Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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48 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meisterwerk, 24. April 2008
"Third" ist ein Meisterwerk, das sich nahtlos in den musikalischen Werdegang von Portishead einfügt und ein krönender Abschluss sein kann, falls die Band kein weiteres Album produzieren wird.
Portisheads erstes Album "Dummy" war trist, minimalistisch, unterkühlt und herzeleidtrautig, das zweite Album "Portishead" war wärmer, melodischer, kunstvoller, glatter -- aber gerade die Live-Einspielung "Portishead @ Roseland NYC" hat schon dynamisch-kraftvolle Elemente, die sich in "Third" wiederfinden. Beth Gibbons Solo-Album "Out of Season" war schließlich leise und zart, sehr nah und akustisch mit weniger elektronischen Einflüssen.
Das überraschende und begeisternde am Album "Third" ist im Rückblick auf diese Vorgänger-Platten, dass es alles andere als verbraucht, recyclet oder gar angepasst ist. Third klingt auf weiten Strecken roh, handgemacht, authentisch, gebrochen -- fast schon fiebrig, wie ein geniales Erstlingsalbum, aber trotzdem mit perfekter 'Dramaturgie' in der Dynamik der einzelnen Songs und des Gesamtalbums. Third ist alles andere als leichte Kost, die Stücke verweigern sich Erwartungshaltungen: In "Plastic" beginnt man immer wieder mit dem Kopf zu nicken, wenn der Rhythmus einsetzt, um gleich wieder unterbrochen zu werden, auch "Silence" hat solche retardierenden Momente, "Machine Gun" ist so dräuend, dass man sich gar nicht traut, den Beat mit zu wippen; in "We carry on" wartet man dann nur auf den Bruch, wird aber durch die beklemmende Beat-Monotonie überrascht, während "Deep Water" fast schon zum Lachen bringt. Das Album hat durchaus Stücke mit melodischer Schönheit, wird jedoch nie poppig oder eingängig -- die meisten Stücke sind kompromisslos, manchmal anstrengend in ihrer Wechselhaftigkeit oder ihrem abrupten Ende.
Das Gefühl der Vertrautheit und Geborgenheit vermitteln bei aller Verquertheit Stücke wie "Hunter", das an den Sound der Alben "Portishead" und "Out of Season" anschließt, oder "The Rip", das sich langsam aufbaut und ungebrochen schön bleibt. Das kurze "Deep Water" ist fast schon ein humoristischer Kontrapunkt im Album, der Text ausnahmsweise mal hoffnungsvoll und ermutigend. Um so härter tritt danach "Machine Gun" an, um die Leichtigkeit zu zerschlagen -- kalt, brutal und gepeinigt marschiert der Beat entlang der geisterhaft-traurig gesungenen Hymne. Am Ende des sich gnadenlos steigernden Stücks sitzt man mit klopfendem Herzen und einem Kloß im Hals da und stiert ins Leere.
"Nylon Smile" ist gehetzt und fiebrig, traumartig-ambivalent mit plötzlichem Erwachen, "Small" erinnert mit den schrebbeligen Keybord-Sounds ein wenig an die Elektropop-Gruppe "Broadcast", "Magic Doors" hat einen treibenden Groove und überrascht mit harmonisch-poppigem Piano.
"Threads" schließlich ist ein grandioser Abschluss des Albums, langsam und Schlagzeug-dominiert steigert es sich ähnlich wie der Schlusstrack "Strangers" auf "Portishead @ Roseland NYC" um dann langsam zu verklingen.
Heilfroh bin ich, dass der Sound von "Third" kantig und rau statt glatt und technisch ist -- verzerrte Gitarren, anachronistisch-einfache Synthi-Sounds (in einem Live-Video sieht man, dass ziemlich alte Elektro-Orgeln eingesetzt werden), eine flache bis höhenlastige Schlagzeug-Aussteuerung, kein übertriebener Bass. Das Album klingt alles in allem 'unterproduziert' und fancyless, das macht es so packend, der Fokus liegt ganz auf den einzelnen Songs, Effekte werden nicht willkürlich sondern meisterhaft kalkuliert und generell sparsam eingesetzt. Plattenteller-Gescratche würde auf diesem Album wie eine alberne Kinderei klingen.
Für mich eines der besten Alben der letzten Jahre.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tagebucheintrag , 21. November 2008
Tagebucheintrag 25.04.2008
Es ist also passiert..."Sie" sind auf der Erde gelandet.
Aber was wollen sie bei uns?
Haben sie friedliche oder feindliche Absichten?
Diese Frage steht im Raum und kann nur durch eine einzige Botschaft beantwortet werden-ihre Musik.
Nach einem ersten kurzen, aber äußerst intensiven Hörgenuss wird schnell klar:
Dieser Sound ist definitiv nicht von diesem Planeten!!
Hier ein metallenes Hämmern und Pochen, dort ein Kratzen und Summen im Echolot.Mal ein wilder, unvorhersehbarer Tempowechsel, mal ein perfekter Rhythmus.Aber immer bleibt der unverkennbare Eindruck, alles wurde direkt im Mutterschiff der "Aliens" aufgenommen.
Und ständig die mystisch-depressive und doch gleichzeitig herzerwärmende Stimme "ihrer" Sängerin.
Diese Stimme schafft eine dermaßen hypnotische Atmosphäre, dass es zeitweise wirklich beängstigend ist...
Tagebucheintrag 05.09.2008
"Sie" sind längst wieder weg.Ihre Musik ist noch da.Und wie!!
Die Botschaft hat sich mir auch erschlossen.Obwohl das kein Wunder ist.Nachdem ich seit damals täglich die 11 Tracks rauf & runter gehört habe, wäre alles andere nicht nur für mich eine gewaltige Enttäuschung.
