Ithyphallic kam bei vielen nicht gut an. Warum auch immer. Lag wohl an der "trockenen" Produktion. Mir hingegen gefiel die Platte sehr gut, Nach wenigen Monaten aber verlor vieles vom gebotenen Material den Reiz.
Mit dem neuen Werk haben Nile aber wohl das geschaffen, womit überhaupt niemand rechnen konnte: Sie schaffen ein Referenzwerk des Todesmetalls. Große Worte meinerseits und bestimmt auch stark vom Geschmack abhängig, aber ich versuche mit dieser Review einen Einblick in mein Empfinden des Albums gegenüber zu gewähren.
Im Prinzip bieten Nile nichts neues. Mehrere Breaks oder Stimmungswechsel pro Song sind schon immer Gang und Gäbe, genau so auch die straighteren Parts, die mit dem Vorgänger Ithyphallic schon vermehrt worden sind. Genau so auch die Doom-Parts.
Kafir bietet gleich mal alles in einem, inklusive ägyptischem Gesang. Doch eines fällt nach dem Song auf: Er war absolut episch, durchweg. Egal, wie technisch komplex das Riff oder wie hektisch oder langsam der Song auch war. Nach diesem Feuerwerk muss man erstmal tief einatmen, was Song zwei nicht wirklich zulässt (außer im Beschwörungspart inklusive Hundebeller). Hier wird gnadenlos geprügelt ohne auch nur einen Moment verschanufen zu lassen.
Utterances Of The Crawling Dead bietet Groove der alten Death Metal-Schule (Vergleich: alte Cannibal Corpse) und typischen Nile Parts inklusive Gröhl/Ächz/Schrei-Einagen, wie sie nur diese Herren bringen können.
Those Whom The Gods Detest überrascht mit Sanders-typischen, ägyptischen Klängen und Clean-Passagen im Chorus von einem Gastsänger, dabei erreicht der Songs unzählige Stimmungswechsel, und alles wirkt wie aus einem Guss.
Richtig doomig wird es dann bei 4th Arra Of Dagon, der beim ersten Durchhören ein wenig langgezogen wird, die letzten Minuten dann aber dieses Bild absolut verzerren und man am liebsten mitbrüllen würde.
Permitting The Noble Dead To Descend To The Underworld ist der heimliche "Hit". Extrem kurz, zu Beginn sehr komplex, ab der Mitte richtig eingängig, dabei aber stets sehr brutal.
Nach dem Instrumental Yezd Desert Ghul Ritual In The Abandoned Towers Of Silence geht es noch drei mal richtig zur Sache, urtypische Nile-Songs, die wieder alles in einen Topf werfen, dabei aber nie verwirren, sondern zum Weiterhören zwingen.
Allerdings bietet der letzte Song, Iskander D'hul Karnon, nochmal eine Überrasdchung mit sich: Er klingt extrem modern. Daran mögen sich manche stören, Ich hingegen liebe den Song.
Was das Album so besonders macht? In erster Linie sollte man natürlich selbst reinhören. Ein paar Punkte, die man erwähnen sollte: Hochtechnisch und simpel halten sich hier die Waage. Selbst wenn es hochtechnisch zugeht, braucht man keinen Rechenschieber um die Songs zu durchschauen. Das ist eine Meisterdisziplin, wie sie nur sehr wenige Bands hinbekommen, Nile hier hingegen mit absoluter Bravour meistern. Auf diesem Album wird wie beim Vorgänger auch nicht allzusehr von den Vorgängern separiert, sondern sämtliche Elemente in einen Topf geworfen und kräftig gerührt. Im Gegensatz zum Vorgänger schafft man aber nochmals ein höheres Level an Songwriting, was die Songs tatsächlich vollkommen aus einem Guss wirken lässt. Hocherfreulich sind auch die Pirschereien in den groovigen, alten Ami-Death Metal und das Ausprobieren modernerer Elemente.
Der Punkt, dass vielen die Produktion vom Vorgänger zu trocken war (manche reden auch von unsauber, ich rede von ehrlichem Sound), könnte hier allerdings nochmal auftreten, es hat kein Produzenten und Mischer-Wechsel stattgefunden. Die Drums jedoch wurden von Erik Rutan erfasst, was die Drums wesentlich wuchtiger klingen lässt, im Prinzip aber der "neue" Sound beibehalten wird.
Unterhaltend, "belehrend" und witzig sind auch die Liner Notes zu den Songs (in Ithyhallic haben diese leider gefehlt). Auch sonst ist die Aufmachung sehr schön, das Digipack hat auch eine "sandige" Beschichtung, was zum Material natürlich super passt.
Im Gesamten haben Nile auch hier ein schwer toppbares Album abgeliefert (was ich auch schon zu Annihilation Of The Wicked und Ithyphallic gesagt hatte), aber Nil überraschen vor allem hier mit einem gänzlich verbessertem Songwriting auf noch höherer Ebene, und kleineren, sehr passenden und vor allem gelungenen Experimenten. Das ALbum läuft seit Release sehr oft auf dem CD-Spieler und ist einfach ein Must-Have, das jeden Death Metal Fan glücklich macht und dem Großteil zeigt, wie Songs auszusehen haben. Grandios. Volle Punktzahl ohne irgendeinen Minuspunkt.