Gleich vorweg: Zunächst ein dicker Pluspunkt für die Produktionsfirma. Für diese Geschichte gäbe es keinen passenderen Titel als das Original. Dies beizubehalten und nicht durch einen, möglicherweise schwachen deutschen Titel zu ersetzen, ist mehr als lobenswert. Things we lost in the fire ist, jedenfalls meiner Meinung nach, einer dieser Ganz-oder-gar-nicht-Filme. Man wird ihn lieben oder ablehnen. Dazwischen ist kaum Platz für weitere Meinungen. Was langsam, bedächtig, behutsam und mit unglaublich minimalistischer Liebe zum Detail anfänglich langatmig wirkt, verdichtet sich nach 40 Minuten zu einer Story, deren Ende man unter gar keinen Umständen verpassen will. Susanne Bier hat mit Hilfe von Halle Berry, Benicio Del Toro und David Duchovny einen emotionalen Bilderrausch mit erstaunlichem Tiefgang geschaffen.
Brian(David Duchovny) und Audrey(Halle Berry) sind ein glückliches Paar. Mit ihren Kindern Harper und Dory leben sie als harmonische Familie zusammen. Da ist nur eine Kleinigkeit, die Audreys Glück ein wenig eintrübt. Brian hat noch immer engen Kontakt zu seinem ehemaligen Jugendfreund Jerry(Benicio Del Toro). Der ehemalige Anwalt Jerry ist völlig abgerutscht. Verkommen, drogensüchtig, am Boden, im Aus. Aber Brian hält an ihm fest, egal was passiert. Audrey kann und will das nicht verstehen. Als Brian eines Tages für die Kinder Eis holen will, wird er auf offener Straße ermordet. Der Gutmensch Brian wollte einer Frau zu Hilfe kommen, die von ihrem Mann zusammengeschlagen wurde. Für Audrey und die Kinder bricht eine Welt zusammen. Nichts ist mehr so wie es war. Erst am Tag von Brians Beerdigung fällt ihr Jerry ein. Sie schickt ihren Bruder, um Jerry zur Beerdigung zu holen. Dort trifft sie den abgehalfterten Freund ihres geliebten Ehemannes nach langer Zeit zum ersten Mal wieder. Erst jetzt befasst sich Audrey mit Brians Freundschaft zu Jerry. Da sie es allein im großen Haus nicht aushält, bittet sie Jerry bei ihr einzuziehen. Die Kinder lieben den unkonventionellen Jerry, der aber kommt nur schwer von den Drogen los. Als er den ersten Schritt aus der Sucht schafft, wirft Audrey ihn aus dem Haus. Sie kann Brian nicht loslassen und handelt emotional. Jerry landet wieder in der Gosse, aber Audreys Familie nimmt deren Entscheidung nicht hin. Die Suche nach Jerry beginnt. Erst als Audrey erkennt und akzeptiert, dass Brian unwiderruflich gegangen ist, schafft sie es, ihre Kraft für Jerry und die Kinder einzusetzen.
Things we lost in the fire ist ganz großes Gefühlskino. Susanne Bier ist dafür bekannt, Dinge immer etwas anders, als andere zu machen. So sind die Schnitte, Großaufnahmen einzelner Gesichtspartien, der schmale Soundtrack und die Abfolge bestimmter Zeitebenen der Erzählung am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber so, wie Audrey erst nach und nach Jerry verstehen kann, so kommen wir nach und nach in Biers Erzählstruktur hinein. Hat sie uns damit eingefangen, ist es ohnehin zu spät, um abzuschalten. Dann werden sie, so wie ich, gebannt vor dem Bildschirm sitzen und sich auf eine etwas andere Art und Weise mit sehr viel Tiefgang, der nie in den Kitsch abdriftet, unterhalten lassen. David Duchovny und Halle Berry sind in ihrem Spiel hervorragend, werden allerdings von einem Benicio Del Toro überstrahlt, der den gescheiterten Jerry Sunborne derart genial darstellt, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Del Toro zeigt uns, in seiner Verkörperung des Jerry Sunborne, was es bedeutet, zu verlieren, zu gewinnen, loszulassen und wieder festzuhalten. Das ist einzigartig und ganz großes Kino für den DVD-Abend zu Hause.