...ist das schwer, eine sachliche Kritik über sein Lieblingsalbum zu schreiben, ohne in Begeisterungsstürme auszubrechen. Neben REVOLVER von den Beatles ist On The Third Day definitiv die Platte für die einsame Insel (gibts auf einsamen Inseln Strom für den CD-Player...??). Aber zurück zum Thema: Schreiber dieser Zeilen hat sich die Vinyl-LP ungefähr um 1990 im Zuge der damaligen Lynne-Mania gekauft(wir erinnern uns gemeinsam: Jeff Lynne hat damals mords-erfolgreiche Alben von Tom Petty, Roy Orbison und den Traveling Wilburys produziert, und hatte zwischendrin noch Pause für ne Soloplatte. Was für ein Kreativling!). Ich kann mich heute noch an den Moment erinnern, als die schweren Akkorde des Openers "Ocean Breakup" die mickrigen Quelle-Lautsprecher zum Knistern brachten. Was für ein Sound! Klasse, und dann der Übergang zu "King of the universe": Lynne summt hier seine beste Melodie, die er wohl nicht mit einem Text trivialisieren wollte, und man hört ganz gerührt zu ob so viel Schönheit. "New world rising" klingt, wie Sgt. Pepper hätte klingen könne, hätte McCartney damals nicht vor lauter Selbstverliebtheit die Übersicht verloren. Lynne ist nicht selbstverliebt, he is pressing forward, stürmt zum Singlehit "Showdown" (die Refrainzeile "There's gonna be a showdown" hat er sich aus einem Sixties-Oldie geklaut, mir fällt schon noch ein, welcher!) mit leicht ätzigem Gitarrensolo (angeblich auf Marc Bolans Gibson Firebird gekniedelt!), inszeniert mit "Daybreaker" einen lässigen Instru-Shuffle, beweist mit "Ma Ma Ma Belle", dass auch Heavy-Rock ästhetisch sein kann (Marc Bolan hier selbst an der Gibson), und bei "Dreaming of 4000" übertrifft er sich selbst und dem Rezensenten gehen hier die Adjektive aus: Was hier an Spannung und Lässigkeit in einen Art-Rock-Pop-Song verpackt wurde, ist schier unübertrefflich. Punktum. Selber anhören, ällabätsch! Und man muss es zum Schluss einfach festhalten, neben Lynnes Gespür für Melodien kommt hier (nach den mäßigen Alben ELO 1 und 2) endlich sein Producer-Genie raus, was sich in einem glasklaren und zugleich wuchtigen Sound äußert. Es ist gar nicht so schwer nachzukochen (und Heerscharen von Produzenten nachfolgender Generationen sollten sich das an die Studiotür schreiben, insbesondere Konsorten wie der heutzutage schmerzvoll überschätzte Blender Rick Rubin): Man nehme vollfette, süffige Drums, verwickle sie mit einem schlanken Bass-Sound, dazu wird ein schickes Klavier gereicht, garniere das Ganze mit Moog- und Les-Paul-Tupfern und tränke alles in einem leichten Cello-Sorbet. So geht ein Hit-Rezept, Herr Rubin! Hats off to Jeff Lynne. JL is God. War früher eigentlich alles schöner, so um 1973 rum? Mei, lang ists her, aber ich sags: Kaufts euch diese Platte, sie macht die Welt schöner!