"Ah, ah, schau, ein Bewunderer kommt zu Besuch!" Mit diesen Worten wurde der kleine Prinz auf dem zweiten Planeten empfangen. Wie viel Stefan Sagmeister mit der Figur des Eitlen in der Erzählung von Antoine de Saint-Exupery zu tun hat, weiss ich nicht. Aber immerhin scheint Sagmeister eine Fangemeinde zu haben, die sein Werk mit geradezu verklärten Blick betrachtet. Dieser Gruppe gehöre ich nicht an. Mir gefallen einfach einige seiner Ideen, Aktionen und Texte. Und von denen gibt es in diesem Buch jede Menge, wobei das Bildhafte klar überwiegt.
In 15 Heften werden Lebensweisheiten vorgestellt und in Objekten umgesetzt. Und das macht Sagmeister klar besser, sensibler und kreativer als die meisten seiner Zunft. Sicher einer der Gründe, weshalb er es geschafft hat, sich im kleinen Zwischenreich von Kunst und Werbung zu etablieren. Ihm nun übel zu nehmen, dass er diese Sonderstellung auskostet, um der Welt seine Sicht der Dinge darzulegen, wäre ungerecht. Denn schliesslich haben wir wohl alle die Sehnsucht, mit unseren Ansichten und Werken andere zu beeinflussen.
Wie wir es vom Verlag Hermann Schmidt nicht anders gewohnt sind, erhält man für sein Geld ein schönes Buch. In der Börsensprache könnte man sagen, dieses Unternehmen hat sich seinen Aufpreis redlich verdient. Also lieber ein paar Euro mehr bezahlen und dafür eine Gestaltung und Druckqualität bekommen, die im Zeitalter der "books on demand" langsam Seltenheitswert bekommt. Stefan Sagmeister ist tatsächlich ein Phänomen, mit dem man irgendwann Bekanntschaft schliessen soll. Ihn aber gleich zu vergöttern, ist nicht notwendig.
Mein Fazit: Ein Buchprojekt, das ganz viele Aspekte vermittelt. Vor allem, dass sich Schönheit auch mit Inhalt verbinden lässt. In den 15 Heften finden wir Anregungen für Lebensbereiche, die vielfach nur funktional abgehandelt werden. Der Typostar Stefan Sagmeister erweist sich in seinen Texten auch als feinfühliger Moralist ohne Anspruch auf Allwissenheit. Dazu steht ihm schon allein seine Lust am Spielerischen im Weg.