Aus der Amazon.de-Redaktion
Mehr und mehr tritt Theo aus der Rolle des distanzierten und reflektierenden Beobachters heraus. Er wird verwickelt in Rituale und findet schließlich auch Zugang zu seinen Gefühlen und seinem Herzen. Die Religionen werden ausgewogen und differenziert dargestellt und einerseits in ihrem historischen Werden, andererseits in ihrem heutigen gesellschaftlichen und politischen Kontext beleuchtet. Das Buch ist ein Panoptikum der Religionen und Kulturen -- unterhaltsam, allgemeinverständlich und kompetent geschrieben. In einer Zeit, in der viele nach tragenden Sinnangeboten suchen, macht Catherine Clément den Versuch, mit Theos Reise im Wirrwarr der Postmoderne durch Information und Wissen über Religion die Qual der Wahl zu erleichtern. Ihr Roman möchte Jugendliche und junge Erwachsene bei ihrer Suche nach Gott unterstützen und eine kritische Urteilsfähigkeit stärken. Die Ähnlichkeit zu Jostein Gaarders Roman Sofies Welt ist unverkennbar. Allerdings bleibt es fraglich, ob Menschen religiöse Erfahrungen einem Buch entnehmen können oder ob nicht auch wie bei Theo eine vertiefende Reise in die Welt der Rituale, Gebete und religiösen Praktiken nötig wäre, die erst wirklich urteilsfähig macht. --Bettina Wittke -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Als sein morgendlicher Schwindel nicht nachläßt, erfährt Theo nach einem Arzttermin, dass er schwer krank ist. Eine mysteriöse Krankheit, die schlimmstenfalls mit dem Tod enden kann. Die Ärzte sind machtlos. Kurzerhand plant seine Tante Marthe eine ungewöhnliche Reise - eine Reise durch die Religionen der Welt. Theo sieht Jerusalem, Kairo, Rom, Benares, Jakarta, Tokio, Moskau, Istanbul, Dakar, Bahia, New York und Prag. Überall treffen er und Tante Marthe kundige Führer, die vom Judentum bis zum Schamanismus, von der Urkirche bis zum Mormonentum Glaubensrichtungen erklären und ihn sogar an den wichtigsten Festen und Riten teilnehmen lassen. Bei einem dieser Riten erfährt Theo, dass seine Zwillingsschwester kurz nach der Geburt gestorben ist.
Ein Tod, über den seine Eltern nie sprechen wollten. Wider aller Hoffnung wird Theo am Ende geheilt, jedoch nicht von der klassischen Medizin, sondern von Medizinmännern. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Der Verlag über das Buch
Theos Reise, seit Wochen auf der Bestsellerliste, bietet ähnlich wie Sofies Welt, einen unterhaltsamen Weg, Religionen dieser Welt kennenzulernen.« Stuttgarter Nachrichten
»Das ist Literatur für all diejenigen, die ihre kindliche Neugier nicht verloren haben.« Der neue Tag
»...Keines der Bücher enthält so viele Informationen wie Theos Reise, das dennoch amüsant, spannend und leicht zu lesen ist.« Focus
»Während Sofies Welt von Jostein Gaarder die Geschichte der Philosophie Revue passieren lässt, bietet Theos Reise einen synchronen Schnitt durch die aktuellen Religionen.« Tages-Anzeiger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Klappentext
Autorenporträt
Catherine Clement, geboren 1939 in Paris, studierte Philosophie und Psychologie an der Sorbonne, lehrte dort und arbeitet als Kulturredakteurin und Produzentin. Als Gattin des französischen Botschafters lebt sie zur Zeit in Dakar, aber auch in Wien, Prag und zur Zeit in Dakar. Als Autorin wurde sie durch wissenschaftliche Werke bekannt. In Deutschland ist von der Autorin erschienen: "Die Frau in der Oper", "Die Senyora", "Ghandi", sowie "Der Heilige und der Verrückte".
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .
Auszug aus Theos Reise. Roman über die Religionen der Welt. von Catharine Clement. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Nichts, mein Schatz. Man entnimmt dir ein bisschen Knochenmark. Das ist etwas unangenehm."
"Knochenmark? Na, hör mal, ich bin doch kein Suppenknochen!", scherzte Theo tapfer.
Panik an Bord
Als die Ergebnisse kamen, änderte sich alles.
