Der Fernsehjournalist Georg Stefan Troller hat die Menschen mal in vier-Minuten-Menschen ,
fünf, sechs,- oder acht-Minuten-Menschen eingeteilt. Also wieviel Zeit sie in einem
Fernsehportrait 'verdienen'.
Als der Autor, als Redakteur für Alfred Biolek, den Thomas Harlan entdeckt hatte, war klar :
Wir müssen eine ganze Sendung mit ihm machen.
Ich zitiere das Vorwort:
'Weil Thomas Harlan hatte, was man Charisma nennt,
und verfügte über eine geradezu orientalisch anmutende Kunst des Erzählens,
die weder das Plaudern kannte noch das Zögern. Seine Sprache war scharf und
poetisch zugleich, präzise, gespickt mit überraschenden und einprägsamen Wendungen
und dazu von einer zuweilen grausamen Treffsicherheit. Harlan benutzte die Sprache
wie ein Instrument und schilderte dabei einen Lebensweg, der im Grunde zwar typisch
deutsch, vor allem aber absolut einzigartig war.'
Als er achtzehn ist, schreibt ihm Gottfried Benn : 'Sie sind so begabt, daß man nicht
recht weiß, was man zu Ihren Strophen eigentlich schreiben soll..'
Das Spektrum seiner Freunde geht von Nahum Goldmann dem berühmten Präsidenten des
Jüdischen Weltkongresses über Michel Tournier bis Klaus Kinski mit dem er in den
ersten Nachkriegsjahren eine Theatertruppe hatte, bis Kinski dann mit seiner Freundin
und der Theaterkasse durchgebrannt ist.
Es ist in Interviewform geschrieben, zu wichtigen Personen,
im Fall der NS-Täter muß man sagen 'Unpersonen', sind biografische Angaben sehr schön
eingeschoben und am Ende ein paar Faksimile-Aktenabdrucke und ein langer Vater-Sohn-Brief.
Das Vorwort endet so:
'Noch nie hatte ich vor Thomas Harlan jemanden getroffen, der seinen Zuhörer von der ersten
Minute derart fesselte,
durch seine Art zu erzählen wie auch den Reichtum an beinahe unglaublichen Erlebnissen und
Reflexionen, jemanden, dessen Biografie auf so eindrucksvolle Weise die deutsche Geschichte
spiegelt und in dessen Werken diese so radikal und faszinierend in Kunst verwandelt wird'
So ist es.