64 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Maslow's Rache, 6. April 2002
Rezension bezieht sich auf: Think Limbic (Gebundene Ausgabe)
"Think limbic!" ist der geniale Titel des Werks. Der Untertitel "Die Macht des Unbewußten verstehen und nutzen für Motivation, Marketing, Management" verlockte mich schließlich zum Kauf, ganz im Sinne der Kaufentscheidung aus dem limbischen System (Stimulanz!) heraus. Denn darum geht es in diesem Buch: "Der Thronsturz des Großhirns" (Titel des 2. Kapitels).
Der Autor legt in flüssig-flotter und damit lesbarer (verführerischer?) Schreibe dar, warum wir Porsche kaufen, katholisch sind und warum innovative Maßnahmen in traditionellen Unternehmen, die Marktanteile verlieren, für die Katz sind ("Die Ratten, die am besten schwimmen können, verlassen das sinkende Schiff als erstes"). Das ist interessant. Oder zumindest interessant verpackt. Denn so ganz neu ist weder zentrale Botschaft (Der Verbraucher glaubt an rationale Gründe für seine Kaufentscheidungen, während er eigentlich tieferen, "unbewußten" Kräften ausgeliefert ist) noch die Schlußfolgerung: "Machts wie die katholische Kirche: Sprecht gezielt die älteren tieferen Hirnschichten an, um Euer Zeug loszuwerden." Ich erinnere an den alten Buchtitel: "Die geheimen Verführer" aus den 70ern, in dem ähnliche Kernbotschaften schon publiziert wurden. Damals allerdings - zeitgeistgemäß - mit kritischem Unterton dem hemmungslosen Konsum gegenüber, wertend eben, wie es zur Zeit gar nicht trendy ist.
Nun ja, wenigstens die Fakten stimmen: Der Aufbau des Hirns in seinen drei Hauptabteilungen wird recht launig mit Graphiken eingängig gemacht. Und von wo aus wir wirklich gesteuert werden, ist ja auch wichtig zu wissen...
Leider stimmen diese Fakten zumindest nicht mit der gängigen Nomenklatur überein: Herr Häusel spricht vom limbischen System und postuliert, es würde "umgangssprachlich auch Reptilienhirn genannt" (S. 42), was falsch ist. Das limbische Hirn wird etablierterweise auch "Säugerhirn" genannt und ist, so der derzeitige Forschungsstand, für die Verarbeitung von Gefühlen zuständig. Gefühle sind allerdings wesentlich vielfältiger als die heilige Trinität des Herrn Häusel: Balance, Dominanz, Stimulanz. Was jeder Mensch bestätigen kann, der schon einmal getrauert hat oder albern war.
Was Herr Häusel meint, sind die Angelegenheiten eines Hirnteils, der noch ein Stockwerk tiefer regiert: Ein Teil des Stammhirns, in dem sog. Basisreflexe, wie Flucht, Angriff, Totstellen für unser schlichtes Überleben sorgen. Wo Basisfaktoren wie Wärme, Essen, Trinken, Sex und ein sicheres Revier gedeckt sein wollen. Dies allerdings ist die Reptilienabteilung.
"Limbisch" hört sich irgendwie gut an (Assoziation zu Labyrinth?) - und dann noch ganz opportun auf englisch: Limbic! Die Reduzierung menschlicher Motivation auf einen Drei-Komponenten-Kleber kommt dem zeitgeistgemäßen Bedürfnis nach Modellen entgegen, die wegen der Reduzierung auf ganz wenige Aspekte auch dem unkompliziertesten Denker das Gefühl von Durchblick geben (ein durchaus stammhirnbedingtes Bedürfnis!) - also pfeifen wir auf die offizielle Begriffsgebung und machen einen Seller!
Daß jeder Mensch absolut einzigartige Verknüpfungen, ein einmaliges "Straßennetz" von Hirn zu Hirn zu Hirn hat, die ganz getreu der Eindrücke der ersten Lebensjahre angelegt sind und später noch unglaublich erweitert und verändert werden können, wird von Herrn Häusel bequemerweise nicht weiter breitgeredet. Es könnte potentielle Auftraggeber (Herr Häusel betreibt eine Unternehmensberatung) unnötig verwirren.
Die Krönung des Buches ist die schlichte Feststellung, daß die bisherige Motivationsforschung im Sinne von Maslow falsch sei.
Wer Säuger und Reptilien auf diese muntere, unbefangene Art gleichsetzt, gibt allerdings Herrn Maslow doch das gute Gefühl, gerächt zu sein.
Weil aber auch viel Wahres drinsteht, gebe ich drei Sterne.
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gute Vorarbeit, 14. Mai 2003
Die zweite Auflage beweist, dass das Thema fasziniert und weiter Bücher folgen werden. Häusel gebührt die Anerkennung, dass er einer der ersten war, der ein Buch und nicht bloss Fachaufsätze darüber verfasste. Ein Buch, das den Mut hat, zu reduzieren, einfache Bilder zu verwenden und viele Wissenschaftsstreitereien auszublenden. Doch wenn ein Buch langsam zum Bestseller mutiert, wächst auch die Verantwortung für eine aktuelle Begrifflichkeit. So zementiert Häusler den missverständlichen Begriff "Reptilienhirn", spielt allzu keck mit statistischen Zahlen und reduziert das limbische System auf eine Steuerzentrale mit drei grossen Schalthebeln.
