Mit "These Times" legt Mike Stern ein wirkliches Meisterwerk vor. Virtuos Gitarre spielen konnte er schon immer, aber was hier deutlicher denn je zu Tage tritt, ist eine komnpositorische Ader, die in elf hochklassigen und abwechslungsreichen Songs ihr Ventil findet.
Er hat aber auch ein erstklassiges Team an seiner Seite: Jim Beard (auch Keyboards) sorgt als Produzent für einen transparenten und warmen, gleichwohl aber auch eckigen und lebendigen Sound. Vinnie Colaiuta spielte schon immer beeindruckend Schlagzeug und doch merkt man an diesem Album, daß er immer an sich gearbeitet und sein Spiel über die Jahre weiter verbessert hat. Virtuosität und Sinn für Groove vereinigen sich mit der Fähigkeit, die musikalische Spannung geschickt und flexibel zu dosieren. Sein Schlagzeugkollege Dennis Chambers spielt nur bei einem Song, hält aber mühelos mit Colaiutas Niveau Schritt.
Stern gibt auf "These Times" den Saxophonisten Kenny Garrett, Bob Franceschini und Bob Malach reichlich Gelegenheit zur solistischen Entfaltung, welche diese mit Hingabe und Inbrunst nutzen. Richard Bona veredelt ähnlich wie bei "Voices" mehrere Songs mit seiner Stimme, die zu der Atmosphäre der CD wunderbar paßt. Die funkige Schlussnummer "Last one down", die schon fast zum Mittanzen einlädt, wird von Jim Beard mit einem abgefahrenen Klaviersolo gekrönt.
Überhaupt entgeht Stern, indem er seinen Sidemen Raum läßt, der Gefahr, ein zu gitarrenlastiges Album auf die Beine zu stellen. Natürlich hat er bei Anzahl und Gesamtlänge der Soli die Nase vorn, aber was er spielt wirkt ehrlich und inspiriert und erschöpft sich nicht im Vorführen von Technik, wenngleich diese reichlich vorhanden ist. So jazzt, groovt, rockt und funkt es bei "These Times" an allen Ecken und Enden, daß einem beim Zuhören sicherlich noch unzählige Kicks beschert werden.