An dem Buch habe ich zwei Dinge zu bemängeln: zum einen geht es überwiegend um Farbadjektive. Das ist an sich zwar nicht unbedingt schlecht, allerdings verspricht der Titel eine ausgewogenere Abhandlung. Natürlich werden auch noch ein paar andere Themen angeschnitten, wie z.B. grammatisches Genus in den verschiedenen Sprachen, allerdings sind die meisten dieser Kapitel, in denen es nicht um Farben geht, recht kurz.
Das andere, was ich eigentlich als den weitaus größeren Mangel ansehe, ist, dass Guy Deutscher an ein paar Stellen Dinge behauptet, die z. T. umstritten und abwegig sind. Zudem wertet Deutscher an ein paar Stellen auch. Dies ist mir besonders im Kapitel zu den grammatischen Genera aufgefallen, wo er die englische Sprache als "careless" bezeichnet, da es keine grammatischen Genera mehr hat. Dies ist eigentlich unprofessionell und erinnert an Sprachwissenschaft im 19. Jh., die er, ironischerweise, ja selbst ausführlich abhandelt in seinem Buch.
Da ich nicht wie Deutscher einfach was behaupten möchte, ohne Beispiele anzuführen, gehe ich hier konkret auf einen Punkt ein, wo sich Deutscher irrt: In einem Kapitel, in dem es um die Komplexität von Sprachen geht, behauptet Deutscher, dass Deutsch sowohl morphologisch als auch syntaktisch komplexer als das Englische sei. Während er für die höhere morphologische Komplexität wenigstens noch Beispiele anführt, unterfüttert er seine Behauptung im Bezug auf die Syntax nicht. Kein Wunder! Denn eigentlich ist Englisch syntaktisch komplexer, eben weil es ja weniger Morphologie hat. Der geneigte Leser möchte sich bitte mal die folgenden zwei Sätze ansehen:
"John's refusing the offer." (John weist das Angebot zurück.)
"John's refusing of the offer" (Johns Zurückweisung des Angebots)
Im ersten Satz ist "John's" die Abkürzung für "John is" und "refusing" eine Verbform, die zusammen mit dem Hilfsverb "is" ein present progressive konstituiert. Im zweiten Satz hingegen ist "refusing" ein Substantiv und "John's" ist ein Genetivattribut, das zu diesem Substantiv gehört. Der zweite Satz enthält also gar kein Verb, ist so gesehen also auch kein richtiger Satz, sondern eine Nominalkonstruktion. Doch woher wissen wir das? In den deutschen Entsprechungen weist die Morphologie selbst auf die Unterschiede hin. Man sieht im Deutschen direkt an den Wörtern selbst, dass im ersten Satz ein Verb steht, im zweiten "Satz" keins, sondern ein Substantiv (mit Endung "-ung"). Im Englischen aber wird der Unterschied nur durch das "of" deutlich. Wenn das "of" da steht, dann kann der "Satz" sinnvoll nur als Nominalkonstruktion interpretiert werden. Welcher Wortart "refusing" angehört, wird also nicht am Wort selbst, sondern durch die Syntax gekennzeichnet. Und das ist es, was "syntaktische Komplexität" eigentlich meint. Englisch hat tatsächlich insgesamt gesehen eine komplexere Syntax als das Deutsche (was nicht heißen soll, dass die deutsche Sprache für sich genommen nicht auch eine komplexe Syntax hätte).
Man sieht, dass also ein paar Dinge, die Deutscher schreibt, mit Vorsicht zu genießen sind. Alles in allem enthält das Buch aber natürlich viele interessante Infos, auch zur Wissenschaftsgeschichte. Man kann in jedem Falle einiges lernen, weswegen ich das Buch trotz der einseitigen Fixierung auf Farbadjektive und trotz der sachlich- fachlichen Mängel empfehlen kann.