Lange Zeit wusste ich nicht, was ich von dieser Katy Perry halten sollte. Dieses hübsche Gesicht, diese schönen dunklen Haare, diese heißen Beine - wow! Aber musikalisch? Mit "I kissed a girl" wurde sie bei uns so richtig bekannt, und was das Video an Optik hergab, stellte den etwas schräpigen und effekthaschenden Möchtegern-Skandal-Song (denn was ist schon dabei?) schon ziemlich in den Schatten (was ich, nachdem ich den mir deutlich besser zusagenden Rock-Remix gehört habe, deutlich zugunsten des Songs relativieren möchte). Mit "Hot'n'cold" ging es dann schon steil aufwärts, dank gesteigerter Melodiösität und schwungvoller Rhythmik. Doch was dieses songschreibende Mädchen tatsächlich kann, zeigt sie uns erst auf dieser Single, "Thinking of you". Was für ein Song! Eine so schmerzerfüllte Ballade. Gänsehautfeeling ohne Ende, Gesang von einem anderen Stern, und zum Glück ein packendes und durchaus lautes Arrangement, das der balladesken Grundausrichtung des Songs den nötigen Drive nach vorne verleiht. Schon in den ersten Sekunden berührt Katy uns tief mit ihrer Stimme, die hochemotional und unheimlich authentisch rauf und runter geht und eine sehr abwechslungsreiche Lead-Melodie schon in der Strophe vorgibt. Ebenfalls supergeil: der kraftvolle Übergang von Strophe zu Refrain, mit jeweils kurzer Pause und hämmerndem Drum-Fill. Highlight des Songs ist dabei natürlich der abschließende Refrain, bei dem Katys Stimme sich am Höhepunkt so richtig schön orgiastisch und orgasmisch überschlägt, um in mitreißend-verheulte Gesangsvariationen über die abschließende Wiederholung des Refrains zu münden, die einem emotional endgültig den Rest geben. Wenn man den Song so richtig laut durchgehört hat, brauch man erstmal ne Pause, so sehr reißt die Nummer einen mit. Das ist höchste Qualität, und zwar in allen drei Kategorien, die gute Pop-Musik ausmachen: Songwriting, Arrangement und Gesang. Bleibt zu hoffen, dass Katy dies auch über die gesamte Albumdistanz nachweisen kann. Mach bitte so weiter Katy!