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Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft
 
 
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Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft [Gebundene Ausgabe]

Konrad Paul Liessmann
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag Ges. m.b.H.; Auflage: 17 (16. September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552053824
  • ISBN-13: 978-3552053823
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 12,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
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Konrad Paul Liessmann
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"(E)ine furiose, hochintelligente Polemik (...) in kristallklarer, reich mit hinreißend gemeinen Bonmots durchsetzter Sprache". Rheinischer Merkur, 26.10.06 "Eine scharfsinnige Analyse unseres Bildungssystems." Burkhard Müller, Süddeutsche Zeitung, 19.01.07

Kurzbeschreibung

Was weiß die Wissensgesellschaft? Wer wird Millionär? Wirklich derjenige, der am meisten weiß? Wissen und Bildung sind, so heißt es, die wichtigsten Ressourcen des rohstoffarmen Europa. Debatten um mangelnde Qualität von Schulen und Studienbedingungen - Stichwort Pisa! - haben dennoch heute die Titelseiten erobert. In seinem hochaktuellen Buch entlarvt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann vieles, was unter dem Titel Wissensgesellschaft propagiert wird, als rhetorische Geste: Weniger um die Idee von Bildung gehe es dabei, als um handfeste politische und ökonomische Interessen. Eine fesselnde Streitschrift wider den Ungeist der Zeit.

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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hilfloser Zorn als Abgesang auf ein durch Unbildung erodiertes einst vorbildliches System., 29. März 2009
Der Inhalt in aller Kürze: tiefgründige Forschung und "Bildung" - im ursprünglichen Wortsinne - drohen verloren zu gehen, weil die moderne Bildungspolitik ein altes Bildungskonzept zu verbessern strebt, dessen Grundlagen sie nicht mehr kennt, da sie selbst die grundlegenden Texte des Humanismus und des deutschen Idealismus nicht mehr gelesen hat und deshalb, bar jeder echten Bildung und in Unkenntnis des zu Verbessernden, das Gute am Alten nicht bewahren kann, und - aus mangelnder eigener philosophischer Tiefe und Sorgfalt auch kein gleichwertiges oder besseres Bildungkonzept zu entwerfen vermag.

Eine solche Verschlimmbesserei und Pfusch an den Grundlagen unserer Gesellschaft muss gerade einen Denker wie Liessmann zur Verzweiflung treiben, der eben, anders als die Mehrheit unserer Gesellschaft, die unserem alten Bildungskonzept zugrundeliegende Philosophie noch kennt und gründlich studiert hat. Sein in der Verzweiflung oft ohnmächtig wirkender Zorn entlädt sich auf 175 Seiten dieser Streitschrift, die weniger die "Irrtümer der Wissensgesellschaft" aufzeigt als in bisweilen wie gelähmtem Entsetzen bloß noch zu konstatieren, dass die Fundamente unseres Bildungsideals bereits so erodiert sind, dass selbst unsere in den universitären Verwaltungen tätigen Hochschullehrer sich von den bunt schillernden Sprechblasen der "Globalen Wissensgesellschaft" ohne jede kritische Gegenwehr mesmerisieren lassen.

Liessmanns Streitschrift kommt leider zwei oder drei (oder vier?) Jahrzehnte zu spät, wird ohnehin nicht viel zur "öffentlichen" "Debatte" (wo gibt es noch "öffentliche Debatten" - in der Leserbriefsparte des "Spiegel" oder in einem von eintausenddickmilch Blogs?) beitragen, eignet sich aber hervorragend, um sich von ihr ausgehend in das einzulesen, was mal das humanistische Bildungsideal war - die Fussnoten geben da die eine oder andere Anregung.
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43 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für alle Lehrkäfte und (Bildungs-)Politiker, 20. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch sollte für jeden zur Pflichtlektüre erklärt werden, der irgendwie mit Bildung (oder was damit heute gemeint wird) zu tun hat, sei es als Lehrkraft, als SchülerIn/StudentIn oder auch als PolitikerIn. Spritzig, aber wissenschaftlich fundiert wird der bildungspolitische Irrweg beschrieben und angeprangert, der uns von den für die Bildung Verantwortlichen aufoktroyiert wird und der uns zu einer Kultur der Unbildung führt. Was jeder, der über etwas gesunden Menschenverstand verfügt, eigentlich schon weiß, wird hier pointiert aufgezeigt: Dass sich Bildung nicht mit ökonomischen Werkzeugen wie Evaluation, Wirtschaftlichkeit, Rentabilität messen lässt, dass Bildung mehr ist als bloßes "Wissen, wo man nachschlagen muss" und ökonomisch verwertbares "Know-How", dass die Vermittlung von "Kultur" im weitesten Sinne zur Heranbildung eines mündigen Menschen gehört, .....

