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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie ein dunkler Traum, 24. Oktober 2009
Ein wenig seltsam fühlt sich das dritte Editors-Album beim ersten Hören schon an. Denn bereits das Titelstück zu Beginn gibt den Weg vor. Eine treibende Sequenzer-Basslinie trifft auf Tom Smiths düstere Liebeserklärung gegenüber seiner Heimatstadt London, sowie auf breite Synthieflächen, die uns direkt in die 80er mitnehmen. Bereits der erste Song kreiert eine bedrohliche, aber durchaus vertraute Atmosphäre, die bestimmend ist für den Rest des Albums. Auch das kontrollierte Chaos am Ende von Track Nummer Eins beweist dies. Die Neuerfindung der Editors überrascht und zieht dabei aber gleichzeitig sofort in den Bann. Die Dunkelheit besiegt im Gegensatz zum Vorgänger An End Has A Start diesmal das Licht und serviert uns auf 9 Songs ein Album voller großer Momente und traumhafter Songs vorausgesetzt man hat Lust darauf, über die Dunkelheit zu träumen. Die Einflüsse von Depeche Mode, über New Order bis hin zum Blade-Runner-Soundtrack, wie die Band immer wieder im Vorfeld betonte, hört man an allen Ecken und Enden. Die Bassläufe sind düster, die Beats mechanisch präzise und kalt. Dazu singt Sänger Tom Smith mit düster-flehender Stimme von allerhand pessimistischen Thematiken. Im Prinzip klingen die Editors ganz neu, aber irgendwie auch doch nicht, denn die Songs sind so gut, wie eh und je und die Melodien sind da, entweder eindeutig, wie bei Papillon oder Like Treasure oder versteckt wie beim introvertierten The Big Exit. Statt der üppigen Gitarrenwände bilden nun Synthesizer und Sampler den zentralen Kern des Sounds. Eine Veränderung, die durchaus Sinn macht. Zu sehr war das Quartett zuletzt von sich selbst genervt und so setzt man dem Trend Richtung Stadionrock, Coldplay und Formatradio eine erstaunliche Kompromisslosigkeit entgegen. Sicher, so sperrig ist es am Ende auch nicht, denn Songs wie Papillon oder Eat Raw Meat = Blood Drool bleiben einfach gute Popsongs mit tollen Melodien und spannenden Arrangements. Doch die Editors gehen nun einen neuen Weg, probieren sich in neuen Bereichen aus und fordern nun etwas Bereitschaft vom Hörer, sich auf die Reise einzulassen. Wenn man dies tut, dann nimmt einen In This Light And On This Evening auf eine spannende Reise, hinein in die Dunkelheit und Melancholie. Somit untermauert diese Band ihren Status als eine der spannendsten und bewegensten Bands, die es in den letzten Jahren gab und bewegt sich weiterhin kontinuierlich nach oben auf der Erfolgskurve. Zum Glück schlagen sie dabei einen spannenden vielseitigeren Weg ein, als die Konkurrenz.
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23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Editors sind tot - lang leben die Editors!, 30. September 2009
Nach der Single "Papillon" war ja schon klar, wie sich der Sound der Editors seit dem letzten Album verändert hat. Kälter und elektronischer würde es werden. Und tatsächlich: das hier hat auf den ersten Blick mit den ersten beiden Alben teilweise gar nichts mehr gemeinsam. Drum Computer, elektronische Drumpads, Synthies und Sequenzer geben sich hier ein Stelldichein. Aber dass hier die Editors werkeln bleibt zum Glück dank Stimme, Melodie und Piano noch zu erkennen, auch wenn die Jungs es einenm zunächst nicht einfach machen.
Gerade bei Track 1 "In This Light And On This Evening" begrüßen einen gleich flächige Synthie-Teppiche, eine Art Sprechgesang weit hinten im Mix und eine absolut düstere Atmosphäre die auch wunderbar auf "Closer" (zweites Album von Joy Division) gepasst hätte. Wenn man sich vom Schock erstmal erholt hat ist es der perfekte Opener, besonders da der Song nach der Hälfte ordentlich Fahrt aufnimmt. Spätestens ab dann wird es zum besten Radiohead Song den Radiohead nicht selbst aufgenommen hat.
Track 2, "Bricks and Mortar": Hier haben sich die Editors gedacht: Was Coldplay kann, können wir erst recht, nämlich uns von Kraftwerk inspirieren lassen. Bei diesem Song stand Autobahn (1974) Pate. Sehr schön gemacht.
Track 3: "Papillon" - Editors go New Order. Absolut tanzbar, absolut eingängig, ein Knaller Song. Kann man zehnmal hinterienander hören.
Track 4: "You don't know love". Mein ganz klarer Lieblingstrack auf diesem Album. Wunderschöner softer Synthpop mit der tollen Stimme von Tom Smith. Wer die verträumte Seite der Editors liebt wird sich an diesem Song nicht satt hören können!
Track 5: "The Big Exit". Mit diesem Lied kann ich noch nicht so richtig warm werden. Für mich der schwächste Song, vielleicht muss man ihn noch öfters hören. Auf jeden Fall der experimentellste Track der Editors auf diesem Album.
Track 6: "The Boxer". und Track 7: "Like Trasure", zwei wunderschöne langsamere Nummern die noch am ehesten an das zweite Album anknüpfen. Die Synths setzen Akzente, sind aber nicht so im Vordergrund oder so düster wie auf den Nummern weiter am Anfang des Albums. Auch die Drums sind hier ganz handgemacht. Wirklich schöne Songs.
Track 8: "Eat Raw Meat = Blood Drool" - merkwürdige schräge Nummer die man aber nicht aus dem Kopf bekommt. Erhält besonders in der zweiten Hälfte eine schöne dichte Atmosphäre.
