The Residents bekamen ihren Namen, weil sie 1971 der Firma Warner Brothers ein komplett abgemischtes Album samt Covergrafik schickten. Warner war daran überhaupt nicht interessiert und schickte das Band zurück an die Adresse der ungenannten Bewohner (Residents). Wer auch nur einen Hauch von Ahnung von der Musik der Residents hat, kann das Desinteresse von Warner verstehen.
Danach versandten die Musiker, die von Anfang an ein Geheimnis aus ihrer Identität machten, ihre Platten per Post über die Cryptic Corporation, deren Macher Hardy Fox, Jay Clem, John Kennedy und Homer Flynn wahrscheinlich die Residents selbst waren. Es gab die wildesten Gerüchte um die Band, so soll der Milliardär Howard Hughes seinen Tod nur vorgetäuscht haben, um die Band ins Leben zu rufen. Die andere Variante ist die, dass es sich hier um die Beatles handeln sollte, was irgendwo verständlich war, denn das Cover ihrer ersten LP "Meet The Residents" war dem Cover von "Meet The Beatles" nachempfunden. Da prangten die Pilzköpfe drauf, allerdings waren ihren Köpfe mit handgemalten Hörnern und Zähnen versehen worden. Da gab es Songs wie "Skratz"; Numb Erone (!)" oder "N-ER-GEE" und so verquer wie die Titel oder das Cover war auch die Musik. Die Residents stürtzen sich anscheinend ins Studio, klimperten und sägten auf allem herum, was auch nur annähernd ein Musikinstrument war, ohne sich auch nur einen Hauch darum zu kümmern, was da für Musik herauskam und das Ergebnis hörte sich an, als wenn sich Musiker ins Studio gestürzt hätten, auf allem herum geklimpert oder gesägt hatten, was auch nur annähernd ein Musikinstrument war, ohne sich auch nur einen Hauch darum zu kümmern, was da für Musik herauskam.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Wie modernere Musiker wie z. B. Sonic Youth waren die Residents an Tönen interessiert, bzw. was man alles damit anstellen kann. The Residents kümmerten sich einen Dreck um herkömmliche Soundstrukturen, sondern interessierten sich hauptsächlich für Verfremdung. Am konsequentesten machten sie das bei "The Third Reich N' Roll".
Am konsequentesten insofern, weil sie hier populäre Popsongs auseinander nahmen, durch den Reißwolf drehten und das Ergebnis wieder neu zusammen setzten, die Stimmen verfremdeten (das zieht sich durch ihr ganzes Werk, schließlich soll niemand anhand der Stimmen die Identität der Musiker erkennen. In diesem Zusammenhang kann man noch erzählen, dass der Musiker Philip Charles Lithman eine Zeit lang mit ihnen als Gitarrist gearbeitet hat - interessant deswegen, weil er unter dem Pseudonym Snakefinger auch eigene Platten herausgebracht hat) und damit die Songs bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten. Zu der Zeit brachten sie auch "Satisfaction" von den Stones als Single heraus, das sie in ähnlicher Weise zerlegten.
Wer sich an die Musik der Residents herantasten will, für den ist "The Third Reich N' Roll" vielleicht der beste Einsteiger (In diesem Zusammenhang: Die Platte besteht tatsächlich nur aus zwei Songs (?), die sich jeweils über eine ganze Plattenseite ziehen), vorausgesetzt, er/sie kennt sich mit der Musik der 60er (und frühe 70er) Jahre aus. Da macht es richtig Spaß herauszufinden, welchen Song die Residents da gerade durch die Mangel gedreht haben. (Wenn man den Spaß nicht hat, da schließe ich mich der großartigen Rezension von "Ein Kunde" an, ist die Platte ein wirkungsvoller Rausschmeißer jeder Party).
Ich für meinen Teil konnte folgende Popsongs heraus hören: "Let's Twist Again", "Land Of 1000 Dances", "Hanky Panky", "Sunshine Of Your Love", "96 Tears", "Light My Fire", "Yummy Yummy Yummy" (der bietet zum Zerlegen geradezu an), "Talk Talk", "In A Gadda-Da-Vida", "Telstar", "Wipe Out"und "Let The Good Times Roll (?). Der genialste Moment kommt am Schluss: Da kommt der ausleitende Riff von "Hey Jude" und wird irgendwann mit dem "Hoo-Hoo" von "Sympathy For The Devil" unterlegt.
Machen wir ein Spiel daraus: Wer weiß mehr?