Sparta hatten es nie besonders leicht. Nach dem Zerfall des Mutterschiffs At The Drive-In standen "die anderen drei" immer im Schatten der Kreativköpfe Omar Rodriguez und Cedric Bixler, die mit The Mars Volta deutlich mehr Staub aufwirbelten. Spartas erste Alben "Wiretap Scars" und "Porcelain" waren gut, und man kann sie auch nicht richtig als Flops bezeichnen, dennoch blieben sie stets diejenigen, die die kleineren Brötchen buken. Hartnäckig spielten sie Tour um Tour, gewannen stetig Freunde hinzu ... bis die Band 2005 fast vor dem nächsten "indefinite hiatus" (Plattenfirmen-Euphemismus für Bandauflösung) stand. Sänger Jim Ward war seelisch und künstlerisch ausgebrannt, Gitarrist Paul Hinojos schmiss vollends hin - um dann prekärerweise nur kurze Zeit später seinen Einstieg bei den Ex-Kollegen von The Mars Volta zu verkünden! Soweit die Vorgeschichte.
Mit Keely Davis ist ein neuer, bis dato weitestgehend unbekannter Gitarrist in die Reihen gestoßen. Im Juni 2006 verkündete ein überraschend selbstsicherer Jim Ward, dass man gerade das beste Album der Bandkarriere aufnähme. Gut, das sagen Musiker ja immer. Umso schöner, dass er Recht behalten solte - und das in einem nicht für möglich gehaltenen Ausmaß!
"Threes" stellt seine Vorgänger locker in den Schatten. "Untreatable Disease" als Opener zeigt sie nach verhalten gezupften Intro erst noch auf gewohnten Bahnen, aber schon "Crawl" zeigt die Weiterentwicklung, die diese Band und Jim Ward als Sänger im Speziellen vollzogen hat. Zudem scheinen Sparta nicht gewillt, auch nur einen Song nach Hause zu schicken, ohne ihm zuvor einen monströs hymnischen Refrain gezimmert zu haben - und das gilt für jedes einzelne Stück auf diesem Wunderwerk. So viel ist da drin! In den richtigen Momenten die nackte rohe Wucht, wie im alles niederwalzenden "Taking Back Control". Faust in die Luft und alles rauslassen. Aber auch ein neuentdecktes Faible für sanfte Klänge und Akustikgitarren: eine Strophe lang klingt "Atlas", als wäre der Song geradewegs von Radioheads "The Bends" gepurzelt. Gekonnt schneidende Gitarrenlinien gesellen sich zur ganz großen Geste. Manche Refrains schämen sich nicht, sich in die unmittelbare Nachbarschaft von U2 zu stellen - sie sind auch vollkommen richtig dort aufgehoben. Und trotzdem hält sich "Threes" immer fernab jeder Pop-Cheesyness, klingt durchweg authentisch, ruppig, kraftvoll wie aber auch verteufelt gut ausgearbeitet. Elektronische Klangerzeuger sind ganz aus Spartas Instrumentarium verschwunden. Dafür aber bereichern nun Tasteninstrumente den (eh schon alles andere als) spartanischen Klangkosmos. Diese wunderbare Orgel, die verspielt im Mittelteil vom unfassbar geilen "Weather The Storm" herumhüpft, bevor der Hurrikan wieder losbricht. Der vom Piano getragene Nachhall, den Sparta vom Gipfel des Song-Achttausenders "The Most Vicious Crime" ins Tal schicken. Und als Finale schließlich dann das unendlich schöne "Translations": statt Gitarrenpower bläst einen ein Duett mit einer Soulsängerin um.
Man kann nichts anderes sein als ergriffen. Sparta scheinen mit "Threes" nichts weniger als DAS perfekte Album für die Nuller Jahre beabsichtigt zu haben. Für jeden was dabei, keiner bleibt außen vor. Und das, ohne irgendwas zu inszenieren, sich bei irgendjemandem anzubiedern oder etwas nicht auch genau so zu meinen. Eine ganz große Kunst ist das, mustergültig vorgeführt.
PS: Und als "Threes" neulich in der Zeitschrift VISIONS (berechtigterweise) zum Album des Jahres 2006 gekrönt worden ist, überkam mich ein kindischer Anflug von Stolz. Als wäre das nicht nur ein Sieg für Sparta (auch über Mars Volta übrigens...), sondern ein persönlicher. Beruhigend, dass auch die Laudatio des Autoren im dazugehörigen Artikel mit folgendem Satz abschloß: "Was sind wir stolz auf Euch, Jungs!" Ja.