'This War Is Ours' ' ein Titel, in den man natürlich gleich viel hinein interpretieren kann. Ein schlagende Aussage, die vor allem eins klarmachen soll ' nämlich, dass eine Band auch mit einem anderen Sänger durchstarten kann. Problematisch ist ein Sängerwechsel natürlich immer. Sitzt jemand anderes hinter den Drums oder spielt plötzlich Klausi statt Hansi die Leadgitarre sind das alles Veränderungen, die den Sound einer Band kaum beeinflussen.
Geht aber der Sänger auf dem Weg in die Herzen der Hörerschaft verloren, kann das schon mal kritisch werden. Denn wer kann schon behaupten, kaum einen Unterschied gehört zu haben, als plötzlich Craig Mabbitt statt Ronnie Radke hinter dem Mikro stand?
Unterschiedlicher könnten zwei Sänger wohl kaum sein. Und ich kann definitiv nicht behaupten, dass der eine in irgendeiner Weise eine einzigartigere oder markantere Stimme hat als der andere, beide haben von Grund auf verschiedene Klangstimmen und geben ein und dem selben Escape The Fate Song zwei völlig verschiedene Stils.
Dass das zweite Album ANDERS wird, war ja abzusehen'
'Aber ich war zuversichtlich! Dieser Kuchen würde mir schon schmecken.
Das Rezept:
Man nehme eine halbe handvoll junge talentierte Männer ' Max Green, Monte Money, Robert Ortiz ' und schmeiße sie in eine große Schüssel. Man gebe Craig Mabbitt hinzu, würze gut mit diversen Spielereien, die vor allem durch Ukulele, 'Charango' und Flöte geprägt werden, und rühre alles gut durch.
Guten Appetit.
Ich war mir ziemlich sicher, dass dieses Album wirklich gut werden würde. Das Debutalbum von Escape The Fate war großartig und Craig Mabbitt ist ein technisch gesehen fantastischer Sänger, der definitiv überzeugen kann (bei Ex-Band 'blessthefall' und Nebenprojekt 'The Word Alive' zu hören). Die Tatsache, dass Mabbitt für gewöhnlich lieber die 'härteren' Töne anschlägt, wie er selbst einmal sagte, ließ mich hoffen, dass er dem neuen Album eine besondere Note verleiht.
Eine besondere Note hat das Album auf jeden Fall und die bekam ich auch sofort zu 'spüren', als ich die CD in den Händen hielt.
Da wartet man ganze drei Monate auf ein Album (ich gehörte zu den ganz Schnellen, was das 'pre-ordering' betrifft) und sieht dann dieses Cover von 'This War Is Ours'.
Zuerst dachte ich an eine Iron-Maiden-Veralberung. Casey Howard ' dem Mann, der im Booklet als Verantwortlicher für Art Direction & Illustration genannt wird ' sollte man auch mal die Begegnung mit der Guillotine ermöglichen. Natürlich ist das eine Frage des Geschmacks, aber meiner Meinung nach ist dieses Cover nicht nur hässlich, es hat für mich auch keinerlei Bezug zu dem Album und dessen Inhalten.
Voller Vorfreude und mit zu hohen Erwartungen legte ich die Scheibe in meinen CD-Player und befand mich nach dem ersten Durchlauf gefühlsmäßig irgendwo zwischen Enttäuschung, Frustration und Wut. Nach 'intensiverer' Beschäftigung mit der Platte, konnte ich dem einen oder anderen Song doch noch etwas durchaus Positives abgewinnen.
'We Won't Back Down':
Der Song ist durchaus ein gelungener Einstieg und hält als Opener durchaus stand. Die Gitarren sind lange nicht mehr so 'schreddernd' wie es beim Debut der Fall war, stattdessen wird viel Wert auf klare Metalriffs gelegt, die schon beim ersten Song starke Glam-Anleihen miteinbringen. Der Chorus ist klar und die Melodie eingängig. Der Text orientiert sich am Hauptthema des Albums 'This War Is Ours', wie auch schon der Titel aussagekräftig verrät.
Sofort wird deutlich, dass nicht nur die eingefleischten Escape The Fate ' Hörer auf eine harte Probe gestellt werden, auch Mabbitt-Fans erkennen sofort einen großen Unterschied zu bisherigen Aufnahmen von Craig in anderen Bands. Natürlich drückt das auch Mabbitts enorme Vielseitigkeit aus.
'On To The Next One':
Das Intro beim zweiten Song ist sehr gut gelungen und verspricht einen guten Song einzuleiten. Sobald der Gesang einsetzt, wird diese Anfangseuphorie ein wenig gebremst. Beim Chorus wird allerdings klar, dass die Strophen definitiv mehr her machen, als besagter Mittelpunkt des Song. Der Chorus ist eingängig, aber einfallslos. Die Instrumentalbridge ist annähernd genial, die umfangsreiche Darbietung der Gitarrenspielkünste ist beeindruckend, verstärken bei mir persönlich aber auch diese 'GlamRock-Atmosphäre', die ich das ganze Album über verspüre.
