Wenn es ein Album gibt, das den Status der absoluten Perfektion erreicht hat, dann ist es das geniale Thick as a Brick. Hier stimmt einfach alles, es gibt nichts, aber auch gar nichts auszusetzen. Die Tempiwechsel, die fliessenden Übergänge, die clever arrangierten Breaks und Solis, der inbrünstige Gesang, das akzentuierte Spiel der Querflöte, die kreativ-verspielten Drums, die klassischen Klavier-, Orgel- und Cembalosoli, sowie die mal fetzige, mal melodische E-Gitarre, alles stimmt perfekt in diesem aus einem einzigen Song bestehenden Album, alles geht perfekt ineinander über, das Konzept ist wohl durchdacht, sowohl textlich als auch musikalisch, und die Atmosphäre ist stimmig. So muss Musik klingen, auch wenn sie im Falle von Thick as a Brick anstrengend hochgradig kompliziert und in sich selbst verschlüsselt ist. Eingeleitet wird dieses musikalische Kabinettstückchen durch ein moderates und dezentes, folkloristisches und unbekümmertes dreiminütiges Intro aus Akustikgitarre, Klavier und Flöte, welche noch nicht im Geringsten erahnen lässt, welcher Parforceritt und Artrock-Overkill einen dann erwartet: Bombastisch und ergreifend. Flötenderwisch Anderson scheint einen an die Hand zu nehmen und einen wie auf einer Reise zu begleiten, welche abenteuerlich ist und wie im Fluge vergeht. Mal sehr schnell und rasant, dann getragen und hypnotisierend träge, mal ruhig, mal agressiv.
Wer bereit ist, diese Herausforderung anzunehmen, wird sehr schnell entlohnt mit genialen Melodien, die einem, trotz des hohen Komplexitätsgrades nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wenn man Zeit investiert und durch nichts abgelenkt ist, geht man beim Hören völlig im Album unter; es lohnt sich übrigens dabei den Text des Liedes mitzulesen und vollkommen in dieser genialen Geschichte abzutauchen. Text, Booklet und Musik verschmelzen zu einem homogenen, aber niemals monotonen Ganzen. Die Fertigstellung des Coveratrworks und des Booklets, in welchem es viele versteckte und durchdachte Querverweise auf den Inhalt des Textes gibt, die es erst zu finden gilt, dauerte laut Anderson länger, als die Aufnahme des Songs an sich. Das verleiht dem Album als Ganzes eine enorme Hintergründigkeit und Tiefe, denn nicht nur die an sich schon geniale Musik macht die Faszination dieses Albums aus, sondern auch das künstlerische Drumherum und der Humor, den die Band an den Tag legt. Ein Pflichtkauf für jeden, der von der in den Massenmedien verbreiteten Vorstellung von Musik genug hat und nun endlich etwas Substanzvolles hören will. GÖTTLICH und sehr STILVOLL !
Ich wage es, mir anzumassen zu behaupten, dass Ian Anderson, wenn es einen MUSIKNOBELPREIS gäbe, diesen für diese geniale Komposition verdient hat. Perfekter und vollkommener kann Musik nicht sein. KAUFEN !