Das Lenovo ThinkPad X121e ist in zwei Ausführungen erhältlich: mit AMD Fusion E-350 Prozessor oder mit dem deutlich leistungsfähigeren und teureren Intel Core i3-2357M Prozessor mit 1,3 GHz Taktfrequenz.
Ich besitze und benutze das ThinkPad X121e seit rund 10 Tagen.
Das ThinkPad ersetzt in meinem Fall ein Netbook der ersten Generation mit Atom-Prozessor. Ursprünglich hatte ich ein "echtes" 13 Zoll Notebook von Toshiba mit i5-Prozessor erworben, das aber sehr heiß wurde (50 Grad Celsius außen am Gerät). Das Gerät habe ich daher zurück gegeben. (Ich hatte vorher 5 Toshiba Notebooks in den letzten 20 Jahren und war mit diesen jeweils zufrieden). Offenbar sind die höher getakteten Intel Core i3, i5 und i7 Prozessoren von der Wärmeentwicklung derzeit nicht wirklich für 11, 12 oder 13 Zoll-Notebooks geeignet, sondern eher für die größeren 15 oder 17 Zoll Geräte, die über entsprechend größere Kühlsysteme verfügen.
Zur Einordnung: Das Thinkpad ist zwischen den leichten aber leistungsschwachen Netbooks einerseits (Intel Atom Prozessor, 10 Zoll Bildschirm, 1-1,2 kg Gewicht, kein optisches Laufwerk) und "vollwertigen" Notebooks (typischerweise 15,6 Zoll Bildschirm, Prozessoren mit 2-3 GHz Taktfrequenz, 2-2,5 kg Gewicht, optisches Laufwerk) positioniert.
Das ThinkPad X121e mit 11,6 Zoll Bildschirmdiagonale (= 30 cm) hat demgegenüber ziemlich genau die Fläche eines DIN A 4 Blattes, ist ca. 2 cm dick und wiegt 1,5 kg.
Es ist deutlich leistungsfähiger als ein Netbook (grob gesagt doppelt so leistungsfähig) und hat eine höhere Bildschirmauflösung. Es ist andererseits circa 30-50% leistungsschwächer als ein "normales" Notebook. Man kann die Geräteklasse als "Subnotebook" bezeichnen, als "Ultraportable" oder als "Ultrabook" (so die neueste Bezeichnung, die Intel sich im Sommer 2011 ausgedacht hat).
Verarbeitung: Das Gerät wirkt insgesamt ziemlich solide und gut verarbeitet; das Gehäuse besteht teilweise aus Kunststoff, teilweise aus Metall, es wirkt stabil und verwindungssteif. Die Bodenplatte lässt sich erfreulich leicht entfernen (3 Schrauben), dann sind Festplatte, Speicher, UMTS-Slot und Erweiterungsslot erreichbar. Ebenfalls erfreulich: Das Gehäuse ist matt und nicht in der sonst leider weit verbreiteten "Klavierlack-Optik" gehalten.
Es fehlt - wie bei anderen günstigen Notebooks - ein Schieber zur Verriegelung des Bildschirms.
Tastatur: Die Tastaur entspricht nicht ganz der "klassischen" Thinkpad-Tastatur. Es handelt sich um eine der neueren, sog. "Chiclet"-Tastaturen. Ich persönlich finde diese aber von der Qualität und Handhabung deutlich präziser und um einiges besser als die Tastaturen der Konkurrenz (etwa: Acer, Asus, HP, Apple Macbook Air).
Trackpoint / Touchpad: Das Gerät verfügt sowohl über einen Trackpoint (Knubbel" in der Tastatur) und zwei mechanische Maustasten als auch über ein Touchpad. Der Trackpoint funktioniert recht gut, mit dem Touchpad komme ich persönlich halbwegs zurecht, andere Eigner eines Thinkpad x121e aber nicht. Hier hätte Lenovo vielleicht 1-2 Euro zusätzlich investieren können. Dies ist aber Übungs- bzw. Gewöhnungssache.
Prozessor: Sowohl der Intel-Prozessor (2 Kerne plus Multithreading; neueste 2011er "Sandy Bridge" Version des Intel Core Prozessors), als auch die leistungsschwächere (und deutlich billigere) AMD-Variante sind hinreichend leistungsstark für das Surfen im Internet, für Office Anwendungen, das Betrachten und die Bearbeitung von Fotos und Filmen. Allenfalls bei der Filmbearbeitung kann ich einen deutlich fühlbaren Leistungsunterschied zu meinem Desktop PC mit Intel i7-Prozessor feststellen.
Arbeitsspeicher: Das ThinkPad X121e wird in Deutschland offenbar normalerweise mit einem Speicherriegel von 4 GB ausgeliefert. Eine Erweiterung um einen zweiten Speicherriegel auf 8 GB ist möglich. Sinnvoll ist dies allerdings nur bei Verwendung der 64 bit Version von Windows 7 (die 32 bit Version unterstützt lediglich rund 3 Gigabyte RAM) und bringt m.E. keinen fühlbaren Leistungsschub.
Bildschirm: Der Bildschirm hat eine Diagonale von 11,6 Zoll entsprechend knapp 30 cm und eine Bildschirmauflösung von 1.366 x 768 Pixeln. Dies ist fühlbar mehr als die gängige Auflösung bei Netbooks und entspricht der Auflösung von 14 oder 15 Zoll Notebooks.