Die Familie war verstört. Mama verbarg ihre Tränen, Papa kam früh am Nachmittag nach Hause, Attie war dauernd im Zimmer ihres Bruders, und Irene weinte. Fatou lachte nicht mehr. Theo machte zwar Witze über ihre Zöpfe, die halb aufgegangen waren, aber Fatou reagierte nur mit einem traurigen Lächeln. Was habe ich eigentlich?, fragte sich Theo.
Natürlich sagte ihm keiner etwas. Merkwürdigerweise hatte er nicht wieder ins Krankenhaus gemusst. Eine Woche verging, Theo fühlte sich weder schlechter noch besser. Wenn Fatou ihn fragte: "Na, Theo, wie fühlst du dich heute?", antwortete er jedes Mal: "Etwas müde, aber es geht schon."
Es war keine Rede mehr davon, in die Schule zu gehen. Zwei Tage nach der Knochenmarkpunktion hatte Papa das Problem im Handumdrehen geregelt. Fatou würde die Schulaufgaben vorbeibringen und Theo zu Hause lernen und seine Arbeiten schreiben. Die Lehrer waren damit einverstanden, sie zu korrigieren. Es würde kein Zurückbleiben in der Schule, keine Probleme geben, meinte Papa.
Er versuchte, alles perfekt einzurichten. Er hatte einen Arbeitstisch mit kleinen Füßen, den man aufs Bett stellen konnte, und einen Füller gekauft, der leicht über das Papier glitt. Papa kümmerte sich um alles. Aber Theo zog seine geliebten Bücher dem Mathebuch vor, und Fatou, die es wusste, schien nicht im Mindesten entrüstet.
Eines Morgens brachte sie ihm eine Halskette, an die sie einen Skorpion aus schwarzen Perlen gehängt hatte. "Ein Amulett aus meiner Heimat", sagte sie, als sie die Kette um Theos Hals legte. "Ein Geschenk von meinem Vater. Trag es, um mir eine Freude zu machen. Es wird dich beschützen, Theo."
Das Amulett sah komisch aus mit seinen weißen Knopfaugen, aber Theo hielt es glücklich in der Hand und dachte an die seltsamen Gottheiten, die aus dem fernen Afrika über ihn wachten.
An jenem Tag hatte Fatou gelächelt. Aber seitdem überhaupt nicht mehr. Theo machte sich große Sorgen. Am schlimmsten war Mama mit ihrer Tapferkeit und ihren vom Weinen geröteten Augen. Natürlich schluckte Theo jeden Tag Medikamente, aber weil die Schachteln und die Beipackzettel nicht dabei waren, konnte er nicht herausfinden, wogegen sie waren. Der Arzt kam oft vorbei, um die Haut zu untersuchen, das Auftauchen von blauen Flecken zu kontrollieren und die Lymphknoten abzutasten. Mama brachte Theo die Tabletten und ein Glas Wasser und setzte sich wortlos auf die Bettkante. Eines Morgens fragte er sie, ob er Aids habe. Mama zuckte zusammen. Nein, Aids hatte Theo nicht. Dann lief sie plötzlich mit Tränen in den Augen aus dem Zimmer.
Alles, was er wusste, war, dass er krank war und vielleicht, ja, vielleicht sogar sterben musste. Aber das würde er niemandem sagen, und außerdem war es ja auch nicht sicher.
Typisch Tante Marthe
Eine überspannte Tante
In der zweiten Woche musste Theo wieder ins Krankenhaus. Wartezimmer, Blutabnahme, Wartezimmer, Tomographie, Wartezimmer, Röntgen, Ultraschall, Wartezimmer... Es nahm kein Ende. Theo hatte so große Angst, dass er alles mit sich machen ließ. Er war zu einem Ding geworden. Er wurde hingelegt und an Apparate angeschlossen, seine Brust wurde mit einem farblosen, eiskalten Gelee eingeschmiert, er wurde wieder auf die Füße gestellt, dann ging es ab in den nächsten Raum, und so immer weiter. Hin und wieder fragte Theo, was er habe, aber man antwortete nur mit einem Lächeln. Die Krankenschwestern waren nett, und Mama war so unglücklich, dass er, um sich nicht von ihrer Angst anstecken zu lassen, sein Buch über ägyptische Mythologie mitgebracht hatte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .