Und da isser schon wieder. Würde er deutsch singen, würde man ihn möglicherweise (und bedauerlicherweise) in die Schlagersängerecke verfrachten. Zu Unrecht. Denn bei allem Pathos, dem wohligen Baden in den Abgründen der Liebe: Matthew weiß stets, Maß zu halten in all seinem Übermaß. Eine Art introvertierte Maßlosigkeit. Vielleicht ist es die Beschränkung auf ein kammermusikalisches Arrangement mit Mandoline, Ukulele, Piano, Bläsern und Cello, das ihn vor dem Abrutsch in den Kitsch bewahrt. Keine gigantischen Orchesterbreitseiten wie in so mancher Hitparaden-Ballade, statt dessen eine intime Instrumentierung zu dieser - selbst bei einem Lalala (FRIENDS AND FOES) - herrlich leidenden Stimme. Das kann man wahnsinnig traurig finden oder einfach nur schön: wie auf dem Vorgängeralbum blitzen an allen Ecken wunderschöne musikalische Ideen, offenbaren sich mitunter nur sekundenlang und entschwinden dann wieder wie ein Panorama, aus einem fahrenden Zug heraus beobachtet (was ich meine, offenbart sich am atemberaubendsten in der Streichersektion gegen Ende von FOR DICK). Ein gewagter Vergleich, zugegeben: mit seinen Lamenti ist er so etwas wie die Anna Varney des Indiefolks. Und das Motto seiner Arbeit offenbart er ausgerechnet in einem Song namens GERMAN: Make it beautiful now. Das kann er perfekt. Scott Matthews Album: die ganz große Kunst. Freilich eine, auf die man sich einlassen muss.