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4.0 von 5 Sternen
Des Lesers liebstes Missverständnis, 25. April 2002
Auch wer Thomas Hobbes nicht kennt, kennt zumindest einen Satz: Homo homini lupus, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Und dieser hat die Rezeptionsgeschichte, zumindest wenn sie um eine echte Lektüre rum kommen will, seit jeher beeinflusst. Macht er doch ein einfaches Urteil möglich: Hobbes hat ein negatives Menschenbild. Was auch auf der Ankündigung von Amazon zu lesen ist. Hier heißt es, dass für Hobbes der Mensch "kein geselliges, staatsbildendes Wesen, sondern ein Raubtier voller Bosheit und destruktiver Instinkte" ist. Und weiter: "Kein Gesetz, kein staatlicher Zwang hält die Menschen auf, und ihr ungezügelter Selbsterhaltungstrieb führt zwangsläufig zu einem 'Krieg aller gegen alle'."
So einfach macht es Hobbes dem Leser allerdings nicht. Und wer sich die Mühe macht, den "Leviathan" ganz zu lesen, wird feststellen, dass sich die Sache etwas anders darstellt. Hobbes redet zwar keinem liberalen Rechtsstaat das Wort, sondern einem omnipotenten Absolutismus, aber von einem negativen Menschenbild, das alle Menschen zu Tieren auf zwei Beinen macht, fehlt auch jede Spur. Und wer den gern zitierten Satz, der übrigens gar nicht aus dem "Leviathan" stammt, ganz liest, wird dies auch feststellen. Komplett heißt es nämlich: Homo homini lupus, homo homini deus, dass der Mensch dem Menschen auch ein Gott sein kann. Der erste Teil gilt laut Hobbes für den Fall des vorstaatlichen Zustands, der zweite für das Leben der Menschen in einem Staat.
Wer Hobbes verstehen will, muss sich die Mühe machen und ihn lesen (vielleicht auch seine Schriften "De Cive" und "De Homine"). Es lohnt sich, und sei es nur, um festzustellen, was für einen Staat man bestimmt nicht will.
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33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Eine unvollständige Ausgabe, 10. April 2008
Diese Ausgabe ist leider nicht das Buch, was man sich erhofft.
Damit meine ich nicht das Geschriebene an sich, sondern die fehlenden Bücher Hobbes. Das Original besteht aus 4 BÜCHERN:
- Of Man
- Of Commonwealth
- Of a Christian Commonwealth
- Of the Kingdom of Darkness
(Sowohl in Englisch als auch auf Deutsch)
Allerdings birgt diese Ausgabe nur die ersten zwei Teile.
Dazu gibt es jedoch nirgends einen Hinweis.
Somit muss man sich notgedrungen ein neues Buch holen, wo alle Teile drin sind. Denn ein Buch, wo nur Teil 3 und 4 zu lesen sind, existiert nicht.
Über den Inhalt gibt es nichts Negatives zu bemängeln, im Gegenteil es ist sehr gut, wenn auch z.T. sehr anspruchsvoll geschrieben. Sowohl in puncto Formulierung, als auch den Fachbegriffen.
WENN SIE ALSO LEVIATHAN LESEN WOLLEN; (was ich dringendst empfehle) DANN EINE AUSGABE WO AUCH DER KOMPLETTE LEVIATHAN NIEDERGESCHRIEBEN IST!!!
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das bedeutendste Werk der Politischen Philosophie in englischer Sprache, 24. Mai 2007
Hobbes' "Leviathan, or The Matter, Forme, & Power of a Common-Wealth Ecclesiasticall and Civill", nicht nur in Tucks Sicht "arguably the greatest piece of political philosophy written in the English language", tritt uns hier in einer besonders leserfreundlichen Gestalt entgegen, wozu die kenntnisreiche Einleitung des Herausgebers, die editorische Notiz, Hobbes' Biographie, die biographischen Notizen und Referenzen (von "Aaron" bis "Zephanja"), die mitgegebenen Literaturhinweise, die drei Verzeichnisse (Sachindex, Namensindex und Index der Ortsnamen), die Konkordanz (Tuck - Macpherson - Oakeshott - Molesworth), das gelungene Seitenlayout und die angenehme Typographie wesentlich beitragen.
