Sie werden irritiert ob der Wahl der Überschrift für meine Rezension sein. Doch ist es so, dass mich dieses Werk, mitunter eine Sisyphusarbeit, in den Tiefenregionen meiner Seele berührt hat, zumal mich Thorwald Dethlefsens Bücher seit dem Jahr 2000 nicht "loslassen" (im positiven Sinne). Und natürlich habe ich mir bei der Lektüre von Dethlefsens Seelennahrung immer wieder Gedanken gemacht, was für ein Mensch sich hinter diesen Zeilen verbirgt, die eine tiefe Weisheit aussprechen.
Dass nun eine Biographie über Herrn Dethlefsen erschienen ist, erscheint mir nun wie ein Geschenk.
Mir ist es wichtig, auf die Autorin, Angelika Koller, einzugehen, die dieses Buch mit Herzblut geschrieben hat: sie erscheint mir als eine Frau mit einer tiefen Herzensbildung, die die Stationen des Lebens, wie sie sich in den Mythen als Grunderfahrungen ausdrücken, mit Bravour bewältigt: Habe ich vor der Lektüre eine Autorin erwartet, die Dethlefsen im Stile Colin Golders Buch "Psycho" in "Starkdeutsch" (Platta) beschimpft, so geht sie ganz im Gegenteil sehr, sehr fair mit Dethlefsen um. Wie oft habe ich die Passagen über den Dethlefsen der 70er und 80er gelesen, in denen er von den sektoiden Strukturen Kawwanas so weit entfernt war, indem er die Baside für das "reinigende Gewitter" seiner Heils-Lehre (positiv konnotiert!) erarbeitete, die da sind: Nichts auf Erden geschieht zufällig, alles hat einen Sinn, etwas Schlimmes enthält (bei allem mit ihm verbundenem Leiden) den Kern zur Besserung: Luzifer ist also nicht der von den Christen gefürchtete Diabolos, mit dem die vermeintlich Verdammten in Ewigkeit zusammenleben müssen, sondern ein Archetypus für das soeben gestreifte Prinzip, dass das Schlimme notwendig ist, um schlussendlich zum Guten gelangen zu können. Dethlefsen fügt jedoch hinzu, dass man niemals mutwillig Böses tun darf, nur soll man bei dem Bösen in der Welt nicht die Flinte in Korn werfen.
Als diese Hypothesen, inklusive der von Dethlefsen vertretenen Reinkarnationstheorie (Theorie? - Reinkarnation ist bewiesen, vgl. hierzu die Werke von Ian Stevenson) teilt bzw. hält Angelika Koller für möglich, wobei sie sowohl kritisch reflektiert als auch uns ihre eigenen Erfahrungen in ihrer bei Dethlefsen durchlebten Reinkarnationstherapie mitteilt.
Exzellent gelungen finde ich die beiden Interviews mit Nicolaus Klein, aus meiner Sicht das "Herzstück" des Buches.
Gäbe es mehr solch offenherzige, gerade, reflektierte Menschen wie Frau Koller, die der Autor dieser Rezension nicht persönlich kennt, sähe es in unserer Welt anders aus. Sie ging den diachronischen Weg und beschrieb Dethlefsens Entwicklungsweg, mit Wehmut, aber zugleich entschlossen.
Es gibt keinen Grundpfeiler des Lebens des Herrn Dethlefsen, den Frau Koller ausklammert. Die frühen Jahre werden beschrieben, Dethlefsens menschlich bemerkenswerter Klassenlehrer Dr. Karl Rhein, dessen Fächerkombination ihn bis zu 10 (!) Stunden wöchentlich in die Klasse führte und der Dethlefsen sein schon damals immenses Wissen über Mythos und Esoterik vor der Klasse kundtun ließ. Die "Münchener Schule" wird in ihren theoretischen Grundlagen beschrieben und über die Prinzipien der Astrologie im Sinne C.G. Jungs (die Sterne beeinflussen nicht, sondern reflektieren im akausalen, synchronen Sinne den Lehrplan des Lebens) und der Reinkarnationstheorie zu einem stimmigen Ganzen verwoben.
Frau Koller, ich zolle Ihnen Dank!! Dankbar bin ich Ihnen, dass Sie so deutlich artikulieren, dass durch das Vorhandensein von Phantasieprodukten (= Symboldramen) während einer Rückführungstherapie die Reinkarnation keineswegs wiederlegt ist.
Note: 1+