Dies scheint ein Frühjahr der Solopianisten zu werden: Brad Mehldaus grandioses Album "Live in Marciac" wurde zwar schon vor fünf Jahren aufgenommen, aber erst jetzt veröffentlicht, Gwilym Simcocks vielversprechende "Good Days at Elmau" sind ebenfalls erst kürzlich erschienen, und Eldar Djangirov setzt nun mit seinen "Three Stories" dieser beeindruckenden Reihe aufregender Pianisten (in die man sich auch Yaron Herman und Vijay Iyer denken könnte) ein weiteres Glanzlicht auf. Klar, der Mann ist jung, hat eine interessante Geschichte - aber auf CD zählt nur die Musik. Und die ist: phänomenal. Djangirov erweist sich als Alleskönner, der scheinbar mühelos die schwierigsten technischen Herausforderungen, beidhändig, meistert und doch auch noch erkennbar den Ehrgeiz hat, nicht allein mit Technik glänzen zu wollen. Hinzu kommt noch eine unbändige Spielfreude, die das Hören dieser ersten Solo-CD Djangirovs zu einem mitreißenden Vergnügen werden lässt. Wer will, kann sich ja mal den Spaß machen, und Bachs Präludium in Cis-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier zuerst in der 1986 eingespielten Fassung von Andras Schiff (gediegen, souverän, vielleicht auch ein bisschen zu brav) und dann von Eldar Djangirov anzuhören: Der nimmt das Präludium, nachdem er es kurz und seinerseits höchst souverän "vorgestellt" hat, als Folie frei fliegender pianistischer Phantasien, die man kaum noch als "Variationen" bezeichnen kann. Wollte man unbedingt etwas bemängeln, könnte man höchstens, gerade bei diesem Präludium, den Eindruck haben, dass Djangirov sein Können hier vielleicht allzu demonstrativ zur Schau stellt nach dem Motto: "Seht her, was ich alles kann." Aber, hey - der Mann ist Anfang 20, und da wird man doch mal auf den Putz hauen dürfen, WENN man es kann. Ansonsten gibt es für mich hier nichts zu bemängeln, aber vieles zu bestaunen: wie leichtfüßig Djangirovs Charlie Parkers "Donna Lee" klingen lässt, welche Piano-Oper er aus Gershwins doch so abgenudelter (und doch so grandioser) "Rhapsody in Blue" macht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und dann sind da ja noch Djangirovs Eigenkompositionen, die titelgebenden "Three Stories" etwa, oder "Russian Lullaby" oder "Impromptu" - für mich ist Djangirov ein Pianist, dem ich wirklich auch eine Karriere im klassischen Bereich zutrauen würde und dessen Jazzbegeisterung (wohl nicht zufällig heißt seine offizielle website www.eldarjazz.com) ein Glück ist für alle diejenigen, die sich nicht nur gelegentlich wünschen, dass mancher Klassikvirtuose auch mal einen Blick jenseits der reinen Interpretationspfade wagen würde.