27 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Porträt eines Monomanen, 26. Juli 2009
Lange habe ich damit gezögert, mir diesen Film zuzulegen, denn in vielen Rezensionen heißt es, "There Will Be Blood" sei langweilig und ohne rechte Struktur, doch ich kann nur sagen, dass diese Kritik ins Leere geht - ja mehr noch, dass dieser Film ein echtes Erlebnis ist, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Der Film beginnt mit einem Blick auf zwei karge, sonnenbeschienene Berge, an deren Fuß Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) mit verbissener Zähigkeit in einem Schacht nach Silber gräbt und es schließlich auch findet. Als er von der Leiter in die Grube abrutscht, bricht er sich ein Bein, doch verbissen und fanatisch gräbt er weiter, bis er schließlich genügend Silber zusammenhat und sich in das nächste Dorf quält. Vier Jahre später sehen wir Plainview in der Wüste, wie er mit einigen anderen Männern nach Öl bohrt, im Dreck lebt, Apparate entwirft, Schwerstarbeit leistet und sich des Säuglings eines Mannes annimmt, der bei den Bohrungen tödlich verunglückt. Immer weiter begleiten wir Plainview bei seiner entgegen aller Widrigkeiten hartnäckig vorangetriebenen Arbeit, die ihn nach und nach zu einem wohlhabenden Mann macht. Mehr als fünfzehn Minuten dauern diese Szenen, und während dieser Zeit wird kein einziges Wort gesprochen, wir hören nur das Stöhnen der Männer, das von Schmerz und Anstrengung zeugt, dazu die avantgardistische und verstörende Musik von Jonny Greenwood.
Der Film lädt uns ein, Daniel Plainview, einen machtbesessenen Selfmademan auf seinem Weg zu Reichtum und menschlicher Vereinsamung zu begleiten; er erzählt eigentlich keine wirkliche Geschichte, sondern beleuchtet nur wichtige Episoden im Leben dieses Mannes, bis er schließlich in einer absurd-tragischen Situation abrupt endet.
"There Will Be Blood" ist lose an den Roman "Oil!" von Upton Sinclair angelehnt, einem jener Journalisten und Schriftsteller, die Anfang des letzten Jahrhunderts von Präsident Roosevelt als "Muckrakers" verunglimpft wurden, weil sie es wagten, die sozialen Kosten des Kapitalismus in ihren dem Naturalismus verhafteten Werken anzuprangern - etwas, das Dickens auf mildere Weise im 19. Jahrhundert für das industrialisierte England tat. Allerdings macht sich Regisseur Anderson den sozialkritischen Impetus Sinclairs nicht zueigen, sondern konzentriert sich auf den Charakter Plainviews, der als Musterbeispiel entschlossenen Unternehmertums auf der einen Seite Bewunderung erzeugt, wegen seiner Unfähigkeit, menschliche Bindungen aufzubauen, und der damit einhergehenden Skrupellosigkeit jedoch auch Abscheu hervorruft.
Am Anfang überwiegen noch die positiven Seiten in Plainviews Charakter: Wir sehen ihn, wie er mit seinem Sohn spielt und ihm das Ölgeschäft erklärt, wir sehen, wie durch ihn die Stadt Little Boston, deren Bewohner ursprünglich am Rande des Existenzminimums lebten, einen bescheidenen Aufschwung und die Segnungen der Zivilisation erfährt, aber wir erleben ihn auch als knallharten Verhandlungspartner, der sich nicht scheut, die unwissenden Bauern über den Löffel zu barbieren. In der Folge, vor allem mit dem Auftauchen seines Rivalen, Eli Sundays, eines bigotten, sektiererischen Predigers, überwiegen allerdings die Schattenseiten seines Charakters. Als sein Pflegesohn H.W. bei einer Bohrtumexplosion sein Gehör verliert, kümmert sich der Vater mehr um das Bohrloch als um seinen Sohn, der voller Panik nach ihm schreit; später weiß Plainview nicht, mit der Behinderung des Kindes umzugehen, und schiebt es kurzerhand in ein Internat ab. Am Lagerfeuer verrät er seinem Bruder in einem Anflug alkoholbedingter Aufrichtigkeit, dass er die Menschen hasse und anderen jeden Erfolg neide.
Sein Rivale Eli Sunday (Paul Deno) hingegen ist eine noch unambivalentere Figur, denn er erregt das Missfallen des Zuschauers von Anfang an. Ein unbedarfter Bauernsohn, wählt er den Weg des evangelikalen Erweckungspredigers, der die Menschen mit inszenierter Glaubensverzückung in seinen Bann schlägt. Von Plainview gedemütigt, sinnt er auf Rache, die er sich auch auf Umwegen verschafft.
