Die knallrote Pfefferschote auf dem Cover zu Steve Wynns x-ter CD (solo oder mit diversen Bands) ist nicht nur eine feine Anspielung auf Andy Warhols berühmten Bananen-Titel zum Debüt von Velvet Underground. Das Bild passt auch hundertprozentig zu Wynns explosiver Musik mit seiner tollen Band The Miracle 3. Denn "tick...tick...tick" ist eine wahre Gitarrenrock-Granate - Desert Rock so scharf wie Pepperoni.
Auf "Wired" klingt Steve Wynns Stimme heftig verzerrt, später sind es wilde, wütende, melodische Gitarren in allen Variationen, die das Klangbild prägen. "Cindy, it was always You" ist ein ultracooler Riffrocker, den man am liebsten auf einem Wüsten-Highway zwischen San Diego und Las Vegas hören würde. Mit "Freak star" und "The deep end" hat Wynn auch fantastisch brodelnde Balladen im Programm. Bei "Wild mercury" und "All the squares go home" kehrt der Amerikaner gegen Ende der CD zu seinen Punk- und Garagenrock-Wurzeln mit The Dream Syndicate zurück.
Mit "tick...tick...tick" hat Steve Wynn seine Wüstenrock-Trilogie der vergangenen Jahre grandios abgeschlossen. Der immer noch jugendlich wirkende Mittvierziger ist ein Beispiel für Musiker, die es auch nach 25, 30 Jahren im Geschäft immer wieder schaffen, ihre Batterien neu aufzuladen. Die Go-Betweens ("Oceans apart") oder zuletzt der große Paul Weller ("As is now") lieferten dieses Jahr ähnlich superbe "Alterswerke" ab.
Welche kompositorische Meisterschaft Steve Wynn mittlerweile neben all seiner Energie und Spielfreude erreicht hat, beweist er mit dem Schlussstück "No tomorrow" - ein Achtminüter, der in zwei unterschiedliche Teile zerfällt und vor Melodieseligkeit nur so strotzt. Ein Meisterwerk - wie die gesamte CD.
P.S. Möglichst die Ltd Edition (Digibook) bestellen - da kommt das Pfefferschoten-Cover besonders schön zur Geltung.