Es wird auch klar aufgezeigt, wie die Fixierung unserer Bildungsverantwortlichen auf den Rang, den man in der PISA-Studien einnimmt und auf den (die Universitätsausbildung zersetzenden) BOLOGNA-Prozess u.ä. unsere Bildung in den Abgrund führt. Noch nie wurde meines Wissens so klar aufgezeigt, dass Bildung nicht (nur) ökonomischen Gesetzen gehorcht, dass Bildung mehr ist als bloße Vorbereitung aufs Erwerbsleben und dass die aktuelle (Un-)Bildungspolitik eine verheerende Sackgasse darstellt.

Hier noch einige Zitate aus dem Buch, die die Stoßrichtung des Autors aufzeigen sollen:

"Am sinnfälligsten wurde das Ersetzen des Denkens durch das Abzählen einer Rangliste wohl am Beispiel von PISA. (....) Dass beim ersten Test Deutschland, beim zweiten Österreich eher schlecht abschnitten, hat neben einer in Bildungsfragen sonst selten zu beobachtenden kollektiven Depression zu völlig neuen Orientierungen in der Bildungspolitik geführt, mit dem erklärten Ziel, beim nächsten PISA-Test besser abzuschneiden. Anstelle der Bildungsziele der Aufklärung  Autonomie, Selbstbewusstsein und die geistige Durchdringung der Welt , anstelle der Bildungsziele der Reformpädagogiken  Lebensnähe, soziale Kompetenz und Freude am Lernen , anstelle der Bildungsziele der neoliberalen Schulpolitiker  Flexibilität, Mobilität und Beschäftigungsfähigkeit  ist ein einziges Bildungsziel getreten: PISA bestehen! Signifikanter zeigt sich Unbildung in keinem Zentrum vermeintlicher Bildung." (Seite 75)

"Auch die im Zuge des BOLOGNA-Prozesses induzierte "Modularisierung" der Studien gehorcht vorab erst einmal einem quantifizierenden und vereinheitlichenden Prinzip: Studien aller Art sollen in Modulen angeboten und absolviert werden können, wobei Module zusammenhängende Einheiten darstellen, die dann wie die Elemente eines Elektronik-Baukastens zusammengefügt und gegebenenfalls ausgetauscht werden können. In der Tat orientiert sich diese Überlegung weder am inneren Aufbau einer Wissenschaft und einer daraus abzuleitenden Didaktik noch an lerntheoretischen Erfordernissen, sondern am Modell eines industriellen Setzkastens, wie ihn etwa ein schwedisches Möbelhaus exzessiv praktiziert. (...) Die ersten Ergebnisse dieser Wissensfabrik sind bereits zu besichtigen: Man fügt einige Basismodule Philosophie und Ethik zu einigen Modulen Betriebswirtschaftskunde und Managementtechniken  schon ergibt sich ein wunderbarer Studiengang "Business Ethics"." (Seite 112)

"Den Geisteswissenschaften wurde es zum Verhängnis, dass sie ohne großen materiellen Aufwand betrieben werden können. Wenn die Eintreibung von Drittmitteln zum Qualitätskriterium einer Wissenschaft wird, wird der zum Versager, der solche Mittel gar nicht benötigt, weil ein Kopf zum Denken genügt. Ein kleines geisteswissenschaftliches Institut, das kaum mehr kostet als ein Professor und seine Assistenz, aber nur wenige Absolventen aufzuweisen hat, muss deshalb aus Kostengründen geschlossen werden; die paar hundert Millionen Euro, die für ein schlecht geplantes Technologieinstitut so nebenbei in den Sand gesetzt werden, fallen demgegenüber nicht weiter ins Gewicht." (Seite 125)
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41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen unterhaltsam und polemisch, 17. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft (Gebundene Ausgabe)
Ein brillanter Essay, ohne Zweifel!