'Ashley':
Die Melodie ist nicht überragend, lässt so viel Energie und Härte vermissen, wie beinahe jeder Song auf dieser Platte. Aber sowohl Strophen als auch Chorus sind nett anzuhören und versprühen gute Laune (wobei man jetzt überlegen sollte, ob das der gewünschte Effekt war. Gute Laune möchte ich mir eigentlich lieber mit anderen Musikstilen holen). Auch die Bridge sticht hervor, sie ist äußerst gut gelungen. 'Ashley' ist auch der erste Song des Album, bei dem ich neben dem üblichen GlamRock-Feeling auch sofort das Bild eines Highschoolfilms im Kopf hatte. Der Song würde sich absolut gut auf einem dazu passenden Soundtrack machen.
Wie gesagt, der Song an sich ist ganz in Ordnung, das einzige was mich hier wirklich stört (davon mal ganz abgesehen, dass ich von Escape The Fate keinen Highschool Soundtrack will) ist der Text:
'Ashley baby' ' und das den ganzen Song über. Textlich gesehen lässt das Album häufig mal ein bisschen zu wünschen übrig. Natürlich erwartet man bei einer CD keine lyrischen Meisterwerke, aber 'baby' ist abgedroschen und in Songtexten bereits viel zu oft misshandelt und vergewaltigt worden und damit als Inhalt des Chorus absolut ungeeignet, nebenbei provozieren Songs, die den Namen einer Frau tragen, immer ein wenig Misstrauen bei mir, da sie doch schwer nach Boybands schreien (ich erinnere da nur an 'Maria' von einer Castingband, deren Name nicht mehr mit der Mitgliederzahl kompatibel ist, soweit ich weiß).
'Something':
Neben 'The Flood' ist 'Something' der Song, der auf dem Cover schon durch einen unübersehbaren, überaus neckischen Sticker angepriesen wird.
Der Song ist ' verglichen mit ein paar Fehltritten der Scheibe ' wirklich nicht übel, richtig nett ' aber eben nur nett, nämlich recht unspektakulär.
Die Strophen sind umfangreich und herrlich elektronisch bearbeitet, was das Gesamtbild eher wieder in die Richtung der Boyband schiebt als in die der extraordinären, unabhängigen Rockband.
Die Gestaltung der Pre-Chorus-Zeile 'Can you help me understand?' ist ein Glanzstück der Scheibe, an manchen Momenten 500 Oktaven über dem für das menschliche Ohr Wahrnehmbaren. Nicht ganz so schlimm, aber durchaus typisch für Mr. Mabbitt. Und um mir eine kleine gemeine Bemerkung zu erlauben: DAS würd ich zu gerne mal live hören und zwar genau SO. Ohne technische Hilfsmittelchen bleibt das wohl ein Wunschtraum.
Im Chorus schwächt der Text wieder, lässt sich aber insgesamt gut hören.
'The Flood':
JA! Danke! Ich ' als bekennende Tochter der MySpace-Generation ' hatte den Song natürlich schon lange vor dem Release des Albums gehört. 'Damals' war ich absolut enttäuscht von dem Song, zumindest beim ersten Hören, weil er den Stein wirklich weit weg vom Debutalbum katapultiert. Kennt man aber erstmal das Album ' haha ' wird der Song plötzlich in die Eliteklasse gehoben. Auch als eigenständiger Song, das muss man auf jeden Fall sagen, überzeugt 'The Flood' auf ganzer Linie, UpTempo-Nummer mit wundervollen ' ich bin überaus dankbar dafür ' Screams in der Bridge, die für Mabbitts Verhältnisse in fast schon Growl-artige Tiefen rutschen, neben eingängigen Clean Parts ' die natürlich, dem Konzept des Albums zu liebe, überwiegen.
'Let It Go':
Schon das Intro versetzte mich wieder in meine rosarote Highschool-Welt, die mir schon 'Ashley' beschert hatte. Die Strophen sind durchaus 'peppig' gestaltet, können aber leider über den melodiös miesen Chorus nicht ganz hinweg trösten.
Eins muss man Escape The Fate ja lassen: Sie haben ein Händchen für die Bridges. Die sind in jedem Song mindestens okay, nur eben stark elektronisch verändert und mit bereits oben genannten Spielereien versehen, die ich nicht ganz einordnen bzw. nachvollziehen kann. Auch die Bridge in 'Let It Go' macht was her, wenn man mal von dem anstrengenden vocal-basierenden Teil absieht, der erste böse Vorahnungen auf 'Harder Than You Know' zulässt.
'You Are So Beautiful':
Der Start ist super, leitet in eine standhafte UpTempo-Nummer ein. Die Melodie ist einprägsam und der Song veranlasst dazu sich zu bewegen. Und ' dem Mabbitt sei Dank ' meine gewünschten Screams werden perfekt eingebracht ' vor allem in der Bridge, wie immer. Der Song ist neben 'The Flood' und 'This War Is Ours' definitiv ein Anspielen wert und eins der besten Lieder auf der Scheibe.
Doch einen klitzekleinen Kritikpunkt habe ich auch hier. Der bezieht sich - wie zuvor auch schon das ein oder andere Mal ' auf den Text:
'You are so beautiful, you are the kind of girl, that has the chemicals that makes me fall in love'
In Song 3 schmierte man noch der geheimnisvollen Ashley Honig um den Mund, diesmal fühlt sich jede junge Zuhörerin fasziniert und mit herzchenförmigen Pupillen angesprochen.
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