So verrückt sich der Inhalt von "Thumbsucker'" anhört, so schräg ist der Film tatsächlich. Das gut aufgelegte Darstellerensemble, das gespickt ist mit altbewährten Darstellern und hoffnungsvollen Neuentdeckungen, wirkt zwar recht zusammengewürfelt, aber allesamt überzeugen. Ob Keanu Reeves als Zahnarzt und Hobbypsychologe, Vince Vaughn als Lehrer oder Tilda Swinton als Justins Mutter, die schräge Geschichte wird mühelos von den Darstellern getragen. Besondere Erwähnung finden jedoch Nachwuchstalent grandios in seiner Darstellung als Justin und Vincent DOnofrio als sein Vater Mike; Szenen mit den beiden Darstellern zusammen sind die besten des ganzen Films. Ohne viele Worte transportieren beide ihr gespaltenes Verhältnis zueinander auf melancholische und zugleich liebevolle Art und Weise.
Das sind die stärksten Momente von "Thumbsucker'", der an vielerlei Stellen noch unausgegoren und bemüht wirkt. Der Erzählfaden ist ziemlich lose, es gibt zwar keine richtigen Leerstellen, aber doch bleibt oft das Gefühl, etwas fehle noch.
Erfreulich wiederum ist, dass weitgehend auf Klischees verzichtet wurde. Justins Jugend ist verwirrend, kompliziert und etwas schräg ' wie im richtigen Leben. Keiner der Charaktere ist perfekt, aber niemand zeigt übertrieben gezeichnete oder altbekannte Züge, die man aus Dutzenden anderer Filme kennt. Auch die Dialoge sind wohltuend normal, ohne abgedroschen zu klingen.
So entsteht eine angenehme Mischung, aus der sich ein nicht perfekter, aber unterhaltsamer und liebenswürdig in Szene gesetzter Film ergibt.