und esoterisch angehaucht. Onkel Bernhard(Stefan Kurt) denkt er wäre Rockmusiker, und Oma Elfriede(Renae Delfs) jagt gern Staubsauger in die Luft oder ballert mit dem Luftgewehr auf Playmobilfiguren. Eines verbindet die Strumpfs jedoch: Ihre Liebe zu Eva.
Als Evas Papa sich nach einem neuen Job umsieht, wird er tatsächlich in Berlin fündig. Für Familie Strumpf ein Segen, für Eva eine Katastrophe. Sie liebt den Wald und die Tiere und will auf keinen Fall ihre Heimat verlassen. Die Oma schon gar nicht. Also muss was getan werden. Zusammen mit Onkel Bernie heckt sie einen Plan aus, der Familie Strumpf retten soll...
Deutsches Kino mit gaaaaaanz viel Herz! Das ist -Ein Tick anders- von Andi Rogenhagen. Dafür sorgen eine liebevoll gestaltete Geschichte mit gnadenlos guten Charakteren und einer Handvoll Schauspielern, mit denen wir sofort lachen, weinen und mitfiebern können. Inhaltlich ein wenig an -Vincent will Meer- angelehnt und in der Ausführung so kunterbunt schräg wie -Salami Aleikum- und -Leicht zu haben- hat Rogenhagen seinen Film gestaltet. Wenn Eva die Erzählerrolle übernimmt, das Bild stoppt und wir zu einem Trip in Evas Träume, Phantasien und Visionen eingeladen werden, dann ist das; jedenfalls für mich, ganz großes Kino. Untermalt werden diese Szenen von traumhafter Musik. Dabei kämpft Eva nicht nur mit ihrer Umwelt, sondern vor allem mit sich selbst. Da will das Sch... Kühlkissen nicht auf der Stirn halten und der Schluckauf im Gehirn beginnt schon wieder verrückt zu spielen. Das kommt so granidos komisch und tragisch zugleich über den Bildschirm, dass es eine wahre Freude ist, dabei zuzuschauen.
Auch wenn Fluchen ja nun wirklich nicht zum guten Ton gehört, und Flüche und Schimpfworte gibt es reichlich in -Ein Tick anders-, für Andi Rogenhagens Film machen sie bitte eine Ausnahme. Wenn Filmfördergelder in solche Produktionen fließen, dann wurden sie ganz sicher nicht zum Fenster hinaus geworfen. Ich lege ihnen -Ein Tick anders- in jedem Fall dahin, wo er hingehört: Ganz nah ans Herz. Dazu gibt es die ultimative Aufforderung sich den Film unbedingt anzuschauen. Schon jetzt viel Spaß dabei!