Im Grunde sind sich beide Rivalen recht ähnlich insofern als es ihnen darum geht, monomanisch Macht und Einfluss über andere Menschen zu gewinnen, und auch die Gier nach Geld ist Sunday nicht fremd. Der Unterschied ist, dass Plainview erschreckend brutal zu Werke geht - in einem Verhandlungsgespräch droht er beispielsweise in einem Anfall von Wut seinem Gegenüber damit, sich nachts in sein Haus zu schleichen und ihm die Kehle durchzuschneiden -, während Sunday eher kriecherisch und feige ist - die Schläge und Tritte, die er von Plainview empfängt, reich er an seinen alten Vater weiter - und dabei an Uriah Heep aus "David Copperfield" erinnert.
Es sind zwei ausnahmslos gierige und egozentrische Menschen, die Anderson hier zeichnet, und das mag den Film für viele abstoßend machen, aber wenn ich mir die Welt so angucke, gibt es doch eine Menge Plainviews und Sundays.
Man mag sich darüber streiten, ob das Ende dieses großartigen Filmes ebenso gelungen ist wie der Rest. Ich für meinen Teil finde, dass die beiden Rivalen in ihrem letzten Zusammentreffen wie Zerrbilder ihrer selbst agieren, was zum Teil sicher auf die Verachtung zurückzuführen ist, die der Regisseur für seine zwei Figuren empfinden mochte, doch die Aussage, die Anderson damit macht, ist eindeutig.
Ein besonderer Reiz dieses Filmes liegt auch in der Filmmusik, die überwiegend von Jonny Greenwood komponiert wurde (es gibt allerdings auch Musik von Brahms und anderen). Die Musik unterstreicht die fehlende Balance im Charakter Plainviews aufs trefflichste, wobei sie dem Ohr nicht immer, dem Bauch aber durchweg einen Gefallen tut.
Einziger großer Makel an der DVD ist die Verpackung, die doch recht billig und instabil geraten ist, da sie nicht plasti-elasti, sondern pappig ist. Doch dies hat nichts mit dem Film zu tun, und meine Bewertungen gelten in erster Linie immer dem Inhalt, so dass ich diesem grandiosen Epos fünf Sterne gebe und noch einmal die Empfehlung ausspreche, dass man sich diesen Film nicht entgehen lassen sollte. Da ist nichts mit Langerweile!
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Virtuos, melancholisch, fesselnd - und seeehr anstrengend, 22. Dezember 2009
Vieles ist dieser Film, manches nicht, ganz bestimmt aber streitbar. Ist "There Will Be Blood" langweilig? Ich glaube kaum; der Film, der nicht nur mit betörend kargen Bildern und grandiosen schauspielerischen Leistungen aufwartet, ist ein durchaus fesselndes Porträt eines Besessenen und seines fanatischen Gegenspielers. Darüber hinaus ist der oscardekorierte Streifen von Regisseur Paul Thomas Anderson ("Magnolia") aber auch anstrengend, aufreibend, verstörend und gelegentlich auch ziemlich nervtötend.
"There Will Be Blood" erzählt die Geschichte des Daniel Plainview, der zu Beginn des 19. Jh. vom Silbersucher zum "Ölmann" wird. Dieser Daniel Plainview, zu Beginn ein ebenso willensstarker wie menschlicher Charakter, wandelt sich im Laufe des Films zum Menschen-Hasser. Opfer und Ereignisse auf seinem Weg sind letztlich nicht mehr als Erfüllungsgehilfen dieses Films, dessen Botschaft ebenso einfach wie eindeutig ist. Schonungslos zeigt "There Will Be Blood" die Abgründe des menschlichen Geistes auf, führt dem Zuschauer den Wahnsinn des Fanatismus - sei er nun religiös, kapitalistisch oder sonst wie geartet - hautnah vor Augen.
Gnadenlos gut spielt Daniel Day-Lewis, der für seine Rolle als fast schon krankhafter Machtmensch zurecht den Oscar erhielt. Dennoch habe ich 150 lange Minuten vergeblich versucht diesen Daniel Plainview zu verstehen - am Ende blieb höchstens Bedauern. Seine rücksichtslose unmenschliche Art macht den Film zu dem sperrigen Werk, dass es geworden ist. Man muss bereit sein sich zweieinhalb Stunden dem irgendwie leeren auszuliefern, dem höhepunktslosen Leiden eines zu letzt doch etwas überstilisierten Charakters, der mir trotz seines gefühlslosen Erfolgsstrebens nie das Gefühl vermittelte ein Machtmensch zu sein, sondern vielmehr ein von der Welt enttäuschter, der den anderen lediglich ihren Ruhm, ihre Macht neidete, wie ein Kind das ein Spielzeug nur haben will, weil ein anderes es auch hat. Und doch ist es dieser Charakter, der den Film zu einem guten Stück ausmacht, der fesselt, der nicht mehr loslässt - auch wenn zeitweise nervt.
