Physiker sind Genies. Ausnahmslos:-). Dies findet Ausdruck in einer Menge Details. Das Genie betrachtet jede Problemstellung, und sei sie auch noch so alt, aus der Sicht eines Kindes und startet am theoretischen Nullpunkt. Erkenntnisse der wissenschaftlichen Vorgänger sind irrelevant, weil diese
1)(Erkenntnisse) bisher ja auch nicht geholfen haben, dass Problem zu lösen
2)(Vorgänger) generell blöder sind als die Genies (ohne Beschränkung der Allgemeinheit).
Dies äussert sich in vielen Details. Da wird mal zappzarapp eine neue Notation eingeführt, bzw die Notation des eigenen Faches auf das neue Gebiet übertragen und von Reihenentwicklung meist einfach das Ergebniss präsentiert. Für den mathematisch unterbelichteten Leser, wie z.B. den Autor dieser Rezension, ist es phasenweise anstrengend den Genies zu folgen. Eigentlich dürfte ich mir kein Urteil über dieses Buch erlauben, da ich , so glaube ich, nicht alles vollständig verstanden oder nachvollzogen habe. Ich urteile dennoch. Und zwar wie folgt:
Dies ist schon die zweite Edition des Buches. Das neue an der zweiten Edition? Derivative Pricing! Die erste Edition war ausschliesslich eine Betrachtung des Risikos. In all seinen Facetten. Der Aufbau des Buches ist recht eigenwillig und die Notation für nicht-Physiker teilweise etwas anstrengend. Hat man sich aber mal eingelesen, macht das Buch Spass. Grossen Spass. Bouchaud und Potters sind Physiker, die beim französischen Hedge Fund "Capital Fund Management" arbeiten. Ein sehr erfrischendes Buch. Das Quant Finance 1x1 wird mal kurz links liegen gelassen und bei null angefangen. Hier folgt nix einfach mal so einer geometrischen brownschen Bewegung (schon gar nicht mit konstanten Parametern)! Increments sind mal i.i.d., mal sind sie es nicht (auf der Zunge zergehen lassen, also weder "independent" noch "indentical"!!!). Die Betrachtung ist mal zeit kontinuirlich, mal diskret oder beides. Die Modellannahmen sind hier sehr generell und meiner Ansicht nach auch sehr robust gehalten. Hier gibts wenig Finance Theorie dafür viel gelebte Empirie!! Kein Wort darüber, warum die Betrachtung der Kurtosis im "Entscheidungskalkül " Sinn ergibt, aber umso mehr was zu tun ist, wenn dem so ist. Vollständige Kapitalmärkte? Braucht hier keiner! Risiko neutrale Martingal Maße sucht man hier vergebens. Wie schaffen die Herren es dann, trotz allgemeiner Annahmen, zu Ergebnissen zu kommen? Gar nicht! Unnötige Präzision (meine Meinung) wird einfach über Bord geworfen. Es wird approximiert und reihenentwickelt bis die Ambulanz kommt.
Fazit:
- Das Buch bietet kaum wirklich neue Erkenntnisse, aber eine neue Betrachtungsweise. Viele der Ergebnisse und hier aufgezeigten Wege entfalten meiner Vermutung nach erst ihre ganze Wirkung, wenn man Sie vernünftig am Rechner implementiert. (Insbesondere die letzten Kapitel über Derivate Bepreisung waren in dieser Hinsicht ein Augenöffner. Integral statt Differentialbetrachtung. Global statt lokal. Klasse)
+ Sehr viel und gute Empirie
+ Sehr robuste Mdellannahmen
+ schön und erfrischend unakademisch geschrieben
- hört oft auf, wenns richtig spannend wird
- teiweise anstrengende Notation
- "genie Faktor"..alles einfach ungefiltert zu übernehmen, ohne sich genaue Gdanken darüber gemacht zu haben, halte ich für gefährlich..
- kein "Kochbuch" mit fertigen Rezepten
Kaufen!
Gruss