Es ist schon ungewöhnlich, dass ein Übersetzer sich auf der Titelseite eines von ihm übersetzen Werkes prominent erwähnen lässt - das weckt Ansprüche. Aber zu Stephan M. Kalhamer später, zuerst zu dem, der das Buch eigentlich geschrieben hat (eben auf Englisch) und seinem Werk:
Sklanskys "Theorie of Poker" gilt zu recht als Standardwerk. Im Gegensatz zu vielen Büchern, die (teilweise durchaus in guter Qualität) den derzeitigen Hold'em-Boom reflektieren, geht Sklansky wirklich in die Tiefe, mit Beispielen aus allen gängigen Pokervarianten (ausser Omaha). Das Buch ist mit Sicherheit nicht ganz einfach, aber es heisst ja auch "The Theory of Poker" und nicht "Poker-Profi über Nacht" oder so. Sklansky hat einen hohen Anspruch und wird ihm gerecht - und zwar von Grund auf. Zunächst erklärt er Grundlagen des Pokerspiels (Formen, Ziel etc.), dann geht er auf die mathematischen Grundlagen der verschiedenen Strategien ein, bevor er sich einzelnen Strategien und Taktiken widmet. Das alles reich mit Beispielen versehen und logisch aufeinander aufbauend.
Ich würde nicht sagen, dass das kein Buch für Anfänger ist. Ich selbst habe vor längerer Zeit etwas 5 Card Draw gespielt und nun, nach einer langen Pause, wieder angefangen - mit Texas Hold'em. Das alles absolut laienhaft und amateurmäßig, außerdem bin ich mathematisch eine ziemliche Null. Dennoch habe ich Sklanskys Buch mit ebensoviel Anstrengung wie Freude - und auch Gewinn gelesen. Mein Spiel hat sich eindeutig verbessert. Für mich hat es damit seinen Praxistest bestanden.
Allerdings wäre die Anstrengung beim Lesen nicht ganz so groß gewesen, wenn ich nicht dauernd auf der Hut vor den Fehlern des Herrn Kalhamer hätte sein müssen. Und damit meine ich nicht die Fehler in der Rechtschreibung - die sind zwar ärgerlich, aber was soll's. Nein, was wirklich stört, sind richtiggehende Böcke im Strategieteil - und zwar solche, die eindeutig auf schlampige Übersetzung zurückzuführen sind, nicht auf Fehler bei Sklansky. Und wenn in der Übersetzung aus einem Call mal eben ein Raise wird... dann kann das üble Folgen haben.
Also Fünf Sterne für Sklanskys Buch und einen für die Übersetzung - macht drei. Ich würde es dennoch uneingeschränkt empfehlen, auch weil ich davon ausgehe, dass in der nächsten Auflage die dicksten Fehler beseitigt sein werden.