Zum Anfang mal eine kleine Nachforschung: Gebt mal die Begriffe "Talking" "Heads" und "Songs" ins Amazon-Suchfeld ein und schaut euch die Ergebnisseite an. Na, was fällt auf?
Ja, eindeutig, das Album-Cover ist ein Rip-Off der zweiten Platte der Talking Heads "More Songs About Buildings & Food" die mittlerweile schon fast 30 Jahre (!!) auf dem Buckel hat.
Aber es ist klar, dass dies KEIN Zufall oder bösartiger Ideendiebstahl ist, vielmehr handelt es sich wohl um eine Art Hommage an besagte Pioniere des New Wave / Post Punk der späten Siebziger und frühen Achtziger.
Auch auf den produzierten Musikvideos zu den Singles dieses Albums, insbesondere zu "You Don't Have To Shout" und "After Laughter Comes Tears", befinden sich weitere visuelle Anspielungen auf einen der berühmtesten Musikfilme - "Stop Making Sense" von besagten Talking Heads.
In Teilen klingt natürlich die Musik ähnlich (nur eben zeitgemäßer bezüglich Sound und Produktion) - ohne jedoch ihre Eigenständigkeit zu verlieren.
Wie schon in anderen Rezensionen beschrieben geht die Musik voll und fröhlich geradeaus. Schon der gelungene Opener mit stakkatohaftem Keyboardintro lässt folgende Tanzbarkeit und lustige Abgedrehtheit der Scheibe erahnen. Weitere teils wavige, teils rockige, teils (post)punkige Stücke folgen ohne Qualitätsverlust oder gar aufkommende Langeweile. Denn die RBCK verstehen es, jedem Song eine unverwechselbare eigene Frische zu verleihen.
Besonders catchy ist sicherlich "You Don't Have To Shout" geraten, da kann man nicht anders als schon beim ersten mal laut mitzugröhlen - live sicher einer der Höhepunkte ihrer Show. Auch zeigen sie bei diesem Song, dass man fähig ist sich über das heute in der Popwelt so weit verbreitete Einheitstextallerlei a la "du liebst mich nicht , ich lieb dich nicht" gekonnt hinwegzusetzen. So handelt dieser Song doch tatsächlich vom Leben und zweifelhaften Wirken des in den 80igern berühmten "Kremlfliegers" Mathias Rust (wer ihn nicht kennt, bitte Wikipedia bemühen).
Hervorzuheben ist auch "Live Amazes Us Despite Our Miserable Future" welches trotz leichter Depressionsthematik nicht wirklich runterreißen kann - denn Gothic liegt den Jungs nun wirklich nicht.
Auch "Concerned, Your Secular Friends" ist ein persönliches Lied, das vom überstürzten Austritt eines früheren Bassisten der RBCK erzählt, welcher in einem "Offenbarungsanfall" einer christlichen Sekte beigetreten ist, die Rockmusik als Teufelswerk verurteilt.
Fazit: Ungewöhnliche Texte, ungewöhnlich(gut)e Musik. Kein Song ist ein Ausfall. Schönes Artwork der CD.
Eine gute Scheibe der (nach eigener Aussage) am meisten unterschätzten Band Deutschlands. Recht haben sie, denn einen Chartserfolg würde man ihnen von Herzen gönnen.
Absolute Kaufempfehlung.
(ach ja, das gilt natürlich auch für die Talking Heads CD!)