Track 9: "Walk The Fleet Road" - etwas unspektakulär geht das Album viel zu früh zu Ende. Der Song wirkt ein wenig unfertig, ist mehr ein Outro als ein komplettes Lied.
Fazit: Ich bin rundum zufrieden. Trotz des anderen Sounds machen die Editors auch hier das was mir so an ihnen gefällt: Auf den besten Ideen der frühen Wave, Punk und Post-Punk Musik der achtziger Jahre einen aktuellen Sound zu kreieren, und dazu tolle Melodien und Texte zu präsentieren. Wer die Editors nur wegen des 80-er Gitarren-Sounds der ersten beiden Alben mochte, wird sich hier sicherlich ein wenig schwer tun, aber nun haben sie sich eben mehr an den Synth-Bands der damaligen Zeit (wie die späten Joy Division) orientiert. Es ist auf jeden Fall noch genug "Editors" vorhanden, um hier auf seine Kosten zu kommen.
Ich habe die Platte heute bekommen und vier Mal durchgehört, und ich glaube so schnell wird sie meinen CD-Player nicht verlassen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ich schwöre bei Gott, ich hörte die Erde atmen!, 4. Dezember 2009
Dass dieses Jahr ein famoses Musikjahr werden würde, schwante mir schon, als Franz Ferdinand im Januar "Tonight" veröffentlichten, die Ahnung erhärtete sich mit dem prunkvollen Album "It`s Blitz!" der Yeah Yeah Yeahs, dann legten Eels, Julian Plenti, Magnolia Electric Co., Patrick Wolf, White Lies, Kings of Convenience und The XX nach - und das mehr als gut! Spätestens mit dem vor kurzem erschienenen Album "The First Days Of Spring" von Noah and the Whale sowie dem Album "Threadbare" von Port'O Brien dachte ich, jetzt kann nichts Besseres mehr kommen, die beiden perfekten Herbstalben waren ja damit nun erschienen. Und dann merkte ich, dass ich mich nicht mehr hätte irren können. Das neue Editors Album "In This Light And On This Evening" ist ein Schatz, eine Kostbarkeit sondergleichen, ein Suchtmittel - mein Suchtmittel.
Sicherlich sind die musikalischen Veränderungen der Gruppe bereits mit den ersten Tönen spürbar, der elektronische Einschlag sehr prägend, aber das war auch nicht anders zu erwarten, wenn man sich die Entwicklung vieler Bands in diesem Jahr ansieht. Der den Editors zugeschriebene typische, schwelgende Sound ist jedoch im Großen und Ganzen nicht verloren gegangen wie z.B. die Songs "Bricks and Mortar", "Papillon" und "You Don`t Know Love" beweisen. Wer beim ersten Hören traurig oder gar verärgert ist, weil sich das Album nicht nach den Editors der ersten beiden Alben anhört, der kann ja weiterhin "The Black Room" und "An End Has A Start", die ich übrigens auch sehr schätze, hören, wer Veränderungen offen gegenübersteht und die Abwechslung liebt, dem lege ich dieses Album ans Herz. Insgesamt ist auf der neuen Platte die Reihenfolge der Lieder gut gesetzt, sodass beim Hören ein angenehmer Spannungsbogen entsteht.
Selten war ein Opener so kraftvoll, leidenschaftlich und atmosphärisch wie hier - und dass dieser aus nur vier Textzeilen besteht, tut dem Lied keinen Abbruch, im Gegenteil - die repetitiven Elemente verleihen dem Song nur noch mehr Sogwirkung, zumal diese vier Verse betörend schön und poetisch sind und perfekt mit dem rauen Sound harmonieren: "I swear to God, I heard the Earth inhale, / moments before it spat its rain down on me. / I swear to God, in this light and on this evening, / London's become, the most beautiful thing I've seen."
Hört man "Papillon" zwei, drei Mal, so glaubt man, dieses Lied schon ewig zu kennen, da die Editors hier unverkennbar herausragen und einen wirklich guten Mainstreamsong produziert haben, der schnell ins Ohr und ins Blut geht und wohl in naher Zukunft dauerhaft im Radio zu hören sein wird. Zu Recht!
"The Big Exit" ist anders, anders als viele Lieder dieses Albums. Es enthält soviel süßen Schmerz, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, dieser süße Schmerz wird allerdings nicht überstrapaziert, ist also nicht mit klebrigem Honig überzogen, dafür sorgt dann die gebrochene Melodie- und Rhythmusführung. Fast möchte man sagen, das Lied sei das beste Depeche Mode Lied der letzen Jahre, nur dass es eben nicht von Depeche Mode, sondern von den Editors ist, die ihr Handwerk auch hier bravourös beherrschen. Dass die Gruppe Depeche Mode hier ins Gedächtnis rinnt, liegt sicherlich auch daran, dass das vorliegende Editors-Album von Mark Ellis (auch genannt: Flood) produziert wurde, der schon das Album "Violator" von Depeche Mode produzierte.
Das wunderbare "The Boxer" knüpft wieder an die alten Editors Scheiben an, während mit "Eat Raw Meat = Blood Drool" die Synthesizer nochmals kräftig betätigt werden, bevor man mit "Walk The Fleet Road" einen schönen Ausstieg aus dem Album gefunden hat, Geigen und Chor runden das sakral angehauchte Endstück ab und geben den Hörer frei, der erstmal wieder in die reale Welt zurückfinden muss. Und kurz streift ein Gedanke durch den Kopf: "Als ich eben das Album hörte, hätte ich schwören können, bei Gott, ich hörte die Erde atmen!"
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