In seiner kenntnisreichen und wohlformulierten und gegenüber der Ausgabe von 1991 verbesserten, aktualisierten und erweiterten Einleitung stellt Tuck die Vita und das Opus von Hobbes vor. Er betont den Einflusss der kontinentalen Renaissance-Kultur auf Hobbes (immerhin verbrachte Hobbes zwischen 1610 und 1640 acht Jahre auf dem Kontinent, wo er unter anderem die Auseinandersetzung der Venezianer mit dem Papst miterlebte und wo er mit Galilei zusammentraf). Zu recht weist Tuck darauf hin, dass der "Leviathan", obgleich in einem monarchischen Staat entstanden, eben kein Plädoyer für die (Erb-)Monarchie ist, ein Umstand, der ihn bei den Royalisten sogleich in Verruf bringen musste. Der englische König (oder die Königin) wurde (und wird) nicht durch einen Vertrag bestellt, sondern kam (und kommt noch) allein durch Sukzession auf den Thron, durch Sukzession, die als göttlich oder durch Tradition legitimiert gilt. Insofern ist der Leviathan eindeutig republikanisch-demokratisch. Auch für einen zumindest latenten Liberalismus im Denken Hobbes' lassen sich Belege finden. An erster Stelle kann der Vertragsgedanke selbst genannt werden: Annähernd Gleiche und Freie schließen einen Vertrag, auf der die gesamte Ordnung beruht. An zweiter Stelle kann die natürliche Freiheit einer jeden Person angeführt werden, die die (politische) Vertragsfreiheit einschränkt. So ist jede Person berechtigt, ihr eigenes Leben zu schützen, so ist niemand verpflichtet, sich selbst zu töten, ungeachtet dessen, was der vertraglich bestellte Souverän befiehlt. Schließlich, und damit unmittelbar zusammenhängend, haben alle Bürger ein Widerstandsrecht: Wenn der so eingesetzte Souverän seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt, wozu vor allem die Pflicht zum Schutz von Leib und Leben gehören, dann endet auch die Pflicht der Bürger zum Gehorsam, denn der alleinige Zweck der Gehorsamspflicht ist Schutz.
Hobbes "Leviathan" ist ein klassisch gewordenes Werk der neuzeitlichen politischen Theorie und Philosophie, sein Erscheinungsdatum, 1651, liegt über dreieinhalb Jahrhunderte zurück. Die Zahl der Abhandlungen, die sich mit ihm befassen, ist kaum noch zu überblicken.
Der "Leviathan" besteht aus vier Teilen: Der erste (Kapitel 1-16) handelt vom Menschen, der zweite (Kapitel 17-31) vom weltlichen Staat (Common-wealth), der dritte (Kapitel 32-43) vom christlichen Staat (Christian Common-wealth) und der vierte (Kapitel 44-47) vom Reich der Finsternis (Kingdome of Darknesse).
Im ersten Teil stellt Hobbes sein extrem nüchternes, mechanistisches, an der Physik und Geometrie seiner Zeit orientiertes, zum Teil pessimistisches Menschenbild vor, ein Menschenbild, das ihm den Ruf eingebracht hat, derjenige Autor zu sein, "der das politische Verhalten der Menschen ausschließlich durch das Eigeninteresse zu erklären suchte", wie J. Plamenatz sagte. (Am Ende von Kapitel 18 wird zusätzlich die menschliche Neigung zur Zukunftsdiskontierung hervorgehoben.) Hobbes vertritt ausdrücklich eine Markttheorie des Wertes eines Menschen: "Der Wert ("Value, or WORTH") eines Menschen ... ist sein Preis; d. h., er richtet sich danach, wie viel man für den Gebrauch seiner Kraft geben würde. Er ist daher nicht absolut, sondern abhängig vom Bedürfnis und vom Urteil anderer". Die Würdigkeit ("Worthinesse") dagegen besteht in der besonderen Fähigkeit, bestimmte Aufgaben, z. B. ein Richteramt, zu übernehmen. "Würde" ("Dignity") schließlich wird mit Hilfe von "Wert" charakterisiert, nämlich als der "öffentliche Wert eines Menschen", als der "Wert, den ihm der Staat zuspricht" (Kapitel 10).
Hobbes nimmt an, dass die Menschen trotz aller Unterschiede hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten annähernd gleich sind, insbesondere gleich in ihrem Vermögen, sich gegenseitig zu bedrohen. Aus dieser Gleichheit entsteht eine "Gleichheit der Hoffnung, unsere Absichten erreichen zu können." Daraus entwickelt er dann seine zentrale sozio-ökonomische Konflikt- und Knappheitshypothese: "... wenn ... zwei Menschen nach demselben Gegenstand streben, den sie jedoch nicht beide haben können, so werden sie Feinde und sind in Verfolgung ihrer Absicht ... bestrebt, sich gegenseitig zu vernichten oder zu unterwerfen". Aus der Gleichheit - nicht etwa aus der Ungleichheit! - entsteht Misstrauen, aus dem Misstrauen der (präventive) Krieg (Kapitel 13). Die Ursachen des Konflikts, nämlich Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht, sind in der menschlichen Natur zu finden. Ohne eine Macht, die die so disponierten Menschen im Zaum hält, leben und verbleiben sie im bloßen Naturzustand, der identisch ist mit dem Krieg eines jeden gegen jeden (Kapitel 14). In diesem Zustand aber kann kein Fleiß gedeihen, weil sich niemand seiner Früchte sicher sein kann. Es herrscht fortdauernde Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes und - in den eindringlichen, berühmt gewordenen Worten - "the life of man, solitary, poore, nasty, brutish and short." (Kapitel 13).
