Der amerikanische Satiriker Stephen Colbert schrieb auf die Rückseite seiner letztjährigen Veröffentlichung "I Am America (And So Can You)": "A great read! I laughed, I cried, I lost 15 pounds! I cannot recommend this book highly enough." Ich persönlich habe beim Lesen dieses Buches nicht so viel geweint, und vielleicht sogar etwas zugenommen. Gelacht habe ich, das stimmt, sehr sogar, doch jene anderen Kritierien erfüllte das Buch nicht. Sollte es auch nicht, ist ja klar.
Mit "Things The Grandchildren Should Know" hat Singer-/Songwriterlegende Mark Oliver Everett (ein Mann genannt "E") der Band "EELS" nun eine Autobiographie veröffentlich, die "I Am America" rein mathematisch übertrifft: Man nimmt zwar auch hier nicht ab, doch kann es vorkommen, dass einem das Lachen, das auf einer Seite begonnen hat, auf der anderen Seite im Hals stecken bleibt. Man weint, man lacht, man fühlt sich wundervoll nachdem man mit der Lektüre dieser 246 Seiten durch ist.
Der "Kurt Vonnegut des Rock" (Rolling Stone) erzählt in diesem Buch die Geschichte seines Lebens und Schaffens, das von Beginn an von Schicksalsschlägen begleitet worden ist: Der Vater stirbt sehr früh, einige Jahre darauf folgt E's Schwester, schließlich E's Mutter und auf einmal ist Mr. E der letzte verbliebene Everett. Darüberhinaus ist der Tod auch außerhalb seiner Familie ein ständiger Begleiter in seinem Leben, zuletzt denkt auch er an Selbstmord. Doch die Musik, seine einzige Leidenschaft, hält ihn am Leben, er geht nach Los Angeles, wird nach einigen Jahren entdeckt, veröffentlich im Laufe der Jahre mehrere erfolgreiche Rock-Alben und wird zum Liebling der Kritiker.
Durch einen wundervoll direkten Schreibstil gestärkt, liest man mit "Things The Grandchildren Should Know" mehr als nur die nächste Autobiographie eines Pop-Künstlers, vielmehr ließe sich dieses Werk auch als brillante Prosa mit verunsichertem Ich-Erzähler betrachten, die einen zum Schluss hin als schlaueren Menschen zurücklässt, der soeben von einer erfahrenen Persönlichkeit beigebracht bekommen hat, wie sie selber mit den schlimmsten und allerschlimmsten Schicksalsschlägen konfrontiert worden ist, doch trotzdem (oder gerade deswegen) als gereifter Mensch dasteht.
Für Fans der Band "EELS" ohnehin ein Muss, da hier natürlich auch auf die Entstehungsgeschichte eines jeden Albums eingegangen wird, bietet diese Autobiographie darüberhinaus die Stütze, die einem alle Selbsthilfebücher der Welt nicht geben können (nicht, dass ich mit ihnen Erfahung hätte), und das mit einer stets vorhandenen Prise Sarkasmus.