Die meisten werden, wenn man sie nach der besten Neurosis Platte fragt, garantiert antworten "Times of grace" Warum ? Weil es die zum einen zugaenglichste,sofern man das ueberhaupt auf diese Musik anwenden kann, Cd ist, und sie trotzdem schwer und depressiv kommt,ohne Hoffnungsschimmer,wie man es eben von einer NEUROSIS Platte erwartet. Aber mit dem Laufe der Zeit hat sich fuer mich persoenlich ein anderer Langspieler herauskristallisiert,der fuer mich das ausmacht wofuer diese Band steht: Brachialitaet, eine unglaubliche Kraft und Anziehungskraft, Hoffnungslosigkeit, Klaustrophobie, Hilflosigkeit, Weltende, all das komprimiert auf einem Silberling der immer und immer wieder im heimischem CD spieler rotiert. Das ist fuer mich Through Silver in blood.
Diejenigen die "Times of grace" kennen und schaetzen, lieben die sogenannten "Verschnaufpausen",kleine Stuecke von nicht mal einer Minute um kurz Luft zu schnappen bevoer sich die Schlinge noch enger um den Hals zieht und man wieder in diese Starre der absoluten Desorientierung und beklommenen autistischen Wahrnehmung verfaellt. Nun,diese Atempausen gibt es bei "through silver in blood" nicht. Oder zumindest doch,aber es ist definitiv nichts wobei man sich erholen kann. Der Titeltrack gibt die Marschrichtung vor,langsam und stetig an Kraft gewinnend pulsieren die Drums und die Gitarren erheben sich dazu,bis die 3 Stimmen der Saenger sich abwechseln anschreien und anflehen man moege doch bitte aufhoeren,aber man will es nicht,man wird in den Abgrund gezogen und fuehlt sich ,ehr oder weniger, wohl dem sicheren Ende ins Auge zu blicken. So wird Break um Break,Snareschlag um Snareschlag, die Stimmung noch weiter erhoeht bis sie sich dann nach 12 Minuten verflogen hat und man paralysiert am Boden liegt und man dem ersten, ich nenne es mal "vorbereitenden Zwischenspiel", lauscht, "Rehumanize".
Man hoert nur einzelne Satzfetzen, "whats it like out there?" Man will diese Frage nicht beantworten... Klangfetzen die aneinem vorbeifliegen,fuer einen Moment scheint die Zeit stillzustehen,ein Moment der Ruhe ? Mitnichten,der grosse Knall am Ende zeigt die grosse Unsicherheit auf,die diese CD hervorruft,um danach in blinde Zerstoerungswut mit "Eye" zu laufen, Neurosis tun weh,rennen mit dem Kopf gegen die Wand,fallen hin,scheinen den Schmerz auf den Hoerer abzuladen und stehen wieder auf,und rennen immer wieder dagegen,bis sie erschoepft verschwinden,und den Hoerer wieder in die Weite des Raumes entlassen,bevor einer der schlimmsten/schoensten Tracks des Albums kommt. Purify.
Dieses Lied koennte man als die Essenz von "Through Silver in blood" bezeichnen. Man liegt kauernd am Boden,hoert nur ab und zu ein vorbeizischen eines Splitters der Zeit,und dann,eine Gitarre setzt ein, ploetzlich begleitet eine bittersuesse Violine die Gitarre. Man denkt sich "Na endlich...das koennen die einem ja nicht die ganze Zeit antun!"...nach 10 Minuten ist man dann eines besseren belehrt,aber so unglaublich beschwoerend und schleppend baut sich der Track auf,mit foermlich Stammes-aehnlichem Trommeln wird der Ritus fortgesetzt und wie eine Spirale fuehrt er immer weiter in die seelischen Abgruende des Hoerers. Mittlerweile haben wir wahrscheinlich die Foetusstellung eingenommen und suchen nach unserer kuscheligen Decke,aber da ist nichts,da ist nur Leere, wo man vor ein paar Minuten noch hingriff um wenigstens ein paar Worte zu verstehn ist nichts. Aber dann kommt wieder ein Hoffnungsschimmer,Locust Star, die "Single" wenn man so will.
Ist mitder eingaengigste Track auf dem Album hat aber nicht wirklich weniger Aussage oder Wirkung auf den Hoerer als alle anderen, wieder eine weitere Station auf diesem nicht enden wollenden Trip. Strength of Fates ist dann wieder so ein "haa,ruhe...so solls bleiben!" lied was einen zuerst in die arme nimmt um dann den dolch in die brust zu rammen und noch grimassen zu schneiden waehrend man zu boden sinkt. danach zerfliesst man in alle Einzelteile und will nur noch weg, man wird wieder mal allein gelassen, "Become the ocean" laeutet die letzte Runde in diesem Boxkampf ein,den man schon von Anfang an verloren hatte,und in dem man zu keinem Zeitpunkt den Hauch einer Chance hatte.
"Aeon" ist wieder so ein Silberstreif am Horizont,beginnend mit einem bittersuessen Klavier,was alleine auf ewig wiederholend so stehen bleiben koennte,aber natuerlich ruehren Neurosis den Mahlstrom weiter,ziehen dich hinein und lassen dir keine Luft zum Atmen,weil du durch die Musik selber atmen sollst. Am Ende des Liedes wird man wahrscheinlich vor "mittrommeln" irgendwo am Ende des Raumes auf dem Boden liegen und dann doch wieder nur hoffen dass es jetzt doch bitte zu Ende sein moege. Aber das wars noch nicht. Das letzte Stueck Enclosure in Flame ist dann der urknall selbst. Nur ein einzelnes Riff begleitet einen fluesternden,grimmigen Steve von Till der seine Worte wie ein Mantra geistesabwesend vor sich hin spricht,und dann, wenn man den vermeintlich verrueckten in Ruhe lassen will und einfach denkt man koennte den Raum ganz leise verlassen +ZACK+ Der Paukenschlag,hiergeblieben,wir sind noch lange nicht fertig. Und so geht es weiter,immer wieder,und man macht diese Tortur gerne mit,weil es nichts besseres gibt,wobei man sich hoffnungsloser fuehlt als beim Stilgerechten anhoeren dieser CD,beziehungsweise keinen passenderen Soundtrack fuer die Endzeitstimmung,sei sie real oder nur gerade durch die Musik im Kopf entstanden.
Licht aus,hinlegen und versuchen locker zu bleiben