Nicht nur inhaltlich knüpft er an Adornos Theorie der Halbbildung an, auch in seinem pointierten Duktus erinnert der Autor wohl nicht zufällig an den Dialektiker der Aufklärung. Im Zentrum von Liessmanns Betrachtungen steht nämlich ähnlich wie bei Adorno die Kritik an einem Umgang mit Wissen unter der Maxime der Nützlichkeit. War für Adorno Halbbildung immerhin noch vom Ehrgeiz motiviert, durch halbverdaute Stichwörter klassischer Bildung Zugehörigkeit zur aufgeklärten Schicht vorzugeben, sieht Liessmann das Kennzeichen der Unbildung darin, dass nicht mehr gewusst wird, was eigentlich gewusst werden soll. Die ökonomisierten Vernunft stellt keine Auswahlkriterien erstrebenswerter Wissensinhalte zur Verfügung. Banales und tiefgründiges, Durchdachtes und Schon-Mal-Gehörtes gelten gleichviel im Zeitalter der Multiple-Choice-Quizshows.

Liessmann zeigt auf, wie es dazu kommen konnte, dass im Zuge der Demokratisierung der Bildungsinsitutionen das bildungspolitische Ideal

sich zunächst in Richtung Halbbildung verschob und schließlich zur Vermittlung von "skills" verflachte. Das heißt zum Antrainieren gegenstandloser Kompetenzen wie Flexibilität und Teamfähigkeit, deren Ziel letztlich die Nivellierung des einstigen Bildungssubjektes war: das denkende, verstehende Individuum.

Liessmanns Analyse ist messerscharf und dabei vergnüglich zu lesen. Auch der Vorwurf, er prangere nur an zeige keine Alternativen auf, ist natürlich zu erwarten, muss aber relativiert werden. Schließlich stammt der klassische Bildungsbegriff aus der Zeit des frühen Bürgertums als es noch keine Massenuniversitäten gab und der Kanon relevanten Wissens überschaubarer und damit leichter zu durchdringen war. Der Verfall der Bildung ist somit der Preis der Demokratisierung. Angesichts dessen erscheint es naiv, zu glauben, man könne Bildung im Sinne von kulturellem Verstehen in Lehrplänen und Studiengängen quasi festschreiben.

Was Liessmann vielleicht explizit hätte erwähnen sollen ist, dass mündige Reflexion stets von individuellen Fragestellungen ausgeht. Dass das Herstellen von Zusammenhängen, der Erwerb von Bildung also letztlich einen individuellen Erkenntnisprozess widerspiegelt. Die eigentliche Kritik zielt also darauf, dass dem jungen Menschen bei allem Informationsterror und Kompetenzerwerbswettlauf keine Zeit für diesen zutiefst persönlichen Entwicklungsgang mehr bleibt. Eliteuni und Massenuni sind daher zwei Seiten der selben Medaille: Kadettenanstalten zur Uniformierung des Denkens.

Insofern könnte und sollte man Liessmann eben auch als Aufforderung zur Muße und zum Mut zur eigenen Geschichte lesen.

Das Buch ist sicher polemisch, vereinfachend und zielt auf Breitenwirkung.

Daher als Einstieg in die bildungspolitische Diskussion sehr empfehlenswert, aufgrund der fehlenden Diskussion, wie sich denn Bildung trotz und unter dem herrschenden öknonomistischen Diktat verwirklichen ließe, jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss.
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