Das Mittelalter in England und Frankreich ist für mich die spannendste Zeit, über die man ein Buch schreiben kann. Dabei ist die hier gewählte Hauptperson als Mutter des Lancaster - Erben eine herausragende Persönlichkeit, die ich bislang immer bewundernswert und für die Zeit als herausragend empfunden habe.
Nicht so in Phillipa Gregorys Buch, in welchem Margaret Beaufort absolut machtbesessen ist. Ihre überall gepriesene Frömmigkeit ist in diesem Buch ein Laster für den Leser, Margaret verkennt sich selber als zweite Johanna von Orleans und wird es nicht müde, jedem in ihrer Umgebung zu erzählen, sie sei von Gott ausgewählt. Einzig ihr dritter Mann belächelt wenigstens teilweise ihre "göttlichen Visionen" als das, was sie sind: Spinnereien eines verqueren Geistes, die ihren eigenen Willen als den Gottes auslegt.
Ich kann diesem Buch nichts abgewinnen. Statt die spannenden Machtkämpfe und Strukturen zu beschreiben, werden die großen historischen Ereignisse mehr oder minder in kurzen Sätzen abgehandelt, als Brief oder kurze Botschaft über eine verlorene Schlacht. Ereignisse, die den Leser zum Mitfühlen anregen könnten - wie der Tod des eigentlichen Lancaster-Erbens Edward, Sohn von Marguerite d'Anjou, der Verrat von Brüdern, Söhnen und anderen Verwandten, verlustreiche Schlachten - spart sich die Autorin zu Gunsten endloser Wiederholungen von einer charakterschwachen Hauptperson, deren größter Wunsch im Leben es ist, wie sie mehr als einmal erwähnt, mit Margaret Regina Briefe unterschreiben zu können.
Dabei bleibt Margaret selber - obwohl man meint, die Geschichte direkt aus ihrem Kopf hinaus erzählt zu bekommen - selber farblos und blass. Am Anfang wird sie in wenigen Szenen als Momentaufnahmen als kindisch dargestellt, später tauchen wie aus dem Nichts Spionagenetze auf, die zeigen sollen, wie sehr sie sich weiter entwickelt hat. Da aber viel Geschichte und Handlung fehlt, dafür eine Menge wiederholendes Kopfkino eingeschoben wird, findet die Verwandlung der unsicheren, jungen Margaret, die gegen ihren Willen verheiratet wird, in eine starke Kämpferin für den Thron ihres Sohns nicht statt - sie bleibt unreif und rückständig. Margaret ist die bisher unsympathischste Hauptperson, die mir in einem Buch untergekommen ist, man findet einfach keine Eigenschaft an ihr, die einen mit ihr mitfühlen lässt oder verstehen lässt, warum sie wie handelt.
Abgesehen davon: Die Geschichte rund um die Tudors ist extrem spannend. Aber: Sie ist in weiten Teilen bekannt, jeder weiß im Vorraus, wie die Schlachten enden und welche bedeutenden Persönlichkeiten ihr Leben lassen werden, wer wann den Thron besteigt und wieder verliert. Als Autor hat man meiner Meinung nach die Aufgabe, seine Hauptperson hineinzuflechten, Aspekte aufzuwerfen, wie es zu Wendungen gekommen sein kann - die historischen Fakten lassen wirklich genug Spielraum! - und nicht schlicht und ergreifend als einfachste Methode der extrem frommen Margaret den Mord an den zwei Prinzen im Tower in die Schuhe zu schieben und dies auch noch auf so - erneut - farblose und platte Art zu schildern. Viel mehr Einflechtungen direkt rund um das Geschehen findet man nicht.
Insgesamt extrem enttäuschend und sehr schade. Wieder ein Buch, dass mich noch vorsichtiger bei dem Kauf historischer Romane werden lässt ...