,The Wall' wurde nach dessen Veröffentlichung als geschlossene ,RockOper' einige male komplett aufgeführt. Von diesen Konzerten wurde fast 20 Jahre später der vorliegende Zusammenschnitt veröffentlicht.
Das Thema von The Wall ist im Prinzip die Isolation von der Umwelt, speziell bezogen auf Roger Waters' Biographie, man darf dies mit zusammengekniffenen Augen aber auch auf Pink Floyd und ihre besonders für Roger Waters gefühlt entfremdete Beziehung zu ihren Fans sehen. Besonders bekannt ist natürlich ,Another Brick In The Wall, part II', jedoch ist dieser Track lange nicht der beste Track des Songzyklus. Gilmour darf sich rühmen, mit der Musik zum Stück 'Comfortably Numb', zu dem Waters den Text beigetragen hat, ein Stück geschrieben zu haben, das so ziemlich jeder Floyd-Fan unter seinen drei Lieblingssongs listet, nicht zuletzt aufgrund des gigantischen, schwebenden Gitarrensolos, ohne Zweifel eines der besten Stücke, die überhaupt jemals in der Geschichte der Musik geschrieben wurden. Rockig und dynamisch, bedrohlich klingt ,Run Like Hell', hoffnungslos ,Goodbye Blue Sky', ,Mother" und Hey You' beispielsweise zählen ebenfalls zu den prägnanten, schon beim ersten Durchhören starken Tracks. Ein oft kritisierter Punkt an ,The Wall' sind allerdings Lieder wie ,Is There Anybody Out There?', ,Nobody Home', ein wunderbares Akustikgitarrenstück, das tieftraurige ,Vera', der Wutausbruch ,One Of My Turns' usw., wahre Perlen, die oftmals als reines Füllmaterial bezeichnet werden, aber ihre offensichtlichen Stärken bei genauem Hinhören garantiert offenbaren, spätestens bei Kenntnis des lyrischen Hintergrundes, der dem Stück zugrunde liegt. Insgesamt ist The Wall deutlich rockiger ausgefallen als die dem ArtRock nahestehenden Vorgängeralben, was nicht jeden Floyd-Fan angesprochen hat, dennoch war das Album ein Riesenerfolg. Es stellt sich nun die Frage, ob man das Livealbum braucht, da die Songreihenfolge der der Studioversion entspricht und es auch keine improvisierten Momente gibt, da man während der Show allein durch das Film- und Diamaterial sowie den Aufbau der Mauer in einen engen zeitlichen Rahmen eigebunden war. Aber das Album weist den großen Vorteil fast jeder Liveplatte auf, nämlich den, dass der Sound deutlich satter ist und die Stücke sehr viel mitreißender wirken, so dass die Studioplatte trotz deren guter Produktion fast schon trocken und altbacken klingt. Des weiteren folgt auf ,Empty Spaces' mit ,What Shall We Do Now?' ein herausragender Shorttrack, der auf der Studioversion nicht vertreten ist.
Wer also das Studioalbum sein eigen nennt, sollte sich ,The Wall Live' dennoch unbedingt kaufen, ich persönlich höre seitdem nur noch letzteres, wem das Album noch unbekannt ist, sei primär zur Liveversion geraten. Erwähnenswert ist übrigens noch das sehr üppige Booklet mit einer Flut von Fotos der damaligen Konzerte.