Rückkehr mit programmatischem Titel: Zoot Woman machen soundmäßig genau da weiter, wo sie vor sechs Jahren aufgehört haben.
Der Albumtitel könnte kaum passender sein: sechs Jahre sind seit dem letzten Album vergangen, doch bei Zoot Woman, mit deren Rückkehr mancher schon nicht mehr gerechnet hat, sind auch auf "Things Are What They Used To Be" die Dinge noch beim Alten. Mit "Living In A Magazine" und "Zoot Woman" setzten die drei Engländer Maßstäbe in Sachen Elektropop und huldigten schon den Achtziger-Synthies, bevor sich auch der Rest der Welt in den Revival-Wahn stürzte. Anschließend widmete sich Stuart Price der Arbeit mit Madonna und anderen Chart-Größen - und die Pause des gut gekleideten Trios wurde immer länger.
Auf Album Nummer Drei, das auch die beiden 2007 bzw. 2008 online veröffentlichte Singles "We Won't Break" und "Live In My Head" beherbergt, hat sich allerdings klanglich kaum etwas verändert. Immer noch surren die elektronischen Beats in makelloser Eleganz, immer noch schmeichelt der softe Gesang von Johnny Blake den Ohren und immer noch lungern die 80s-Referenzen hier lässiger an der Ecke herum als anderswo.
Echte Maßstäbe lassen sich damit nicht mehr setzen, dazu mangelt es nicht nur an echten Neuerungen, sondern auch an ein oder zwei Über-Hits à la "It's Automatic" oder "Living In A Magazine". "Lonely By Your Side" kommt ihnen wohl am nächsten. Aber wunderbar klingen tun Zoot Woman nach wie vor!
Kurzbeschreibung
Zoot Woman haben ein Album gemacht, wie man es auch im bunten, erbebenden Jahr 2009 sonst nicht findet und hört. Musik, die den eigenartigen Ort zwischen Trance und Fleischlichkeit bespielt, auf quecksilbrige Art griffig, ebenso "Band" wie "Act". Songs wie "Live In My Head", "Memory" oder "Lonely By Your Side" sind chemische Reaktionen aus Synth-Pop und Euro-Dance, Gitarrenflackern und Rave-Sonnenaufgang, Pixeln und Fußtritten, Schmerzparty und Freudenschrei.
Was beim Hören von „Things Are What They Used To Be“ wieder besonders auffällt: Zoot Woman retten sich niemals ins Uneindeutige, rein Schraffierte. Jeder Beat ist ein Statement, auf das man sie festlegen darf. Und dass Johnny Blakes Singstimme immer noch diesen dandyesken Schmelz hat, der bei jedem Einatmen zittert, gehört nun mal zu den Serviceangeboten der großen Verführung.
"Nicht zu fassen, dass man 6 Jahre im Dunkeln rumfrickelt und dann mit so einer ausgefuchsten, schwerelosen Dance-Scheibe rauskommt ... "
Michael Schuh (laut.de)