Die Veränderungen im rassistischen Wissen der Gesellschaft, das sich heute in Form des Neorassismus vor allem auf der angeblichen Unvereinbarkeit der Kulturen begründet, ermöglichen es der herrschenden Mehrheit, Rassismus als „somebody else's problem" zu deklarieren. Es entsteht der Eindruck, als sei die bundesdeutsche Gesellschaft insgesamt „ausländerfreundlich", und lediglich ein paar verirrte Jugendliche trieben am rechten Rand ihr Unwesen.
Nora Räthzel zeigt mit ihrer Sammlung von „Theorien über Rassismus" auf, dass in dieser Sichtweise die alltägliche Diskriminierung ebenso unsichtbar bleibt wie die Bedeutung, die die Konstruktionen des Anderen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben. Mit der Auswahl der AutorInnen gelingt es ihr zum einen, die noch immer dem internationalen Forschungsstand hinterher hinkende deutsche Rassismusforschung um wesentliche Aspekte zu ergänzen, etwa durch Beiträge von führenden Vertretern aus dem angelsächsischen und frankophonen Raum wie Robert Miles, Stuart Hall und Etienne Balibar. Zum anderen findet sich ein breites Spektrum an Forschungsansätzen wieder: theoretische Begriffsbestimmungen ebenso wie diskursanalytische Ansätze (Margret und Siegfried Jäger, Jürgen Link). Die Sammlung bietet insofern einen hervorragenden Überblick über das Spektrum der Rassismusforschung, wenngleich einige Aufsätze schon zehn Jahre und älter sind. Wer sich intensiver mit der Thematik befassen möchte, kann das Buch fast wie eine „Linksammlung" benutzen: über die zahlreichen weiterführenden Literaturhinweise sowie die sich aus der Textauswahl ergebenden Querverbindungen zu verwandten Forschungsgebieten.