Auf „There Will Be No Miracles Here“ erinnern Frontier(s) an "gute alte Tage", in denen Emo noch die Bezeichnung für eine Musikrichtung, nicht für einen Haarschnitt war. Angesprochen auf seine Motivation, erneut eine Band zu starten, erklärt der Ex-Elliott-Frontmann und heutige Frontier(s)-Sänger Chris Higdon, dass er einfach die Musik spielen möchte, die er in den vergangenen Jahren gern gehört hätte aber nirgends finden konnte. Höchstwahrscheinlich meint er damit das, was vor der Jahrtausendwende als "Emo" bezeichnet wurde. Ein kurzer Blick zurück: Ende der 90er veröffentlichen eine Reihe von jungen Bands Alben, die sich musikalisch zwischen den Polen Indie Rock und Punk bewegen und dabei geprägt sind, vom emotionalen Gesang ihrer Frontmänner. Einige dieser Werke wurden später zu Meilensteinen. Zweifelsohne gehören „U.S. Songs“ von Elliott, „Water And Solutions“ von Far (beide aus dem Jahr 1998) sowie „Something To Write Home About“ von den Get Up Kids und „Clarity“ von Jimmy Eat World (beide aus dem Jahr 1999) in diese Kategorie. Was zudem auffällt: Die drei letztgenannten Bands sind 2010 alle samt mit neuen Platten zurück. Lediglich Elliott existieren nicht mehr, dafür ist der charismatische Gesang von Chris Higdon jetzt das Alleinstellungsmerkmal seiner neuen Band Frontier(s). Und deren Erstling "There Will Be No Miracles Here" erinnert tatsächlich stark an das Debütalbum seiner ehemaligen Band.
So werden sich schließlich nicht wenige fühlen, als wären sie eine gute Dekade in der Zeit zurück gereist, wenn sie die schnittigen Gitarren, die treibende Rhythmusfraktion und Chris Higdons Organ in „Little Wolves“, dem ersten Stück von „There Will Be No Miracles Here“ vernehmen. Der knackige Opener geht nahtlos in „Von Veneer“ über, der das Tempo hoch hält und das erste echte Highlight der Platte darstellt. Tatsächlich muss man den Bogen zurück zu den frühen Elliott spannen, um den Sound von Frontier(s) angemessen zu beschreiben. Dafür ist zum einen der teils melancholische, teils wütende und zuweilen gar anklagende Gesang von Chris Higdon einfach zu omnipräsent, zum anderen verweigern sich Frontier(s) etwaigen Anbiederungen an die hippen Youngster, die derzeit auf der New Wave- oder weiß der Teufel welcher sonstigen Welle reiten. Einer der stärksten Songs des Albums ist „Abul Abbas“. Auch hier peitscht die Rhythmusfraktion wieder stoisch nach vorne, während die Gitarrenarbeit eindrucksvoll zwischen verhallter Frickelei, unterkühltem Stakkato und warmen Akkordflächen wechselt. In „Bones“ imitiert Drummer Eagle Barber auf dem Rand einer Trommel seines Schlagzeugs die klappernden Knochen, die Chris Higdon in seinen kryptischen Lyrics beschreibt („Your rattling bones will set it off, your rattling bones will wake the dead“) – ein echter Gänsehautmoment. Da kann man Frontier(s) dann auch verzeihen, das nicht jeder Song des Albums ein Glanzstück darstellt. „You Are Secrets“ etwa bedient sich zwar ähnlicher Mittel wie die oben genannten Stücke, lässt den Hörer aber aufgrund des Mangels an mitreißenden Harmoniewechseln doch eher kalt.
Sei es drum, Chris Higdon und seine Mitstreiter lassen mit ihrem gelungenen Debüt nicht nur die vermeintlich gute alte Zeit auferstehen, sondern machen mit „There Will Be No Miracles Here“ Lust auf mehr. Elliott-Fans werden ohnehin auf ihre Kosten kommen und mit ein wenig mehr Abwechslung hinsichtlich Tempo und Arrangement der Songs, könnte Frontier(s) mit einem möglichen zweiten Album ein noch größerer Wurf gelingen.
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