Grafik: Es ist keine separate Grafik eingebaut, der Thinkpad nutzt die eingebaute - recht leistungsfähige - Intel HD 3000 Grafik des Prozessors. Auch der AMD Prozessor hat eine ziemlich leistungsfähige integrierte Grafikfunktion. Zum Abspielen von HD-Videos und dergleichen reicht die Grafikleistung allemal. Für einfache bzw. ältere Spiele ebenfalls.
Der Bildschirm ist - klassentypisch - weder besonders leuchtstark noch besonders brilliant noch besonders kontrastreich. Er ist erfreulicherweise aber matt und spiegelt daher nicht. Die Blickwinkelabhängigkeit der Darstellung ist leider ziemlich hoch. Der Bildschirm lässt sich nur bis ca. 145 Grad aufklappen. Ich hätte es bevorzugt, wenn sich der Bildschirm bis 180 Grad hätte klappen lassen.
Festplatte: Standardmäßig eingebaut ist eine konventionelle 2,5 zoll SATA Festplatte mit einer Kapazität von 320 GB und 7.200 Umdrehungen pro Minute. Die Festplatte ist damit recht flott, aber nicht ganz lautlos, sondern hörbar. Die Festplatte ist nach Abnehmen der Bodenplatte leicht erreichbar. Leider handelt es sich um eine nur 7,5 mm hohe Festplatte, die nicht gegen eine gängige 9,5 mm hohe Festplatte mit höherer Kapazität (500 GB oder 1 TB) ersetzt werden kann. Der Austausch gegen eine schnelle SSD ist hingegen möglich. SSDs sind allerdings derzeit noch teuer und bieten begrenzte Kapazitäten.
Anschlüsse: Das ThinkPad X121e ist ziemlich gut ausstattet: 3 USB 2.0 Anschlüsse (leider kein schnelles USB 3.0), WLAN nach n-Standard, Gigabit Ethernet, VGA (für Beamer und analoge Monitore), HDMI (für TVs und digitale Monitore), kombinierter Kopfhörer/Mikrofonanschluss, Speicherkartenleser, Bluetooth.
Software: Wie für alle ThinkPads gibt es eine recht gute und üppige Software-Ausstattung. Die Software und alle Treiber können von der Lenovo-Website heruntergeladen werden. Windows 7 Professional ließ sich problemlos im ersten Anlauf von einem USB Stick installieren, anschließend kann man die Treiber für WLAN, Display etc. von der Lenovo Website installieren bzw. Windows Update laufen lassen. Nach circa einstündiger Installation waren in meinem Fall alle Geräte und Komponenten erkannt und betriebsbereit.
Geräusche und Abwärme: Das Thinkpad ist - wie erwähnt - nicht ganz lautlos. Man hört sowohl die Festplatte, als auch den Lüfter, der warme Luft aus dem Gehäuse schaufelt. Im Vergleich zu anderen Notebooks mit höher getakteten Intel Core Prozessoren finde ich persönlich die Wärmeabgabe und Geräuschentwicklung akzeptabel.
Akkulaufzeit: Für das Gerät scheint es einen 3-Zellen-Akku und einen 6-Zellen-Akku zu geben. In Deutschland wird das Thinkpad offenbar nur mit 6-Zellen-Akku vertrieben. Beworben wird dieser mit "9 Stunden Laufzeit" für die Intel-Version und "8 Stunden" für die AMD-Version. Diese Werbung ist ungefähr so seriös wie die Verbrauchsangaben bei Autos. Ich komme mit der Intel-Version auf circa 5 Stunden bei eingeschalteten Bildschirm und eingeschaltetem WLAN. Möglicherweise lässt sich dies unter Verwendung der Energie-Management-Software noch etwas steigern. Die "9 Stunden" beziehen sich offenbar auf ein Gerät mit abgeschaltetem WLAN und vollständig gedimmten Bildschirm, das nur sporadisch mal aus dem Dämmerschlaf geweckt wird. Insgesamt finde ich die Laufzeit durchaus akzeptabel, die irreführenden Angaben des Herstellers aber ärgerlich.
Fazit nach 10 tägiger Benutzung: Das Lenovo Thinkpad x121e ist - im Vergleich zu den gängigen Netbooks - ein relativ preiswertes und ziemlich leistungsfähiges Gerät mit höherer Bildschirmauflösung. Im Vergleich zu "normalen" Notebooks mit 15-16 Zoll Bildschirmdiagonale bietet es die gleiche Auflösung (1.366 x 768 Pixel), eine geringere Wärmeentwicklung, eine etwas geringere Leistungsfähigkeit, ist aber deutlich mobiler.
Aus meiner Sicht ist das Gerät ein ziemlich gelungener Kompromiss zwischen Netbook und Notebook. "Aufsteiger" von einem Netbook werden das Gerät toll finden.
Bei allen Kompromissen muss man Abstriche machen.
In diesem Fall muss man Abstriche hinnehmen hinsichtlich Akkulaufzeit, Qualität des Bildschirms und Fehlen eines USB-3.0-Anschlusses.
Positiv sind: Preis, Verarbeitungsqualität, Leistungsfähigkeit, matter Bildschirm, Software-Ausstattung, Mobilität.
Nicht getestet: UMTS, Bluetooth, VGA-Anschluss.