Zwei Jahre nach dem letzten Opus "Nymphetamine" erscheint nun bald das mittlerweile achte Studioalbum der englischen Dark-Metaller Cradle of Filth.
Nach der 2003er Bombast-Orgie "Damnation and a Day" war schon "Nymphetamine" wieder deutlich "metalliger" und weniger Soundtrack-artig, ein Weg, der mit "Thornography" weiter beschritten wird.
Zuerst ein paar Worte zur Produktion: sauber, druckvoll, gut abgemischt und mit einem natürlichen Instrumentensound, also alles in allem gut gelungen.
Also zur Musik:
Wie bereits erwähnt setzt "Thornography" den "Nymphetamine"-Stil fort, nämlich eine Mischung aus epischem Dark-Metal mit recht deutlichen Death- und Thrash-Einschlägen. Der Song "Gilded Cunt" von "Nymphetamine" zeigt, was damit gemeint ist.
Der Opener "Under Pregnant Skies..." ist recht klischeehaft und im Prinzip völlig überflüssig. Wenigstens verzichten Cradle diesmal auf weitere Zwischenspiele dieser Art und präsentieren sonst nur "echte" Songs.
Das folgende "Dirge Inferno" ist ein thrashiger Uptempo-Song, der zum Bangen einlädt und stellt einen gelungenen Einstieg in das Album dar.
"Tonight in Flames" enthält zum ersten Mal in der Geschichte der Band cleane männliche Vocals, gesungen von HIM's Ville Valo. Diese Ankündigung wurde im Vorfeld kritisch aufgenommen, stellt sich jedoch als gute Abwechslung zu den überstrapazierten weiblichen Gesängen von Sarah Jezebel Deva heraus.
"Libertina Grimm" ist auch eher im Uptempo angesiedelt, mit einigen Keyboardunterbrechungen.
"The Byronic Man" ist dagegen eher getragen und bietet wieder Vocals von Ville Valo. Ein typischer neuerer Cradle-Song bei dem die Vocals im Vordergrund stehen.
"I Am the Thorn" bietet mehrere Tempiwechsel und überhaupt einiges an Abwechslung. Einer der besseren Songs auf diesem Album.
"Cemetery and Sundown" verzichtet ganz auf Keyboards, ist aber dennoch angenehm melodisch. Ehrlicher Metal.
"Lovesick for Mina" ist der langsamste Titel auf "Thornography" und erzeugt die typische keyboardlastige Cradle-Atmosphäre. Angenehm als Abwechslung zu den anderen, durchgängig recht schnellen Songs.
"The Foetus of a New Day Kicking" bietet wie "Cemetary..." keyboardfreien, melodischen Metal.
"Rise of the Pentagram" beginnt mit einem gesprochenen, Poe-artigen Gedicht und ist sonst frei von Gesang. Die Gitarre erzeugt den Rhythmus, das Keyboard die Melodie. Gut gelungen.
"Under Huntress Moon" ist wieder sehr schnell, aber melodischer als "Dirge Inferno".
"Temptation" fällt völlig aus dem Rahmen, eine wirre Mischung aus poppigen weiblichen Vocals und elektronischen Anteilen. Vermittelt ein gewisses Pop-Feeling und gute Laune. Störend.
Abschliessend gibt es zu sagen, dass Cradle mit "Thornography" beweisen, dass sie nicht in die Kitsch-Soundtrack-Goth-Ecke abrutschen, wie es einige nach "Damnation and a Day" befürchet hatten. Das Album ist vielleicht sogar das metalligste bisher, der Einsatz von Keyboards und weiblichen Vocals wurde stark reduziert. Die neuen, männlichen cleanen Vocals funktionieren erstaunlich gut, statt den Sound zu verwässern bringen sie neue Abwechslung und wirken frischer als die angestaubten Frauengesänge. Songs wie "Cemetary and Sundown" und "The Foetus..." sind melodisch und hart zugleich, eine Kombination, die nicht leicht zu errichen ist.
Kritik gibt es aber auch: vor allem die fehlende Tempovariation ist etwas langweilig, mir persönlich ist das Album etwas zu schnell, aber das ist Geschmackssache. Zudem sind die Songs in gewisser Weise austauchbar, richtig bemerkenswerte Riffs fehlen. Soweit etwa 3,5 Punkte.
Den endgültigen Ausschlag zu drei Punkten gab dann "Temptation", unverständlich, dass es so etwas auf die reguläre Edition schafft. Die "Nymphetamine"-2-Disc-Edition enthielt auch minderwertige Songs, aber eben auf der Bonus-CD.
Resultat: Gute 3 Punkte.
Anspieltipps:
- I Am the Thorn
- The Foetus of a New Day Kicking
- Lovesick for Mina
- Rise Of The Pentagram