Ganze 22 Songs durfte George Harrison für die Beatles schreiben, daher war es vielleicht kein Wunder, nach dem Split 1970 zum ultimativen Gegenschlag auszuholen und gleich ein Dreifachalbum mit immerhin 18 Songs und angehängten Jamsessions zu veröffentlichen. Auf CD gab es "All Things Must Pass" erstmals 1990 in einer grottenschlecht klingenden Ausgabe, erst 14 Jahre später gab es diese zweite, von George Harrison persönlich authorisierte Version. Remastert von Jon Astley klingt es auf dieser um Lichtjahre besser, allerdings auch all denen Munition liefernd, die den CD-Klang im Vergleich zu Vinyl seit jeher als zu kalt empfinden. In der Tat sind die wärmeren tieferen und mittleren Frequenzen z.L. der höheren etwas in Hintertreffen geraten, v.a. bei den lauteren Tracks wie "Wah wah", "Let It Down" oder "Awaiting On You All" zu hören, wo es doch etwas schäppert, für manche Ohren auf jeden Fall kein sehr angenehmes Klangbild. Wer wie ich noch jedes Detail der Vinyl-Ausgabe von 1970 im Ohr hat, ist mit dieser Wiederveröffentlichung jedenfalls nicht so richtig glücklich geworden.
Ansonsten hat das Album keine Schwächen, viele Songs wären mit Sicherheit auf einem Beatles-Album gelandet, wenn die Vier noch ein Jahr durchgehalten hätten! Von den fünf Bonustracks der offiziellen CD-Ausgabe ist jedoch nur das countrymäßige "I Live For You" wirklich interessant, "My Sweet Lord (2000)" dagegen grauenvoll. Da George Harrison damals kaum noch bei Stimme war, hat er den Vocalpart in der zweiten Hälfte Sam Brown, Tochter seines Trauzeugen und Freundes Joe Brown, überlassen. "All Things Must Pass"? Nein, dieses Album hat auch heute noch nichts von seiner Klasse verloren!