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Der große Vorteil der Beiträge ist ihre Ausführlichkeit, die es erlaubt, das Denken der Theoretiker (etwa Morgenthaus als "Urvater" des "Realismus") im Detail zu erfahren. Alle anderen mir bekannten Einführungen zum Thema sind bei der Darstellung der Großtheorien relativ kurz und sporadisch. Dies gilt auch für das oben erwähnte Buch von Krell.
Leider kommen Ansätze der kognitiven Psychologie, die bei Krell gut dargestellt sind (vgl. Krell: Kapitel 12) ebenso wie der "vernachlässigte Faktor Subjektivität" (Reiner Steinweg) schlicht nicht vor.
Auch die Übersichtlichkeit lässt zu wünschen übrig. So kann der Verzicht auf die "Großtheorie" Institutionalismus - auch unter Bezug auf eine/n Referenztheoretiker (Einleitung, S. 25) nicht überzeugen.
Fazit: es fehlt nach wie vor eine lückenlose Gesamtdarstellung der Theorien der Internationalen Beziehungen, auch wenn dieses Werk - neben dem von Krell - das beste auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zu diesem Thema darstellt.
Positiv:
- Es wird auf sehr viele Theorien eingegangen, mir hat keine gefehlt
- Die meisten Artikel sind recht verständlich geschrieben
Negativ:
- Es werden zu wenig die Verbindungen zwischen den Theorien aufgezeigt, die grossen Theoriedebatten werden nur ganz am Rande behandelt. Da wäre eine längere Einleitung oder ein Extraartikel besser gewesen
- Es werden oft nur Aspekte behandelt. Was sagt die Englische Schule zu Krieg und Frieden? Das Buch gibt da keine Antwort. Die Herausgeber hätten da die Pflicht gehabt, ihren Autoren genauere Vorgaben zu machen.
- Die meisten Artikel sind verständlich - aber nicht alle. Ich habe mich wirklich sehr für den Feminismus interessiert; der Artikel in dem Buch mag seine Qualitäten haben, es ist aber kein Einsteigerartikel.
Im Grunde fehlt mir in dem Buch der Rote Faden. Genau diesen hätte man durch eine umfangreichere Einführung und durch einige Schaubilder schaffen können. Schade.
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