In diesem Buch liefern die beiden Autoren eine quantitative Analyse der Geschichte der Finanzkrisen seit 1802 in verschiedenen Erscheinungsformen. Es handelt sich dabei um eine äusserst schwierige Datensammlung aus 66 Ländern über 8 Jahrhunderte. Der Ausgangspunkt der Autoren ist, dass es keine ökonomische Theorie gibt, die den Ausbruch einer Krise rechtzeitig vorauszusehen hilft. Unabhängig davon, wie der letzte Finanzwahnsinn auch immer erscheint, gibt es aber bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit Erfahrungen aus der Geschichte. Reinhart und Rogoff versuchen deshalb, durch die Dokumentierung von hauptsächlich 18 wichtigsten Finanzkrisen seit dem Ende des II. Weltkriegs, ein Verlaufmuster anhand von bestimmten Indikatoren zu präsentieren.
Wenn es einen gemeinsamen Grundstein für die Krisen (Schulden-, Banken-, Währungskrise usw.) gibt, dann ist dieser die exzessive Schuldenanhäufung, unabhängig davon, ob von Staaten, Banken, Unternehmen oder Konsumenten, betonen Reinhart und Rogoff. Für sie steht fest, dass die Finanzkrisen anhaltend sind und drei Gemeinsamkeiten teilen: (1) Vermögensmärkte brechen zusammen. Die Hauspreise fallen im Durchschnitt um 35% und erholen sich nicht vor sechs Jahren, (2) Die Produktion sinkt und die Beschäftigung fällt und (3) die Staatsverschuldung nimmt explosiv zu, im Durchschnitt um 86%. Der Hauptgrund des Schuldenanstiegs sind jedoch nicht die (schwer zu schätzende) Kosten für Bail out und die Rekapitalisierung des Finanzsystems, sondern der dramatische Verfall der Steuereinnahmen.
Die Länder, die die Grosse Depression" erlebt haben, haben im Durchschnitt 10 Jahre gebraucht, um dasselbe Niveau an Pro-Kopf-Einkommen wieder zu erlangen, so Reinhart und Rogoff. Risikofaktoren (z.B. Vermögenspreisinflation, hohes Leistungsbilanzdefizit, hohe Verschuldung der privaten Haushalte, Verlangsamung des Wirtschaftswachstums usw.) lassen sich identifizieren, aber eine zeitliche Festlegung der Krisen sei praktisch unmöglich, erklären die Wirtschaftswissenschaftler. Staaten auf der ganzen Welt kommen mit überraschender Regelmässigkeit ihrem Schuldendienst nicht nach.
Das Buch trägt nicht zufällig den ironischen Titel: Diesmal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzwahnsinn". Das ist ein Warnruf. Denn der gegenwärtige Wahnsinn bestehe darin, dass wir uns keine Sorgen machen, weil sich Finanzkrisen angeblich nicht wiederholen. Den Abbau von untragbaren Staatsschulden" halten die beiden Autoren für eine Schlüsselfrage. Die Nachwirkungen von Krisen können nämlich sehr lange andauern, ist eine der Lehren, die aus den Finanzkrisen gezogen werden kann. Der beachtenswerte Anhang macht rund dreiviertel des Buches aus: Mit Tabellen, Abbildungen, diversen Exkurs-Boxen, Literaturverzeichnis sowie Namen- und Subjekt-Index rundet er dieses gute Buch zu einem praktischen Nachschlagewerk ab.
Fazit: Wo massiv dereguliert wird, entstehen mittels übermässige Schuldenaufnahme Spekulationsblasen und das führt zu Finanzkrisen.