Darüber hinaus sind es vor allem die Bildsprache und der, nun ja, etwas skurrile, jedenfalls ungewöhnliche Soundtrack, die den Film (zumindest für mich) so unvergesslich machen. Die Bilder schlagen ständig von gleißend hell zu verwischt dunkel um, sind öde und prächtig, weit und beengt, kurzum beeindruckend. Untermalt wird all das von einem ungewöhnlichen Soundtrack (übrigens nur mit damals existierenden Instrumenten produziert), den ich als durchaus gelungen, wenn auch etwas befremdlich empfand, der aber bestimmt auch stören kann.
Fazit:
Unvorbereitet - also in Erwartung eines ganz "normalen" Filmes - sollte man sich diesem epochalen Drama jedenfalls nicht stellen, denn "There Will Be Blood" ist trotz des genialen Hauptdarstellers, trotz der tollen Bilder ein zäher, ein anstrengender und ein verdammt langer Film - 3,5 Sterne.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Slapsgiving mit Daniel Day Lewis - Groß!, 30. Juli 2010
Ich habe mir den Film gekauft, weil er schwierig und anstrengend aussah, eine Dauer von zweieinhalb Stunden hat und weil ich gelesen hatte, dass in der ersten Viertelstunde kaum ein Wort gesprochen wird. Alles schien auf anspruchsvolles Kino für Kenner hinzudeuten. Wurde ich enttäuscht? Nein.
Oder vielleicht doch ein kleines bisschen, denn so furchtbar anstrengend oder langwierig, wie in anderen Rezensionen bemängelt, war er dann doch nicht. Ich hatte Tarkowskijsche Ausmaße erwartet, bekam stattdessen aber einen durchaus fordernden und dennoch relativ "normalen" Film zu sehen.
Zur Story dürfte schon alles gesagt worden sein. There will be blood ist eine Charakterstudie über den "Oil-Man" Daniel Plainview, einen ehrgeizigen Öl-Unternehmer zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der von niederen Empfindungen gegenüber Anderen geplagt wird und zwischen diesen negativen Emotionen, seinem gierigen Gewinnstreben und der Liebe zu seinem Adoptivsohn hin und hergerissen ist. Hinzu kommen Plainviews Auseinandersetzungen mit dem jungen Kirchenmann Eli Sunday, der selbst mehr im Hintergrund bleibt, aber eine große Rolle für den Film spielt.
Daniel Day Lewis spielt mehr als gut, wie alle anderen Schauspieler passt er perfekt und füllt seine Rolle optimal aus. Es wird vieles nur angedeutet in diesem Film und Konzentration ist gefragt.
So funktioniert There will be blood als Charakterportrait und als kritische Abhandlung über die großen "Stärken" Amerikas: Unternehmertum und Religion. Welch unheilvolle Allianz beide unter Umständen eingehen können, spiegelt sich in den Charakteren von Plainview und Eli Sunday.
Insgesamt stimmt meiner Meinung nach alles an dem Film. Die Bilder sind überlebensgroß, die Schauspieler (ich beziehe mich auf die englische Originalversion) unglaublich, die Musik...ja, die Musik. Hier zeigt sich ein gespaltenes Bild (bei Amazon). Es fiel irgendwo der Satz, dass die Musik wirkt, als gehöre sie zu einem anderen Film. Das ist anfangs gar nicht mal so falsch. Als Zuschauer ist man zuerst verwirrt: Wie soll diese dissonante Streicher-Instrumentenstimmmusik zu den heroischen Öl-Förderungsbildern passen? Aber spätestens ab der Hälfte des Films weiß man es besser und am Ende ist klar, dass es nur diese Musik für diesen Film geben kann. Ein pathosgeschwängerter Hollywood-Score wäre ganz eindeutig fehl am Platz.
Bevor ich mich weiter in Lobhuldigungen ergehe: Wenn Sie anspruchsvolle Filme und schwierige Charaktere mögen, dazu einem Setting in der amerikanischen Geschichte nicht abgeneigt sind und sich wirklich mal Zeit und Platz im Kopf für einen Film nehmen möchten, greifen Sie zu! Ich habe ihn gestern gesehen, denke den ganzen heutigen Tag daran und kann es kaum erwarten, ihn nocheinmal anzuschauen. Mit das Beste seit langer Zeit.
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