Amazon.de
Eine besondere CD eines besonderen Künstlers. Zweifellos gehört der deutsche Bassbariton zu den prominentesten Liedersängern unserer Zeit mit zahlreichen preisgekrönten Aufnahmen und einer recht üppigen Konzerttätigkeit. Seine körperliche Behinderung hat ihn bislang von der Opernbühne ferngehalten. Nun kann Quasthoff insbesondere bei den amüsanten Melodien von Albert Lortzing seine spielerische Seite und ein authentisches komödiantisches Talent zeigen. Nicht nur die Buffo-Arien wie etwa "O sancta Justitia!", sondern auch die heldenhaften Töne eines Zaren aus
Zar und Zimmermann kann er mit stimmlicher Brillanz und bravouröser Wandlungsfähigkeit gestalten. Dieser heimliche Schwerpunkt der CD (von Lortzing stammen sechs der zehn Tracks) wird zum glänzenden Höhepunkt der Aufnahme. Außer Lortzing singt Quasthoff Arien von Carl Maria von Weber, Richard Wagner und Richard Strauß und demonstriert dadurch auch eine stilistische Entwicklung seines Fachs. Federleicht und schwungvoll gestaltet Christian Thielemann den Klang der Berliner, der insbesondere Lortzing sehr zugute kommt.
"Opernarien mit der Intelligenz des Liedsängers" preist die Deutsche Grammophon dieses Rezital. Wie strahlende Perlen reiht Quasthoff die Worte der Arien Silbe um Silbe aneinander. Erstaunlich ist seine plastisch saubere Artikulationsgabe, die dem Sänger oft in der Vergangenheit bei erzählenden Liedern ermöglichte, das romantische Ideal eines Gesamtkunstwerks aus Musik und Wort herzustellen. Dass aber die Intelligenz des Liedsängers auch ein zweischneidiges Schwert sein kann, ist bei den opulent orchestrierten Arien von Wagner und Richard Strauß festzustellen. Auf welcher Opernbühne, gegen welches klangvolle Orchester oder modernes Regiekonzept, wenn es den Sänger z.B. auf den Boden sitzend oder mit dem Rücken zum Publikum singen lässt, könnte die leicht manierierte, sehr auf raffinierte Phrasenästhetik bedachte Interpretation von Quasthoff bis zum letzten Opernbesucher durchdringen? Hier wird deutlich, welche Theaterpraxis dem Sänger fehlt und welcher körperliche Einsatz auch bei bester Studiotechnik nicht ersetzt werden kann.
Nichtsdestotrotz ist diese eine besonders wichtige und sehr gelungene Einspielung. Nicht nur weil sie viel Schönes enthält, und auch nicht nur, weil sie eine temperamentvolle und so seltene Lortzing-Hommage darstellt. Vielmehr, weil sie einen Wendepunkt in der Karriere des Liedersängers markiert. Werden wir in Zukunft Quasthoff auch als Opernsänger wahrnehmen können? Pläne für Opernauftritte in den nächsten Jahren lassen uns darauf gespannt sein. --Kleopatra Sofroniou-von Tavel
Produktbeschreibungen