Wer der Namensgebung und den Vereinfachungen nicht traut, könnte ja zur weiterführenden Literatur greifen. Doch ausgerechnet einige der renommiertesten und gut verständlichen Hirnforscher fanden keine Aufnahme in Häusels Literaturliste. Zufall oder Absicht? Ärgerlich finde ich dies auf jeden Fall. Geht man davon aus, dass Reduktion ganz einfach die Kehrseite der Verständlichkeit ist, bleibt nicht mehr viel zu meckern.
Häusel arbeitet ein aktuelles Thema in leicht lesbarer und übersichtlicher Form so auf, dass es Laien packt und neugierig macht. Grafiken, Beispiele, Empfehlungen für den Alltag, Diagramme, Kärtchen zum Ausschneiden und sogar einen Limbic Check beweisen, dass der Autor die dargebotene Theorie auch in die Praxis umzusetzen weiss. Die Grundthese, dass Menschen weniger vernünftig handeln, als sie meinen oder behaupten, haben Künstler schon längst entdeckt. Häusels Buch richtet sich aber auch nicht an Menschen, die an der Kraft der Emotionen zweifeln, sondern an die Glaubensjünger der harten Faktoren, an Zahlenfetischisten, an Machbarkeitsfanatiker, an die selbst ernannten Erben der Aufklärung. Ihnen wollte der Autor allzu komplizierte Zusammenhänge ersparen. Daher holt er sie in ihrer Schwarz-Weiss-Welt ab, um ihnen die bunte Welt der Gefühle schmackhaft zu machen.
Psychologen werden sich winden und an gewissen Stellen nach Luft schnappen. Doch auch sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass die Veränderbarkeit erwachsener Menschen engere Grenzen hat, als ihnen lieb ist. Bevor ein anderer Autor ein ähnlich gutes Buch schreibt, das dem tatsächlichen Aufbau des menschlichen Gehirns besser Rechnung trägt, steht Häuslers Werk ziemlich einsam in der Landschaft populärwissenschaftlicher Bücher zum Thema Hirnforschung und menschliches Verhalten. Wer nicht darauf warten will, sollte unbedingt jetzt schon Häuslers spannende Vorarbeit lesen.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
..., 13. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Think Limbic (Gebundene Ausgabe)
Ich stellte im Leseverlauf dieses Buches fest, dass die meisten meiner Zeitgenossen davon ausgehen, dass der Mensch ein Wesen sei, das selbstbewusst und frei sein Leben gestaltet und dessen Vernunft und Weisheit fast parallel mit jeder neuen Chip-Generation zunähme. Der Autor vertritt den Standpunkt: Unsere Genstrukturen, die unser Aussehen und Verhalten bestimmen, verändern sich nämlich unendlich langsam. Man kann sagen: In den letzten zwanzigtausend Jahren sind sie weitgehend dieselben geblieben. Und so vertritt H.G. Häusel, dass das neue Denken davon ausgehen muss: Unbewusstes steuert und dominiert das Bewusstsein. Insgesamt gesehen komme ich zu der Auffassung, dass diese Veröffentlich „kein normaler Management-Ratgeber" sei. Denn über die praktische Anwendung der Erkenntnisse auf den Arbeitsalltag erfahre ich darüber hinaus auch noch: Wie meine Werbebotschaften sich einen Logenplatz in den Köpfen meiner Kunden sichern kann, wie ich das limbische System meiner Mitarbeiter direkt ansprechen, wie das menschliche Gehirn letztendlich funktioniert und woran ich leistungsbereite und hochmotivierte Mitarbeiter erkenne. So erkenne ich nach eingehendem Studium dieser Think Limbic Veröffentlichung, dass es dem Autor gelungen ist, eine wirklichkeitsgerechte Synthese von neuesten Forschungsergebnissen und moderner Kommunikationstheorie mir zur besseren Menschenführung auf den Tisch zu legen. Auch ich bin der Meinung, dass das eigentliche Steuerungs- und Machtzentrum des Menschen in der ältesten Hirnregion,, dem limbischen System, liegt. Nicht von ungefähr wird dieser Teil des Gehirns auch „Reptiliengehirn" genannt. Ich gebe allerdings auch als Hoffnungsschimmer in diese Rezension ein, dass ich nicht dem Reptiliengehirn machtlos ausgeliefert sein muss. Inzwischen entwickelte die Menschheit durch Wissenschaft und Erfahrungsreichtum jedem, der will, Kenntnisse, sich mit dem limbischen System zu versöhnen und die Kraft und Sensibilität des Reptiliengehirns für den Umgang mit Menschen zu nutzen und im Zusammenleben und in Zusammenarbeit mit Menschen sinngerecht zu leben und zu arbeiten.
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Limbicpower: Die große Macht des Unbewussten
- Limbicrevolution: Der Thronsturz des Großhirns
- Balance: Die Kraft der Beharrung und Erhaltung
- Dominanz: Die Kraft des Wachstums und der Zerstörung
- Stimmulanz: Die Kraft der Innovation und der Kreativität
- Limbicmotivation: Abschied von Maslow & Co
- Limbicculture: Was wir vom erfolgreichsten Unternehmen aller Zeiten lernen können
- Limbicshopping: Von Jägern und Sammlern
- Limbiccustomerrelations: Wie man Kunden dauerhaft und fest an sich bindet
- Limbiccheck: Erkennen Sie Ihr eigenes limbisches Profil
Dr. Karl-J. Kluge
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