Die Länderkundebände der Beckschen Reihe versprechen fundierte Informationen in gut verständlicher Form. Insofern hatte ich hohe Ansprüche an den Tibet-Band in der Reihe, und ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil. Das Buch eignet sich für die Vorbereitung einer Reise ebenso wie als Nachhilfe bei der kontroversen Debatte um Tibet. Zu den Stärken des Autors zählt, das er auch komplexe Zusammenhänge wie die unterschiedlichen völkerrechtlichen Ansprüche auf Tibet, klar und nachvollziehbar darstellen kann. Dabei liegt ihm eine plumpe Parteinahme fern.
Ludwig gibt allen Seiten Raum - auch der chinesischen - ohne jedoch substanzlos und beliebig zu werden. Das Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung wird von ihm überzeugend begründet. Hier findet man gute Argumente für die anhaltende Debatte um Tibet.
Überzeugt haben mich auch seine Verweise auf ähnliche Konflikte, bei denen dem Recht auf Selbstbestimmung inzwischen zum Durchbruch verholfen wurde.
So ist es eines der Verdienste dieses Buches, die Tibet-Frage in einen etwas größeren internationalen Zusammenhang gestellt zu haben, und es bleibt die Hoffnung für die Tibeter, dass die internationale Entwicklung den Tibetern einmal das ermöglichen wird, was für Ost-Timoresen und Balten möglich war.