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Dies geschieht zunächst durch eine Untersuchung der Theorien der "modernen Gesellschaft" mit ihren geläufigen Stichworten "Rationalität" und "Komplexität". Sie haben zwar ihre zutreffenden Momente, stellen jedoch auch immer wieder ihre Eignung als Ausrede unter Beweis. Besonderes Interesse gilt der Frage, wie die Formen, die die moderne Gesellschaft zur Erbringung ihrer Leistungen gebildet hat und benötigt - Hierarchien, Märkte, funktionale Differenzierung, Organisationen - selbst wiederum vielfältige neue Probleme schaffen, deren versuchte Lösungen rekursiv wiederum die Ausgangsproblematik verschieben und verschärfen.
In einem zweiten Teil werden Theorien der kapitalistischen Gesellschaft unter die Lupe genommen. Bei dieser Besichtigung des "Maschinenraums" unserer Gesellschaft richtet sich das Interesse vorwiegend darauf, die Mechanismen der kapitalistischen Produktionsweise insgesamt ernst zu nehmen, statt sich einzelne ihrer Momente als einzelnes "Grundübel" oder als "unproblematische Errungenschaft" herauszugreifen. Während sich politische Konzepte, die sich rein auf einen "Machtwechsel" oder auch nur auf eine stärkere "Umverteilung" richten, hinter der Wirklichkeit zurückbleiben (und deshalb zurecht unattraktiv geworden sind), kann die marxistische Kritik der politischen Ökonomie durchaus aufzeigen, wie sehr der in der Mehrwertproduktion verwirklichte Sinn von den partiell (in recht unterschiedlichem Maße) befriedigten Interessen der Beteiligten abweicht - so etwa in der Verschwendung von menschlichen und natürlichen Ressourcen. Sie zeigt ebenso auf, wie sehr die mit dem Schein der Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit vonstatten gehende kapitalistische Ökonomie zugleich Potentiale in sich trägt, die für eine gegensinnige Anwendung geeignet wären. Beides bestätigt die marxistische Analyse als unverzichtbaren Bestandteil eines Begreifens der gegenwärtigen gesellschaftlichen Wirklichkeit.
Im dritten Abschnitt bekommt die Subjektivität ihr Fett weg, insofern sie in ihrer Bemühung, sich in der eben nicht für sie gemachten Welt einzurichten, auch einen beträchtlichen Beitrag zu deren Unwirtlichkeit leistet. Die Frage, welche Schwierigkeiten seitens der Individuen einer bewussten Gestaltung ihrer Gesellschaft im Weg stehen, lässt sich nicht nur mit nahe liegenden Stichworten wie "Vereinzelung" und "Konkurrenzdruck" und der daraus resultierenden Erschöpfung abhaken; mit großer Sorgfalt weist Creydt nach, wie die Subjekte aktiv tätig zu ihrer dann als unbefriedigend, wenn nicht geradezu unglücklich empfundenen Situation beitragen - eben indem sie darum kämpfen, mit allem ihnen Zugemuteten fertig zu werden, und indem sie "ihr Glück machen", schaffen sie sich neue Leiden. Ebenso sind aber diese Bemühungen auch die Grundlage des erscheinenden funkelnden "kulturellen Reichtums" unserer Gesellschaft, eines Reichtums, der auch vom ästhetisch sensiblen Subjekt her gesehen zweifellos Kosten mit sich bringt und letztlich doch meist unbefriedigt lässt. So wird Arbeitskraft und werden Handlungspotentiale gebunden, die im Hinblick auf eine Umgestaltung oder auch nur Fortentwicklung der Gesellschaft fehlen.
Während die kapitalistische Weltwirtschaft fast blind und jedenfalls scheinbar unaufhaltsam dahingaloppiert, dabei erhebliche Schäden und Opfer zurücklässt, und man hierzulande rundum nur das leise "Plopp" der Implosionen noch vorhandener Reste von gesellschaftlichem Zusammenhang hört, ist es eine undankbare Aufgabe, trotz aller apokalyptisch anmutenden Ereignisse die Maschinerie unseres Scheiterns im Detail zu bedenken. Manchem mag da schon beten näher liegen.
Wer sich jedoch - als Student, politisch aktiv Tätiger oder wie auch immer - für Gesellschaftstheorie interessiert und interessieren muss, findet in auf diesen dicht, aber klar geschriebenen 420 Seiten eine Fülle von zentrierenden Perspektiven und Klärungen widerstreitender Geltungsansprüche. Viele Abschnitte laden zu einer umfassenderen Entfaltung und zu einem Neuüberdenken der im jeweiligen Bereich gängigen Theoreme ein, so steckt z.B. der Subjektivitätsabschnitt voller Anknüpfungspunkte zu medientheoretischen Argumentationen. Es gibt keine einfachen Lösungen, aber man trägt Argumente und Einsichten davon, was Lösungen schwierig macht und in welcher Richtung sie - ganz gleich in welchem Maßstab - zu suchen wären.
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