Zentral für den Leviathan ist die Vertrags-, vor allem aber die Souveränitätsdoktrin, die im zweiten Teil vorgestellt wird. Während Bienen und Ameisen untereinander in einer natürlichen Übereinstimmung zusammenleben, ist die Übereinstimmung der Menschen künstlich, da sie auf einem Vertrag beruht. (Später wird Hume diese Unterscheidung von "natürlich" und "künstlich" in seinem "Treatise", III.i.2, aufgreifen, wobei er jedoch in seinem Essay "Of the Original Contract" den Vertragsgedanken ausdrücklich verwirft.) Eine solche Übereinstimmung aber ist labil und verletzlich, sie bedarf zu ihrer langfristigen Sicherung einer allgemeinen, höchsten Gewalt, eines Souveräns, denn "Verträge ohne das Schwert sind nur Worte und besitzen keine Kraft, einem Menschen auch nur die geringste Sicherheit zu bieten". (In den Kapiteln 18 und 21 wird dies wiederholt.) Der einzige Weg dazu führt über die Übertragung der Macht der Individuen "auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können". Diesen einen Willen, "eine wirkliche Einheit aller", nennt Hobbes - unter Anspielung auf das Buch Hiob - "Leviathan", oder ehrerbietiger den "sterblichen Gott". Der politische Staat ist ein "Staat durch Einsetzung", durch Autorisierung, nicht ein "Staat durch Aneignung" (Kapitel 17).
Der Souverän, sei es ein Monarch oder eine Versammlung, hat eine Hauptaufgabe, nämlich für die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, wobei unter "Sicherheit" nicht nur die Erhaltung des physischen Lebens gemeint ist, sondern auch die Sicherung des Eigentums, d. h. dessen, was durch rechtmäßige Arbeit erworben wurde. Diese Sicherheit wird durch "gute Gesetze" geschaffen, d. h. durch solche Gesetze, die allen nützlich sind. Zudem sind diese Gesetze auch gerecht, da sie von einem Souverän beschlossen wurden, dessen legislative Kompetenz durch Übereinkunft zustande gekommen ist: "whatsoever the Gamesters all agree on, is Injustice to none of them" (Kapitel 30; vgl. auch Hobbes' "De Cive", III.vii, wo er sich auf das römische Rechtsprinzip "Volenti non fit iniuria" beruft, das er allerdings durch seine Theorie eigenständig zu begründen können glaubt). Zu dieser Sicherheit durch Billigkeit ("equity") gehören auch Rechts- und Steuergleichheit, ausreichende materielle Grundsicherung für unverschuldete Arbeitsunfähigkeit, ein adäquates Strafrecht sowie ein angemessenes Gratifikationssystem, das Leistungsanreize bereitstellt.
Ein Staat ist immer durch "innere Krankheiten" gefährdet, durch Herrscher, die keine Macht ausüben wollen (denn dies provoziert die Rebellion), durch falsche Auffassungen wie die, jeder könne Richter in eigener Sache sein, niemand dürfe gegen sein Gewissen handeln oder die Rückführung von Heiligkeitsansprüchen auf übernatürliche Eingebungen (denn dies führt zu allgemeiner Verwirrung), durch die die Lehre von der Gewaltenteilung (denn Gewaltenteilung ist nichts anderes als Auflösung und damit gegenseitige Zerstörung). Solche Krankheiten werden verbreitet durch "ungebildete Geistliche", die häufigste Ursache ist die Lektüre der politischen und historischen Schriften der Griechen und Römer (Kapitel 29).
Der dritte Teil deutet das Christentum vor allem als gesellschaftlich anerkannte und sanktionierte Art und Weise, die mit jeder natürlichen Religion verknüpften Gefühle und Leidenschaften, nämlich Liebe, Hoffnung und Furcht auszudrücken. Kritisch setzt sich Hobbes mit dem Wunderglauben auseinander, wobei er gewisse Einwände, die von später von Hume vorgebracht werden, bereits vorweg nimmt (Kapitel 37). Zentral ist in diesem dritten Teil vor allem die Ablehnung der Lehre...
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