Und wieder dreht es sich, das Besetzungskarussell. Wurde vor dem Zweitling der kanadischen Modern-Thrasher Threat Signal noch die ganze Band bis auf Gründungsmitglied Sänger Jon Howard ausgewechselt, so durften diesmal immerhin auch Gitarrist Travis Montgomery und Bassist Pat Kavanagh im Boot bleiben. Am Schlagzeug nimmt derweil Alex Rüdinger von Ordinance Platz, an der zweiten Gitarre Chris Feener.
Fast könnte man meinen, dass es sich eigentlich um eine Sessionband unter dem Banners des Sängers handelt.
Und doch hat scheinbar gerade dieser die Fähigkeit, gewisse Trademarks des Bandsounds über das Kommen und Gehen der Musiker hinweg zu retten. Noch immer sind Threat Signal ziemlich definitiv Threat Signal.
Aber so ganz ohne Veränderung bleibt der Sound bei derartiger Personaldynamik freilich auch nicht. Das war bereits an "Vigilance" zu merken, dass zwar ein deutlich flüssigeres Songwriting aufwies als der Erstling "Under Reprisal", dafür aber die schnaubend aggressiven trockenen Stakkato-Riffs sowie die Industrial-Anleihen weitestgehend opferte und mit Melodeath-Anleihen ersetzte.
All jene, die dies (wie ich) bedauert haben, dürfen nun angesichts des selbstbetitelten Drittwerkes entspannt aufatmen: Zwar bleiben untermalende Synthlinien und poppige Passagen erneut fast gänzlich außen vor, dafür jedoch hat die Band diesmal das gute alte Industrial-Stakkato von "Under Reprisal" mit den neuen Melodeath-Anleihen zusammengeführt.
Was dabei herauskommt ist, so pfeift einem ohne weitere Umstände bereits im brachialen Opener "Uncensored" ins Gesicht, das bislang aggressivste Album Threat Signals.
Montgomery und Feener huldigen auf beinahe gesamter Albumlänge genüsslich dem Tieftonriff zwischen Stakkato, synkopiertem technischem Geaxte und Melodeath-Grooves, nur ab und an blitzen einfach gehaltene Leadmelodien oder Soli auf. Rüdinger treibt die Saitenfraktion mit kraftvollen den Riffs folgenden Beats vor sich her und nimmt nur selten den Fuß vom Pedal.
Vereinzelt gibt es nun gar Breakdowns zu verzeichnen, in denen das trockene synkopierte Riffing auf die Spitze getrieben wird.
Howard trägt dem durchgetretenen Gaspedal durchweg Rechnung. Seine kratzigen Shouts dominieren den Gesangspart, vermehrt setzt er auch Growls ein. Seltener als auf den Vorgängeralben kommt seine raue Singstimme zum Einsatz und bis auf eine Ausnahme gleich ganz vollständig verabschiedet er sich von wirklich klaren oder poppigen Passagen.
Damit ist ein wesentlicher Teil des aggressiveren Grundklangs des Albums. Nicht zuletzt macht einmal mehr der stark an Chester Bennington erinnernde Gesangsstil auch einen Löwenanteil am Wiedererkennungswert der Band aus, ob man ihn nun mag oder nicht.
Und diesen Spritzer Wiedererkennungswert hat die Band diesmal leider auch mehr als nötig. Denn so sehr das aggressive rifflastige Spektakel, nicht zuletzt dank blitzsauberer Produktion, auch durch den Gehörgang prescht, hinterlassen tut es dort leidlich wenig.
Letztendlich gibt es wenige Grooves zu hören, die man nicht schon einmal irgendwo gehört hat, wenige Leads, die einem nicht irgendwie bekannt vorkommen. Das Songwriting ist die meiste Zeit zu routiniert und zu wenig spannend, um diesen Mangel auszugleichen und nur selten gibt es ruhigere Passagen oder echte Ohrwürmer zu bestaunen, an denen man sich festhalten könnte.
Die wenigen eher monotonen Breakdowns sind auch nicht unbedingt angetan, dem Material eigenen Charakter zu verleihen.
Was bleibt ist ein ordentlich nach vorn drückendes Album, mit dem die Kanadier einen durchaus spielfreudigen und energetischen Weg gefunden haben, einige ihrer alten Trademarks wieder in ihren Sound zurückzuholen.
Doch was das Album an dicken Grooves aufbietet fehlt am Ende etwas zu oft im Bereich memorabler Ideen und Abwechslung.
Dennoch ist das gebotene ein durchweg empfehlenswertes Riffbonbon mit dem Threat Signal einmal mehr den Beweis antreten, dass sie noch immer einen sicheren Stand im Modern Metal haben.