Auch mit dem unfreiwillig letzten Album zeigten Led Zeppelin der Welt einmal mehr, dass jedes ihrer Alben anders klang.
John Paul Jones' erstaunlich großer Einfluss - laut Booklet war er an sechs von den sieben Songs beteiligt - zeigte sich in fast permanenten Synthie-Teppichen bei "In Through The Out Door"; Keyboards bestimmten das Geschehen - das sollte wenig später ein Markenzeichen des Achtziger-Pop werden. Man könnte also sagen, dass Led Zeppelin ihrer Zeit mal wieder weit voraus waren.
Dass diese Mischung aus Pop und harten Gitarren nicht jedermanns Sache ist, ist natürlich klar, aber ich bin erneut der Meinung, dass man sich auch hier einhören kann, wenn man nur ein bisschen offen für neue, andere Sounds ist.
Außerdem bewiesen Led Zeppelin in Zeiten der Punk-Generation, die sie als "Dinosaurier" verhöhnte, mit den poppigen Keyboardklängen einmal mehr, dass es sie nicht interessierte, was man von ihnen dachte, sondern taten, wozu sie Lust hatten.
Und nebenbei sind auch mal wieder einige wirklich gute Songs entstanden: das energiegeladene "In The Evening", das vor allem live gut abging, wie man auf der 2003 erschienenen DVD beim Konzert in Knebworth sehen kann; dann "Fool In The Rain", das teilweise mit richtigen Sambaklängen in der Mitte aufwartet und einen netten Groove hat; außerdem das epische "Carouselambra", das geil rockt und schließlich die beiden Balladen "All My Love" (Plants kurz zuvor verstorbenem Sohn Karac gewidmet) und das fast schon schmalzige, aber trotzdem einfach wunderschöne "I'm Gonna Crawl", das wie ein Schwanengesang anmaßt und es leider auch für die Band wurde. Robert Plant bringt darin noch einmal eine glänzende, leidenschaftliche Gesangsleistung und Jimmy Page ein exzellentes Gitarrensolo.
Die beiden anderen Songs "South Bound Saurez" und "Hot Dog" reißen dagegen nicht unbedingt vom Hocker, aber man kann sie hören.
Insgesamt ist für mich auch "In Through The Out Door" ein Fünf-Sterne-Album.
Tja, und wäre John Bonham nicht eines tragischen Todes gestorben, was wäre dann wohl gewesen? Ob die Band dann immer noch in Rolling-Stones-Manier touren würde?...
Zumindest gab es Pläne für ein neues Album, aber daraus sollte nun einmal nichts werden.
R.I.P., John Henry Bonham.