Was mir noch aufgefallen ist:Sie müssen schon viel früher einmal auf der Erde gewesen sein.Viele Elemente des Sounds sind eindeutig von der Menschenmusik unterschiedlichster Jahrzehnte inspiriert.
Vielleicht ist ihr Heimatplanet doch nicht so entfernt von unserem...
Tagebucheintrag 21.11.2008
Die elf Songs bekomme ich einfach nicht aus meinem Kopf.Was ich aber nicht negativ sehe.Im Gegenteil!Ich warte gespannt auf das nächste Meisterwerk der freundlichen Besucher.Denn dass sie damals nicht feindlich gekommen sind, sondern um das dritte Auge der Menschen zu öffnen, dürfte nicht nur mir klar geworden sein.
Schade finde ich es allein, dass ich doch tatsächlich immer mal wieder auf Menschen treffe, die die Genialität des "Alien"-Sounds nicht zu schätzen wissen.Ignoranten!Aber so war es mit zukunftsweisender Musik ja bekanntlich schon immer...
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23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
TripHop ist tot es lebe Portishead, 16. April 2008
Nicht immer ist es ein Geschenk, wenn sich Bands nach mehr als einer Dekade zu einem Comeback hinreißen lassen vor allem wenn sie wie Portishead mit früheren Werken scheinbar Unerreichbares und Unwiederholbares geschaffen haben: zunächst das Debütalbum Dummy, erschienen 1994, genrebildender Meilenstein. Glory Box, Sour Times, Strangers, Roads in Ewigkeit. Geoff Barrows eingängige Psychosounds orchestrierten Beth Gibbons einzigartig vielseitige und doch immer charakteristisch traumatisierte Stimme. Dank Dummy gelten Portishead zusammen mit Massive Attack vollkommen zu Recht als Archetypen des TripHop, dieser Schublade der 90er, die sie natürlich nie mochten und die allzu viele unbegabte Trittbrettfahrer schließlich so schnell überfüllt haben, dass sie unter der Last dieses inflationären Chill-Dub-Downbeat-Ambient-Geblubbers auseinanderbrechen musste.
Das zweite Album Portishead (1997), zunächst als etwas ideenloserer Nachfolger geschmäht, ist das stringenteste, in sich stimmigste Werk geblieben. Unerbittlich die langsamen Beats und schweren Bässe, phantastisch Barrows Scratching und natürlich wieder dominant Gibbons nun wirklich schmerzhafter wundervoller Gesang, umgeben von reduzierter Instrumentalbegleitung. Düsterer und diesmal ohne jede optimistische Störung erhielt aber auch die nicht weniger komplexe Portishead schließlich ihre verdiente Zuneigung und Würdigung als klassisches TripHop-Werk, das sein eigenes Genre in Stücken wie Cowboys, Half Day Closing oder Over unbeschadet überlebt hat.
Elf Jahre sind vergangen. Die Neunziger lange, lange vorbei. Die Band seit Jahren aufgelöst. Beth Gibbons lebt trotz allem. 2002 ihr Solowerk Out of Season, zusammen mit Rustin Man alias Paul Webb, dem ehemaligen Bassisten von Talk Talk: Komplex, ungemein gefühlvoll und melancholisch nur leidet jeder Ton, den Gibbons von sich gibt, unter der schweren Hypothek Portishead, und so blieb Out Of Season zwangsläufig der Achtungserfolg in den Feuilletons und bei einer kleinen, erlesenen Fangemeinde.
Und nun doch wieder Portishead? Gibbons wieder zusammen mit Adrian Utley, Geoff Barrow und Co? Wozu im Jahr 2008? Den Namen nutzen, um die Auflage von vornherein zu erhöhen? So etwas weckt Befürchtungen, die sich leider nur allzu oft bestätigt haben.
Diesmal nicht. Portishead sind wieder da und ihr drittes Album Third, das Ende April in Deutschland erscheint, ist ein Werk, das selbst der größte Optimist nicht für möglich gehalten hätte: Es muss den ohnehin müßigen Vergleich mit seinen Vorgängern nicht fürchten im Gegenteil. Third übertrifft alle Erwartungen, die zu erfüllen utopisch schien. Musikalisch dicht von der ersten bis zur letzten Sekunde, vielfältiger denn je, düster, spannend, psychedelisch. Der Ton ist mitunter rauher geworden, Utleys Gitarrenspiel verstärkt, Barrows Sounds besser denn je. Technoide Stücke wie We Carry On wechseln mit fast rockigen (der starke, spannungsgeladene Opener Silence weist den Weg). Darunter typische Portishead-Stücke wie Hunter, die ohne Abstriche die Qualität der Klassiker erreichen, und wunderschöne bitter-traurige Stücke, an Out of Season erinnernd. Schnellere Beats, starke Instrumentals, Monotonie und Variation, Mut zum Elektronischen und eine starke erste Single (das eiskalte Machine Gun), die jedoch nicht herausragt, lassen Beth Gibbons unverändert wundervollen Gesang insgesamt weniger dominant wirken und dadurch paradoxerweise gleichzeitig heller leuchten.
Third gehört zu den seltenen Werken, die ihren Hörer ohne schwache Lückenfüller durchweg auf höchstem Niveau begeistern. Das dritte Album von Portishead ist nicht nur ein dieser Marke würdiges: Schon die erste Berührung lässt erahnen, dass hier ein musikalisches Schwergewicht mit ungeheurer schöpferischer Kraft und Reife erscheint, das das Potenzial zum Klassiker hat.
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